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Swiss Market Index : Schweizer Aktienmarkt hat noch Luft nach oben

Die Schweizer Börse hat noch Luft nach oben. Bild: dpa

Die Unternehmen der Eidgenossen profitieren vom Aufschwung in der Eurozone. Schweizer Aktien sind zuletzt gut gelaufen. Ein Anzeichen von Überhitzung sehen Analysten aber noch nicht.

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          Beim wichtigsten Börsenbarometer der Schweiz standen die Vorzeichen in der vergangenen Woche auf Minus: Der Swiss Market Index (SMI), in dem die 20 bedeutendsten Titel des Landes geführt sind, gab um 1,1 Prozent auf 8938 Punkte nach. Am Montag ging es weiter leicht bergab. Diese kurzfristige Betrachtung sollte indes nicht den Blick darauf verstellen, dass Schweizer Aktien zuletzt gut gelaufen sind: Seit Beginn dieses Jahres legte der SMI um 9 Prozent zu. Der breiter gefasste Swiss Performance Index (SPI) kletterte sogar um fast 14 Prozent nach oben. Treiber dieser Entwicklung war zum einen der Wahlausgang in Frankreich. Zum anderen profitieren die exportstarken und international stark verflochtenen Schweizer Unternehmen von der Konjunkturerholung in der Eurozone.

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          Johannes Ritter

          Korrespondent für Politik und Wirtschaft in der Schweiz.

          Auch fällt die Aufwertung des Euros, die jüngst für einen Rücksetzer im Dax gesorgt hat, in der Schweiz nicht ins Gewicht. Müssten die Schweizer Unternehmen und deren Aktienkurse nicht sogar von der leichten Schwächung des Frankens im Verhältnis zum Euro profitieren? Lorenz Reinhard, Anlagestratege der Schweizer Privatbank Pictet, warnt davor, den Wechselkurseffekt zu überschätzen:

          „Wir erwarten, dass sich der Eurokurs in den kommenden sechs Monaten zwischen 1,10 und 1,12 Franken einpendelt. In dieser Schwankungsbreite hat das keinen großen Einfluss auf die Aktienkurse.“ Außerdem müsse man neben dem Euro auch auf den Dollar schauen. Und der sei zuletzt schwächer geworden. Tatsächlich hat beispielsweise der Uhrenkonzern Swatch in der vergangenen Woche darüber berichtet, dass die Dollarschwäche das Wachstum in Amerika im ersten Halbjahr gleichsam wegradiert hat.

          „Wir sehen derzeit keine Anzeichen einer Überhitzung“

          Auch Janwillem Acket, Chefökonom des Zürcher Vermögensverwalters Julius Bär, hält den Einfluss der aktuellen Frankenschwäche für gering: „Davon lässt sich der Schweizer Aktienmarkt nicht sonderlich beeindrucken. Das positive Momentum kommt vor allem von dem Konjunkturaufschwung in Europa.“ Im SMI, der durch Schwergewichte wie Nestlé und die Pharmakonzerne Roche und Novartis geprägt wird, spiegle sich nicht der lokale Schweizer Markt, sondern der Weltmarkt. Doch hätten viele Titel im SMI inzwischen stolze Bewertungen erreicht.

          Reinhard sieht das ähnlich, er sagt aber auch: „Wir sehen derzeit keine Anzeichen einer Überhitzung.“ Der Aktienmarktexperte verweist auf die „sehr positiven Fundamentaldaten“ in der globalen Wirtschaft, welche die Gewinnerwartungen und damit auch die Aktienkurse nach oben getrieben hätten. Zufrieden blickt Reinhard auch auf den Auftakt der Berichtssaison: „Die bisher vorgelegten Halbjahreszahlen sind bis auf wenige Ausnahmen positiv. Wenn das so weitergeht, verheißt das viel Gutes.“ Er traut SMI und SPI bis zum Jahresende noch einen Anstieg von rund 5 Prozent zu. Besonders gespannt blicken die Anleger auf Nestlé. Der größte Nahrungsmittelhersteller der Welt legt am Donnerstag seine Halbjahresbilanz vor.

          NESTLE NAM. SF-,10

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          Große strategische Entscheidungen sind an diesem Tag freilich nicht zu erwarten. Der neue Vorstandsvorsitzende Ulf Schneider wird wohl erst auf dem Investorentag Ende September ein paar Pflöcke einschlagen und genauer skizzieren, wie er dem etwas schläfrigen Lebensmittelriesen wieder mehr Tempo und Dynamik einflößen will. Dabei sitzt ihm der amerikanische Investor Daniel Loeb im Nacken, der mit seinem Hedgefonds Nestlé-Aktien im Wert von 3,5 Milliarden Dollar gekauft hat. Der Einstieg Loebs und dessen offen artikulierten Forderungen an das Management haben mit dazu beigetragen, dass der Nestlé-Kurs seit Beginn dieses Jahres um 13 Prozent auf knapp 82 Franken gestiegen ist. Angesichts des großen Gewichts von Nestlé im SMI hat dies dem Schweizer Aktienmarkt insgesamt Stabilität verliehen.

          Banken-Aktien entwickelten sich in 2017 bisher schwach

          Deutlich schwächer als der Markt entwickelten sich die Aktien der beiden Großbanken Credit Suisse (CS) und UBS, die am Freitag neue Geschäftszahlen präsentieren. Der CS-Kurs tritt seit Jahresanfang auf der Stelle. Nach der Kapitalerhöhung im Frühjahr und der Milliardenbuße in Amerika habe der Credit Suisse das Schlimmste hinter sich, meint Reinhard. Über der UBS schwebe hingegen noch das Damoklesschwert eines Gerichtsverfahrens in Frankreich. Die französischen Justizbehörden hatten im März Anklage erhoben wegen des Verdachts des schweren Steuerbetrugs und der Kundenwerbung für illegale Bankgeschäfte.

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          Viel Musik steckt nach Einschätzung Reinhards hingegen in der Aktie von Clariant. Der Spezialchemiekonzern will mit dem amerikanischen Unternehmen Huntsman fusionieren. Doch dagegen formiert sich Widerstand: Zwei Investoren, die gemeinsam 10 Prozent des Kapitals eingesammelt haben, halten die Fusion nicht für stichhaltig und wollen sie möglichst verhindern. Das Gerangel könnte andere Interessenten anlocken. Kommt es vielleicht zu einem Übernahmeangebot für Clariant? Um damit Erfolg zu haben, müsse der Angreifer bereit sein, mehr als 30 Franken je Aktie zu bieten, meint Reinhard. Das wäre ein saftiger Aufschlag zum aktuellen Kurs von 22,15 Franken.

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