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Schwache Konjunktur : Anleger meiden Stahlaktien

  • -Aktualisiert am

Bild: dpa

Die schwache Konjunktur drückt die Stahlnachfrage, dazu gibt es Überkapazitäten. Die Börsianer hoffen auf weitere Konjunkturhilfen.

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          Investoren, die auf Aktien am Stahlmarkt setzen, können keine großen Erfolge verbuchen: Seit Jahresanfang ist der Bloomberg-Stahl-Index, der 73 Unternehmen auf der Welt aus dieser Branche umfasst, mit 7 Prozent im Minus.

          Auch am Montag verbuchten die Stahltitel Rückgänge, nachdem der schwedische Stahlkonzern SSAB einen Quartalsverlust angekündigt hatte. „Die Lage ist schwierig für Stahlunternehmen“, sagt Aktienanalyst Dirk Schlamp von der DZ Bank. So schnell werde es auch „keine Trendwende zum Positiven“ geben.

          Zu viel Stahl aus China

          Die Aktien von Stahlunternehmen sind klassische zyklische Werte, die Kurse entwickeln sich entsprechend dem Auf und Ab der Konjunktur. Stahl ist für die Bauindustrie wichtig, wird aber auch in großem Stil in der Automobilindustrie und dem Maschinenbau benötigt.

          Für die Schwäche der Stahlaktien gibt es mehrere Ursachen: Zum einen sinkt die Nachfrage wegen der Konjunkturschwäche. So erwartet der größte Stahlkonzern auf der Welt, Arcelor-Mittal, für dieses Jahr einen weiteren Rückgang der Stahlnachfrage in Europa um bis zu fünf Prozent.

          Weltweit gesehen werden 46 Prozent des Stahls in China produziert und auch verbraucht
          Weltweit gesehen werden 46 Prozent des Stahls in China produziert und auch verbraucht : Bild: F.A.Z.

          Derweil kämpft die Branche mit einem zu großen Angebot - die Mengen müssten sinken, doch besonders Chinas Anbieter, die mehrheitlich in staatlicher Hand sind, haben daran kein Interesse. Sie versuchen, die Produktion hoch zu halten, um damit Wohlstand und Wachstum für die jeweilige Region auszuweisen, berichten Branchenkenner. Hinzu kommt die Schuldenkrise in den Industrieländern: Stahlkunden zögern und halten sich mit Aufträgen zurück. Die Folge: Die Gewinnmargen der Stahlhersteller stehen unter Druck.

          Arcelor-Mittal mit Vorteilen

          Die Nachrichtenagentur Bloomberg berichtet, dass die Stahlproduktion in China im August wegen der unter Druck stehenden Stahlpreise auf den niedrigsten Wert seit sechs Monaten gesunken sei. Der Preis für den Rohstoff Eisenerz liege aufgrund der Sorgen um das globale Wirtschaftswachstum auf dem niedrigsten Stand seit drei Jahren.

          Zwar konnten Stahlwerte an der Börse zuletzt wegen wachsender Konjunkturhoffnungen sowie den angekündigten Hilfsaktionen der Zentralbanken auch Kursgewinne verbuchen. Doch für Aktienanleger bleibt das Umfeld wenig vielversprechend. Zwar sind einzelne Unternehmen wie etwa Arcelor-Mittal im Vorteil: „Arcelor-Mittal ist global gut aufgestellt und hat - anders als viele seiner Konkurrenten - direkten Zugang zu Rohstoffen“, sagt Analyst Schlamp. „Doch wenn sich das Wirtschaftswachstum auf der Welt verlangsamt, leidet auch Arcelor-Mittal.“

          Verkäufe gut für Thyssen-Krupp

          In Deutschland ist Thyssen-Krupp der wichtigste Anbieter. Nach Einschätzung von Analysten kann der Konzern davon profitieren, dass es weniger von dem Konjunkturabschwung im Süden Europas getroffen werde als die Konkurrenz. So hatte in den vergangenen Wochen die Thyssen-Krupp-Aktie an der Börse auch Gewinne verbuchen können.

          Vor allem der geplante Verkauf des Tochterunternehmens Steel Americas hatte dem Aktienkurs Auftrieb gegeben. „Die Aktie von Thyssen-Krupp konnte in den letzten Wochen auch zulegen, da die Geschäfte im Bereich Aufzüge und Anlagenbau weiterhin gut laufen und damit einen Teil der Schwäche im Stahlgeschäft kompensieren können“, sagt Commerzbank-Analyst Ingo-Martin Schachel. Seiner Einschätzung nach sei „deutlich geworden, dass die Absicht von Thyssen-Krupp, die Stahlwerke in Brasilien und den Vereinigten Staaten zu veräußern, sowohl realistisch als auch wertschaffend ist“.

          Das Stahl-Sandwich

          Doch die Struktur des Stahlmarktes ist problematisch: „Es gibt eine Sandwichposition“, sagt DZ-Bankanalyst Schlamp: Auf der einen Seite stünde die Minenbranche, die Rohstoffe wie das Eisenerz liefert. „Diese Branche ist stark konsolidiert und kann stark verhandeln.“ Auf der anderen Seite die Stahlkäufer: So hätten Nachfrager wie die Automobilbranche ebenfalls eine gute Verhandlungsposition. „Das macht die Situation der Stahlindustrie nicht leichter.“

          Nun setzen viele Anleger, die in Stahlaktien investieren, auf weitere konjunkturelle Hilfen, die in Ländern wie China den Stahlbedarf wieder steigen lassen könnten. Doch mit diesen Hilfen würden die nötigen Veränderungen in der chinesischen Stahlbranche wohl nur weiter aufgeschoben: „Chinas Anbieter produzierten zuletzt immer noch fast 2 Millionen Tonnen Stahl am Tag, das ist gegenwärtig zu viel“, urteilt Analyst Schlamp.

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