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Schwellenländer : Chinas Börsen weit abgeschlagen

  • -Aktualisiert am

Chinesische Börse: Von Entspannung keine Spur Bild: AP

In Schanghai sind die Kurse am Montag um 5 Prozent auf den tiefsten Stand seit mehr als einem Jahr gefallen. Die Furcht vor einer zu restriktiven Geldpolitik im Inland und die Unsicherheit über die Zukunft Europas belasten die Finanzmärkte.

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          Die Furcht vor einer zu restriktiven Geldpolitik im Inland und die Unsicherheit über die Zukunft Europas, des wichtigsten Auslandsmarkts für China, belasten die Finanzmärkte in China stärker als anderswo in der Welt. Am Montag fiel der Schanghai-Composite-Index um mehr als 5 Prozent auf 2560 Punkte.

          Das war der niedrigste Stand seit mehr als einem Jahr und der stärkste Rückgang seit Ende August 2009. Der Index CSI 300 gab noch kräftiger nach und rutschte um 5,4 Prozent auf 2715 Punkte.

          Schanghai-Composite gehört seit Jahresbeginn zu den schlechtesten Indizes

          Nachdem der Schanghai-Composite mit einem Gewinn um 80 Prozent im Jahr 2009 noch zu den besten Indizes der Welt gehört hatte, zählt er mit einem Abschlag von mehr als 20 Prozent seit Jahresbeginn zu den fünf schlechtesten. Angesichts der Verwerfungen in Europa bestehe die Gefahr, dass Chinas Geldpolitik "zu straff" ausfalle und die drittgrößte Volkswirtschaft der Welt "hart landet", sagt Daphne Roth von ABN Amro Private Banking der Nachrichtenagentur Bloomberg. "Die Anleger fürchten immer mehr, dass sich die Politik in China verkalkuliert hat."

          Genauso verkalkuliert haben sich offenbar viele Anleger. Erstmals treffen die Kursabschläge in großem Maßstab auch Neuemissionen. Nach Angaben der Nachrichtenagentur Xinhua liegt der Aktienpreis von 27 Prozent jener Gesellschaften, die seit Jahresbeginn an die Börse gegangen sind, heute unter dem Ausgabekurs. Dabei fallen die Geschäftszahlen der meisten Unternehmen durchaus zufriedenstellend aus, in einer Zeit, in der Chinas Wirtschaft im ersten Quartal um mehr als 11 Prozent gegenüber dem ersten Quartal 2009 deutlich stärker gewachsen ist als der Rest der Welt.

          Die Unsicherheit stammt eher aus der Geldpolitik. Nach rund 1000 Milliarden Euro zur Konjunkturbefeuerung im Jahr 2009 versuchen Chinas Regierung und Zentralbank in diesem Jahr, Liquidität aus dem Markt zu nehmen. Damit wollen sie einer Überhitzung vorbeugen. Die Mindestreserveanforderungen der Banken wurden mehrfach erhöht, die Darlehen drastisch beschnitten.

          Preisentwicklung am Häusermarkt soll gebremst werden

          Manche Fachleute erwarten Zinserhöhungen. Um den von Spekulationen angefachten Immobilienmarkt abzukühlen, haben Zentral- und Lokalregierungen bestimmte Finanzierungen untersagt, die Eigenmittelanforderungen erhöht und den Verkauf an strengere Auflagen gebunden. Nachdem Premierminister Wen Jiabao abermals unterstrichen hat, dass die Regierung die Preisentwicklung am Häusermarkt mit allen Mitteln eindämmen werde, fielen die Aktienkurse von Immobilienunternehmen weiter.

          Belastend wirkte sich auch die Krise im Euro-Raum aus. Seit Beginn der Griechenland-Krise im Oktober hat der an den Dollar gekoppelte Yuan gegenüber dem Euro mehr als 15 Prozent an Wert gewonnen. Das erschwert chinesischen Exporteuren den Absatz in Europa, ihrem wichtigsten Markt noch vor den Vereinigten Staaten. Die EU nimmt ein Fünftel des Exports auf. Das Handelsministerium in Peking erklärte, der Euro-Verfall setze die Ausfuhr unter Druck. Die Verwerfungen gefährdeten die Erholung der Weltwirtschaft, in der sich China im Jahr 2009 erstmals vor Deutschland zur wichtigsten Ausfuhrnation aufgeschwungen hatte. Nach dieser Regierungseinschätzung sanken die Preise von Exporttiteln.

          Die großen Ausschläge in den Indizes sollte man nach Ansicht von Fachleuten aber nicht überbewerten. Chinesische Märkte seien traditionell sehr volatil und würden oft mehr von Stimmungen und Liquidität getrieben als von Fundamentaldaten. So erwarten manche Analysten schon bald große Zuflüsse an die Aktienbörsen, da der Immobilienmarkt nach den staatlichen Bremsmanövern uninteressanter werde. Wu Xiong von der Beteiligungsgesellschaft Rosefinch Investment hält die Kursverluste für ein "psychologisches Problem", das Chinas Märkte schon lange belaste. Viele Investoren blieben nur für "schnelle Gewinne" im Markt.

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