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Schwellenländer : Indische Aktien sollten nüchterner betrachtet werden

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Der Chart zeigt die Entwicklung des Sensex. Bild:

Brasilien, Rußland, Indien, China - die Zauberwörter für Investoren in den vergangenen Jahren. Allmählich ist es jedoch Zeit, für eine nüchternere Betrachtung.

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          Das Zauberwort heißt BRIC. Es steht für Brasilien, Rußland, Indien und China. Diese werden - so meinen Investmentstrategen - Mitte des Jahrhunderts zu den sechs größten Volkswirtschaften der Welt gehören. Indien scheint da auf dem besten Weg zu sein. Mit einem realen Netto-Wirtschaftswachstum von durchschnittlich 6,2 Prozent in den vergangenen zehn Jahren ist der Subkontinent zu einerder am stärksten aufstrebenden Volkswirtschaften der Welt geworden.

          Ermöglicht hat dies ein Reformweg, der 1991 eingeschlagen und der bestrebt ist, die Fesseln des dritten Weges einer Mischung aus Privat- und Staatswirtschaft abzuwerfen, den Indien seinerzeit nach der Unabhängigkeit eingeschlagen hatte. Das hohe Wachstum hat in Verbund mit der wachsenden Konsumkraft der indischen Bevölkerung zahlreiche ausländische Investoren nach Indien gelockt: Zwischen 1990 und 2002 stiegen die ausländischen Direktinvestitionen von der für Indiens Größe lächerlichen Summe von 162 Millionen Dollar auf 3,5 Milliarden um das 21fache.

          Den Aktienmarkt beflügelt

          Beflügelt hat dies auch den indischen Aktienmarkt. Der Leitindex Sensex der Börse in Bombay startete 1990 bei 659,30 Punkten. Mittlerweile hat er 984 Prozent zugelegt und steht bei 7.148,62 Punkten. Im selben Zeitraum haben es der S&P-500 und Dow Jones auf 300 Prozent, der Dax nur auf 150 und der FTSE-100 sogar nur auf 110 Prozent.

          Der Weg verlief dabei keineswegs kerzengerade, sondern war von langen Seitwärtsphasen und tiefen Einbrüchen gekennzeichnet, zuletzt im Mai 2004, als der Leitindex Sensex an einem Tag mehr als 15 Prozent verlor. Seitdem ging es aber auch wieder 59 Prozent nach oben.

          Wer also auf dem indischen Elefanten reiten will, muß sich daran gewöhnen, daß es gelegentlich mal etwas rüttelt. Aber auch dann stellt sich bisweilen die Frage ob der Dickhäuter nicht bereits zu schnell unterwegs ist und im Dschungel euphorischer Erwartungen ins Stolpern gerät.

          Keine guten Wachstumsnachrichten

          Einen Dämpfer gab es am Montag. Nach Angaben der FAZ ließ der indische Ministerpräsident Manmohan Singh verlauten, daß Indien sein selbstgestecktes Wachstumsziel nicht erreichen wird. Zwar plane man weiterhin bis 2007 mit einem Wachstum des Bruttoinlandsproduktes (BIP) von sieben bis acht Prozent jährlich. Das Ziel von 8,1 Prozent Durchschnittswachstum innerhalb des am 31. März 2007 endenden Fünfjahresplans aber sei zu ambitioniert. „Selbst wenn wir das Wachstum in den kommenden beiden Jahren erreichen, werden wir das ursprüngliche Ziel für den Fünfjahres-Plan verfehlen“, sagte Singh.

          Das Fatale daran ist, daß die Regierung Singh bei ihrer Amtsübernahme im Mai vergangenen Jahres selbst gesagt hatte, acht Prozent jährliches Wachstum seien notwendig, um die Armut weiter Teile der Bevölkerung zu verringern und mit dem Nachbarn China mithalten zu können.

          Den Grund für die Notwendigkeit zur Zurücknahme der noch von der Vorgänger-Regierung verabschiedeten Ziele sieht Singh vor allem im mangelnden Wachstum der Landwirtschaft. „Der Eckpunkt des Fünfjahres-Plans war eine Umkehr des immer schwächer werdenden Wachstums in der Landwirtschaft. Das Ziel lag bei einem Agrarwachstum von vier Prozent. Unglücklicherweise aber hat sich die Lage des Agrarsektors weiter verschlechtert, so daß sein Wachstum seit 2002 wohl die 1,5 Prozent jährlich kaum übertroffen haben wird“, räumt Singh ein.

          Fast zwei Drittel der Bevölkerung Indiens lebt von Ackerbau und Viehzucht. Die Landwirtschaft trägt noch ein Fünftel zum BIP bei, und die Landbevölkerung ist damit die entscheidende Nachfragekraft in Indien.

          Keine Panik

          Damit bleibt das Land weiter abhängig vom Monsun-Regen, der auch den Verlauf der Börse stark beeinflußt. Zwar waren die Regenwerte in diesem Jahr bislang normal, doch kritisch werden die kommenden vierzehn Tage.

          Das alles ermutigt nicht unbedingt, aber allem Anschein nach ist Panik derzeit unangebracht. Das Wachstum in Indien wird offenbar nicht die bisherigen - vielleicht etwas zu euphorischen - Erwartungen erfüllen.

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