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Schweiz : Sulzer-Aktie dürfte die Luft noch nicht ausgehen

  • Aktualisiert am

Der Chart zeigt den Verlauf der Aktie von Sulzer in Euro. Bild:

Der Schweizer Pumpenhersteller glänzt mit einem starken Auftragseingang, sieht aber keine Fortsetzung des Order-Booms im bisherigen Maße. Die Aktie strebt aufwärts, ist nicht teuer und gilt als deutlich unterbewertet.

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          Die Aktie des Schweizer Pumpenherstellers Sulzer genießt unter Analysten einen guten Ruf. Sowohl das auf Nachhaltigkeit schauende Bankhaus Sarasin als auch Pictet empfehlen das Papier seit Monaten zum Kauf. Auch bei Anlegern steht der Titel hoch im Kurs: Binnen Jahresfrist ist sein Kurs um gut 30 Prozent geklettert, während der Vergleichsindex SMI nur um 1,2 Prozent vorgerückt ist. Auch in den jüngsten drei Monaten hat die Sulzer-Aktie den Swiss Market Index geschlagen.

          Gleichwohl sehen Sarasin und Pictet den Titel weiter als nennenswert unterbewertet an. Und nach den jüngsten Informationen aus dem Hause Sulzer dürfte sich daran nichts ändern. Denn der Konzern hat im vierten Quartal 2004 einen um 26 Prozent gestiegenen Auftragseingang verzeichnet; im dritten Quartal war das Ordervolumen um 14 Prozent gestiegen und in den ersten neu Monaten des vergangenen Jahres um elf Prozent im Vergleich zum entsprechenden Vorjahreszeitraum. Folglich hat Sulzer im Schlußquartal einen gewaltigen Satz gemacht.

          Im Vorgriff auf die jüngsten Zahlen stieg die Aktie am Montag um 1,2 Prozent auf 438,50 Franken, nachdem zuvor etwas von ihrem Mehrjahreshoch bei 459,75 Franken zurückgekommen war. Dabei ist der Titel trotz der sehr guten Jahresperformance weiter nicht teuer, da Analysten für dieses Jahr und 2006 steigende Gewinne erwarten.

          Vorstand: Geschäft allgemein auf einem guten Kurs

          Der Auftragseingang summierte sich im Schlußquartal auf 536 Millionen Franken nach 426 Millionen Franken vor Jahresfrist, wie Bloomberg News ermittelt hat. Im Gesamtjahr steigerte Sulzer demnach das Ordervolumen um 15 Prozent auf 2,2 Milliarden Franken. Der Konzern, dessen Pumpen-Division für 50 Prozent der Umsätze steht, profitiert von der verstärkten Nachfrage nach Öl sowie Lacke, wie Bloomberg anmerkt.

          Der Vorstand sehe „das Geschäft allgemein auf einem guten Kurs, sofern das wirtschaftliche Umfeld stabil bleibt“, heißt es in einer Stellungnahme des Unternehmens. „Die überdurchschnittlichen Wachstumsraten beim Auftragseingang werden aber 2005 aller Wahrscheinlichkeit nach nicht erreicht werden“, baut der Vorstand möglichen überschießenden Erwartungen vor, ohne Hoffnungen auf schöne Umsätze zu dämpfen.

          Der Auftragsanstieg bei Sulzer im Geschäftsjahr liegt im Rahmen der Analystenprognosen, wie Analyst Alessandro Foletti von Lombard Odier Darier Hentsch zu Dow Jones-vwd sagte. Die Qualität der Zahlen sei jedoch besser als gedacht. Es gebe solide Nachfrage nach allen Produkten. Die stärkste komme dabei aus Asien. Foletti überprüft die “Hold“-Einstufung.

          Sulzer laut Analysten um mindestens 7,2 Prozent unterbewertet

          Analysten erwarten auf jeden Fall steigende Umsätze und Gewinne von Sulzer, dessen Notiz sich im mittelfristigen Aufwärtstrend bewegt, wiewohl der seit Herbst 2000 ausgebildete negative Trend erst bei 595 Franken passé wäre. Dies wird in den auf Ergebnisschätzungen beruhenden Kurs-Gewinn-Verhältnissen von 21 für 2004 und 14 für dieses Jahr deutlich; die Bank Sarasin sieht das KGV für 2006 sogar bei lediglich 11,1. Mithin ist die Sulzer-Aktie etwas günstiger bewertet als Konkurrent Flowserve, der für dieses Jahr mit 15,3 bewertet ist. Sarasin hat ein Kursziel von 480 Franken gesteckt, Pictet sieht Sulzer bei 470 Franken als gut bezahlt an. Daraus ergibt sich ein Kurspotential von 7,2 bis 9,4 Prozent.

          Zudem sieht Sarasin steigende Dividenden auf die Anleger zukommen. Für 2004 erwartet das Bankhaus eine Ausschüttung je Aktie von 6,80 Franken. Bis 2006 soll die Dividende auf 9,70 Franken steigen, was auf eine Dividendenrendite von 2,2 Prozent hinausliefe. Für deutsche Verhältnisse ist das nicht überragend, aus Schweizer Niedrigzins-Sicht aber nennenswert.

          Vor diesem Hintergrund hat die Aktie gute Chancen, nach der kleinen Korrektur zu Jahresbeginn weiter zuzulegen. Aus technischer Sicht eröffnete sich der Titel im Zuge eines Sprungs über das bisherige Mehrjahreshoch deutliches Kurspotential: Die nächste technische Hürde lauert dann erst bei etwa 580 Franken. Aber mit solchen Regionen sollten Anleger bis auf weiteres nicht rechnen.

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