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Schwellenländer : Das ABC der China-Aktien

Er kennt die Unterschiede: Aktienhändler in Hongkong Bild: AFP

Wer sich mit chinesischen Aktien beschäftigt, muß nicht Mandarin beherrschen. Aber das ABC sollte er können - denn mit ihm teilen die Chinesen ihren Aktienmarkt ein. Im Angebot sind A-, B- und H-Titel - und viele mehr.

          3 Min.

          Wer sich mit chinesischen Aktien beschäftigt, muß nicht Mandarin beherrschen. Aber das ABC sollte er können - denn mit ihm teilen die Chinesen ihren Aktienmarkt ein.

          Christoph Hein

          Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.

          Die Buchstaben helfen, einen unübersichtlichen Markt zu strukturieren. Er wird nicht nur von zwei Börsenplätzen in Festlandchina selber bestimmt, sondern - für ausländische Anleger bedeutender - auch vom Handelsplatz in der chinesischen Sonderverwaltungsregion Hongkong.

          Dabei sind die Märkte noch extrem jung, auch im asiatischen Vergleich: Die Mumbai Stock Exchange, die Börse in der indischen Wirtschaftsmetropole Bombay (Mumbai), wurde 1875 eröffnet und hat seitdem Bestand. In China wurde die erste Börse, die Shanghai Stock Exchange, zwar 1891 eröffnet. Nach dem Schließen der Börsen des Landes 1952 dauerte es aber noch einmal fast vier Dekaden, bis Schanghai am 26. November 1990 den Handel wiederaufnahm. Die Retortenstadt Shenzhen hatte sich schon zuvor damit versucht und folgte offiziell am 1. Dezember.

          Hang Seng China Enterprise Index

          „Das erinnert immer noch an russisches Roulette“

          In beiden Städten, und eben nur dort, werden heute A- und B-Aktien gehandelt. A-Aktien bezeichnen diejenigen Papiere, die in chinesischen Yuan notieren. Sie waren Chinesen vorbehalten, erst in jüngerer Zeit dürfen auch „qualifizierte ausländische Finanzinstitutionen“ die Yuan-Aktien besitzen. B-Aktien werden zwar auch nur innerhalb der chinesischen Grenzen gehandelt, notieren aber in amerikanischen Dollar in Schanghai, in Hongkong-Dollar im Hongkong benachbarten Shenzhen. Ursprünglich reserviert für Auslandsinvestoren, wird der größte Teil des Handels mit diesen Wertpapieren inzwischen auch von den Chinesen selber abgewickelt.

          Im März 2004 hatte die Börsenaufsicht erklärt, den Markt für B-Aktien schließen zu wollen. Bis heute ist nichts geschehen, doch ist der Handel mit B-Aktien faktisch tot. Ende 2005 waren 1.381 Unternehmen in Schanghai und Shenzhen gelistet. Sie hatten gut 762.000 Milliarden Aktien ausgegeben mit einer gesamten Marktkapitalisierung von 3,24 Billionen Yuan (322 Milliarden Euro).

          Allerdings stammte davon nur ein Drittel von Aktien, die handelbar waren. Denn rund 80 Prozent der an den beiden Börsen notierten Wertpapiere waren als Staatseigentum vom Handel ausgeschlossen. Dieser Wert sank bis heute auf rund 50 Prozent. Gleichwohl bleibt der Markt hochspekulativ: „Trotz der Reformschritte erinnern die Kapitalmärkte in China immer noch an russisches Roulette. Der ausgeprägte Insiderhandel, die große Zahl nicht handelbarer Stücke führen dazu, daß von einem Markt im westlichen Sinn nicht die Rede sein kann“, kritisiert Horst Löchel, Vorstandsvorsitzender des Shanghai International Banking & Finance Institute.

          Auch N- und P-Aktien im Angebot

          Mangels anderer Anlagemöglichkeiten aber wächst die Zahl der Marktteilnehmer. Zwischen April und September stiegen mehr als zwei Millionen Chinesen neu in den Aktienmarkt ein. Die Zahl der Börsianer stieg damit auf 76 Millionen. Dies aber sind nur 5 Prozent der Gesamtbevölkerung. Zum Vergleich: 40 Prozent der amerikanischen Haushalte besitzen Aktien. Der führende Index, der Shanghai Composite Index, der sowohl A- wie auch B-Aktien in Schanghai abbildet, hat in diesem Jahr schon um 80 Prozent zugelegt. Mit derzeit rund 2.100 Punkten nähert er sich seinem Allzeithoch von 2.245 Punkten vom Juni 2001. Er umfaßt die 52 führenden Unternehmen Chinas.

          Ausländer, die am „chinesischen Wirtschaftswunder“ teilhaben wollen, werden sich aber eher an die H-Aktien halten. Sie werden an der Börse Hongkong von den restrukturierten, aber oft immer noch staatlichen chinesischen Konglomeraten ausgegeben. Der Hang Seng China Enterprise Index bildet die Entwicklung der H-Aktien ab. Er notiert derzeit um den höchsten Stand seit 1997.

          Damit aber endet das Alphabet noch lange nicht: N-Aktien werden die Papiere festlandchinesischer Unternehmen genannt, die als Anteilsscheine (ADR) an der Börse in New York gehandelt werden. Allerdings ist die Notierung dort angesichts der verschärften Offenlegungsvorschriften auch für Unternehmen aus China wesentlich unattraktiver geworden, weshalb sie sich stärker auf Hongkong und im zweiten Schritt auf Festlandchina selber konzentrieren. Dann gibt es noch das Segment der P-Chips (Aktien), die die Papiere festlandchinesischer Entrepreneure umfassen. Als Red Chips schließlich werden die Aktien derjenigen Unternehmen bezeichnet, die Festlandchinesen in Hongkong aufgebaut haben, nicht zuletzt, um Schwarzgelder zu waschen. Sie operieren in Festlandchina.

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