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Schwellenländer : Asiens Regierungen liebäugeln mit Interventionen

  • Aktualisiert am

Es gibt kaum Lichtblicke an Vietnams Börse im Moment Bild: AFP

Der weitere Kurseinbruch der Märkte in Asien verführt einige Regierungen, breit angelegte Stützungskäufe von Aktien in Erwägung zu ziehen. Insbesondere Taiwan, Vietnam und Pakistan sind bereit, eigene Wertpapiere für Milliarden zu erwerben.

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          Der weitere Kurseinbruch der Märkte in Asien verführt einige Regierungen, breit angelegte Stützungskäufe von Aktien in Erwägung zu ziehen. Insbesondere Taiwan, Vietnam und Pakistan sind bereit, eigene Wertpapiere für Milliarden zu erwerben. Damit wollen sie den raschen Rückgang ihrer Börsenindizes bremsen.

          Den Hintergrund dieser Überlegungen bildet ein katastrophales erstes Halbjahr an den Aktienbörsen der Region. Der MSCI Asia-Pacific Index hat seit Jahresbeginn fast 14 Prozent seines Wertes verloren. Nur die erste Jahreshälfte 1992, als in Japan die Aktienblase geplatzt war, traf die Region mit einem Minus von 23 Prozent noch härter - damals war Japan das alles überragende Schwergewicht im Index.

          Analysten sehen für die Region noch kein Ende der Talfahrt voraus

          Am Dienstag büßte der Markt in China weitere 3,1 Prozent ein. Seit Jahresbeginn hat der Index dort nun 48 Prozent verloren. Die Marktkapitalisierung der Börse am südostasiatischen Handelsplatz Singapur mit ihren 782 notierten Aktien hat seit Jahresbeginn inzwischen 120 Milliarden Dollar Wert vernichtet. Mit einem Minus von 15 Prozent verzeichnete die Singapore Exchange das schlechteste Halbjahr seit dem Kurseinbruch während der Asienkrise 1998. Analysten sehen für die Region noch kein Ende der Talfahrt voraus.

          Die Börsen in Asien haben sich längst für die heranwachsende Mittelschicht zu einem Instrument der Altersvorsorge entwickelt. Die Regierungen befürchten nun, dass der weltweite Einbruch der Aktienmärkte spekulative Investoren zu einem immer schnelleren Abzug aus Asien verführen werde, was den Abschwung dort noch verschärfen könnte. Denn dann würde die heimische Mittelschicht ihren Konsum einschränken. Der Konsum wird aber ohnehin von der höchsten Inflationsrate seit Dekaden belastet. Nur ein starker privater Verbrauch könnte freilich das erwartete Sinken der Ausfuhren in den Westen ausgleichen. Analysten warnen nun auch vor steigenden Kosten der Unternehmen durch die Lohnspirale bei gleichzeitig wachsenden Kosten für Ausfuhren aufgrund der hohen Ölpreise. Die hohen Inflationsraten der Region werden die Zentralbanken zugleich zwingen, die Zinsschrauben weiter anzuziehen und damit Kredite für die Unternehmen zu verteuern.

          Angesichts dieser schwer zu kalkulierenden Risiken scheint es mehr und mehr Regierungen angebracht, einen allzu schnellen Einbruch der Märkte zu dämpfen. Über ausreichende Mittel und Werkzeuge, die eigenen Märkte zu unterstützen, verfügen sie. Auch sind ihnen Stützungskäufe keineswegs fremd. So hat die Regierung der chinesischen Sonderverwaltungsregion Hongkong nach der Asienkrise immer wieder in den eigenen Markt eingegriffen. Damit folgte die dortige Stadtverwaltung dem Weg Japans: Die Japaner hatten nach dem Platzen ihrer Blase im Jahr 1991 mit Regierungsgeldern eigene Aktien gekauft, um einen weiteren raschen Verfall der Werte zu bremsen.

          In Taiwan trifft sich demnächst der Vorstand des Stützungsfonds

          Taiwan verfügt über einen Stützungsfonds, dessen Volumen die Financial Times auf 22,5 Milliarden Dollar taxiert. Sein Vorstand wird sich an diesem Freitag treffen. Zuletzt hatte der Nationale Stabilitätsfonds im Jahr 2004 in das Marktgeschehen eingegriffen, nachdem es zu politischen Querelen im Zuge der Wahl gekommen war. Erst am vergangenen Wochenende hatten Taiwans Finanzpolitiker und Zentralbanker über Hilfen für den heimischen Markt debattiert. Er notiert auf dem tiefsten Stand seit fünf Monaten und hat im Halbjahr fast 12 Prozent verloren. In der ersten Jahreshälfte 2004 hatte er fast 14 Prozent gutgemacht. Ein ähnliches Modell plant nun wohl auch Vietnam, melden die dortigen Staatszeitungen. Das tief in eine Wirtschaftskrise geglittene Land plant den Aufbau eines Stützungsfonds. Der Aktienmarkt in Vietnam hat seit Jahresbeginn schon 57 Prozent seines Wertes verloren. In der ersten Hälfte vergangenen Jahres hatte er noch gut 36 Prozent gewonnen.

          Pakistan hat erst vor wenigen Tagen einen solchen Fonds gegründet. Er wird auf ein Volumen von 30 Milliarden Pakistanische Rupien (279 Millionen Euro) geschätzt. Die Karachi Stock Exchange hatte zuvor vor "systemischen Risiken" gewarnt. Im vergangenen Jahr hatte der Index noch zu den besten der Welt gehört, aufgebläht von den Hilfsgeldern vor allem aus Amerika, Waffen- und Drogenhandel sowie einem raschen Privatisierungskurs. Nun aber hat er seit April ein Drittel seines Wertes verloren.

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