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Schwellenländer : Indische Softwaraktien kämpfen sich wieder nach oben

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Die Aussicht auf wieder höhere Steigerungsraten beim Gewinn hat zu einer Wiederentdeckung indischer Softwareaktien geführt. In der Tat stimmen die Wachstumsperspektiven. Etwas störend wirkt nur die hohe Bewertung.

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          Eine Ertragsschwäche im ersten Quartal 2003 hat den indischen Softwareaktien im ersten Halbjahr das Leben noch sehr schwer gemacht. Die Aktienkurse der führenden Branchenvertreter Wipro, Infosys Technologies, Satyam Computer Service und HCL Technologies befanden sich mit Kurshalbierungen regelrecht im Sturzflug. Alleine am 10. April büßten diese vier Titel nach einer Gewinnwarnung von Infosys 2,25 Milliarden Dollar an Marktkapitalisierung ein.

          Doch diese Schwächeperiode ist nach wieder besseren Zahlen im zweiten Quartal inzwischen ausgestanden. Von ihren Jahrestiefs ausgehend haben sich die Titel in der Spitze mittlerweile wieder verdoppelt. Dennoch könnte das Ende der Fahnenstange noch nicht erreicht sein, wenn wie erhofft die Gewinne keine negativen Überraschungen mehr parat halten.

          Aktien haben im Quervergleich theoretisch noch Nachholbedarf

          Nachholbedarf läßt sich auch daran ablesen, daß der von stark fallenden Anleiherenditen begünstigte indische Aktienindex Sensex nach einer zuletzt fulminanten Kursrallye auf dem höchsten Stand seit drei Jahren notiert. Titel wie Wipro oder Infosys sind davon aber noch weit entfernt. Auch der Index für indische Technologieaktien ist in diesem Jahr bisher um neun Prozent gefallen. Das kontrastiert mit einem Plus von 40 Prozent beim weltweiten Technologieindex von Morgan Stanley.

          Etliche Anleger setzen darauf, daß dieser Rückstand aufgeholt werden kann. Sehr zuversichtlich gibt sich beispielsweise Paras Adenwala, Fondsmanager bei Birla Sun Life Asset Management: „Ich bin sehr optimistisch für den Software-Sektor. Die Leute sollten hier kaufen.“

          Analysten rechnen mit guten Drittquartalszahlen

          Die genannten Unternehmen haben es schon in Kürze selbst in der Hand, diese Zuversicht zu untermauern. Am Freitag eröffnet Infosys mit der Bekanntgabe der Ergebnisse für das dritte Quartal den Zahlenreigen. Und die Hoffnung der Anleger sind groß, zumal Infosys und auch Wipro schon im Vorfeld bessere Ergebnisse in Aussicht gestellt haben.

          Sujit Sahgal, Analyst bei UBS Warburg, setzt aber darauf, daß die Gesellschaften halten, was sie versprochen haben. „Sie könnten Preismacht zurückgewonnen haben“, nennt er einen der Gründe für seinen Optimismus.

          Konkret wird von Infosys eine Steigerung beim Nettogewinn um 28 Prozent auf 2,89 Milliarden Rupie oder umgerechnet 63,6 Millionen Dollar erwartet und eine Umsatzverbesserung um 32 Prozent auf 11,58 Milliarden Rupie. Bei Wipro gehen Analysten von einem Ergebnisanstieg von 4,5 Prozent auf 2,2 Milliarden Rupie aus und einem Umsatzplus von 24 Prozent auf 13,17 Milliarden Rupie.

          Nachfrage aus Amerika und Südostasien verspricht Wachstum

          Die indischen Softwareunternehmen profitieren dabei auch davon, daß ausländische Unternehmen wie die in Amerika ihre Software-Arbeiten ins lohnkostengünstigere Indien verlagern. So ergab eine Umfrage von DSP Merrill Lynch unter 50 amerikanischen Firmen, daß der Anteil der Software-Arbeiten am gesamten Technologiebudget bis 2005 auf 7,3 Prozent von 3,8 Prozent im Jahr 2002 steigen könnte. Dieser Trend ist auch deshalb nicht unwichtig, weil Amerika für 70 Prozent der von indischen Software-Firmen erzielten Umsätze steht.

          Die hohe Abhängigkeit von Amerika könnte sich aber dann verringern, wenn die Verhandlungen über ein Freihandelsabkommen mit den Asean-Staaten erfolgreich abgeschlossen werden sollten. Denn bislang wird eine Expansion in größerem Stil in Ländern wie Singapur, Malaysia, Indonesien und Thailand durch hohe Hürden wie etwa beim Erteilen von Einreisegenehmigungen stark behindert. Sanjay Dongre, Fondsmanager bei UTI Asset Management, ist sich jedenfalls sicher: „Wenn freier Handel erlabt wird, könnte die indischen Exporte stark anziehen.“

          Indische Softwareaktien sind relativ hoch bewertet

          Allerdings darf bei allen diesen Pluspunkten nicht vergessen werden, daß die indischen Softwareaktien relativ hoch bewertet sind. So kommt Infosys auf ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von 25 und Wipro auf 30. Das ist rund doppelt so hoch wie das Kurs-Gewinn-Verhältnis von 14, das der indische Gesamtmarkt aufweist.

          Die hohe Bewertung, die sich nur bei entsprechenden Gewinnwachstumsraten rechtfertigen läßt, macht den Sektor im Falle von erneuten Enttäuschungen anfällig für Kurskorrekturen. Aber solange das Sentiment für den indischen Aktienmarkt und die weltweiten Technologieaktien stimmt, dürfte der zuletzt gezeigte Kursschwung zunächst unverändert anhalten.

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