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Schuldenkrise : Aktienmärkte nach Draghi-Äußerungen deutlich unter Druck

  • Aktualisiert am

EZB-Präsident Mario Draghi Bild: dapd

Mario Draghi hat am Dienstag seine Andeutungen auf neue Anleihekäufe präzisiert. „Die hohen Risikoprämien für einige Staatsanleihen sind nicht akzeptabel“, sagte der EZB-Präsident.

          Die Regierungen müssten den Rettungsfonds EFSF aktivieren, um diesem Problem zu begegnen. Europas oberster Währungshüter sagte außerdem, die Unsicherheit im Euroraum bleibe hoch und das Wachstum schwach. Die Indikatoren würden auf schwache wirtschaftliche Aktivität im zweiten Quartal hinweisen. Die Inflationserwartungen dürften weiter zurückgehen. Der DAX verliert nach diesen Einschätzungen des EZB-Chefs über 1,8 Prozent auf 6630 Punkte, der Euro notiert unter der Marke von 1,22 Dollar.

          Leitzins weiter bei 0,75 Prozent

          Zuvor hatte die EZB den Leitzins wie erwartet auf dem Rekordtief von 0,75 Prozent belassen. Obwohl die Schuldenkrise zuletzt eskaliert war, hatten die wenigsten Volkswirte nach der historischen Zinssenkung von Anfang Juli rasch mit einem erneuten Zinsschritt gerechnet.

          Dass EZB-Chef Mario Draghi sich nicht konkret zu möglichen EZB-Anleihenkäufen geäußert hat, wurde an den Finanzmärkten mit Enttäuschung aufgenommen. Nachdem der Dax zu Beginn der EZB-Pressekonferenz deutlich angezogen war, bröckelte er im weiteren Verlauf ab und drehte schließlich ins Minus. Zuletzt verzeichnete er einen Abschlag von 1,6 Prozent. Der spanische Leitindex stürzte zeitweise um fünf Prozent ab, der italienische Leitindex rutschte um knapp drei Prozent ab. Der Euro büsste seine Gewinne ebenfalls wieder ein und fiel zurück auf 1,2195 Dollar. Der Bund-Future legte dagegen deutlich zu auf ein Plus von 110 Ticks bei 144,57 Punkten.

          Anleihen-Renditen ziehen an

          Die Renditen spanischer und italienischer Anleihen zogen an. Die Rendite spanischer zehnjähriger Papiere kletterte auf 6,880 Prozent, die italienischer Bonds auf 6,168 Prozent. „Die Enttäuschung ist groß, dass die EZB nun doch nicht direkt mit Staatsanleihenkäufen in den Markt eingreift“, sagte Volkswirt Rainer Sartoris von HSBC Trinkaus. Eugen Keller vom Bankhaus Metzler sagte: „Was enttäuscht, ist die mangelnde Konkretheit von EZB-Chef Mario Draghi. Die Märkte haben auf präzise Angaben gehofft, was die EZB nun künftig tun wird - doch die hat die Zentralbank nicht geliefert.“

          Draghi hatte vor einer Woche bei einer Rede in London gesagt, „Die EZB wird im Rahmen ihres Mandats alles Notwendige tun, um den Euro zu erhalten. Und glauben Sie mir - es wird ausreichen.“ Damit waren an den Finanzmärkten immense Erwartungen geschürt worden. Zumal der Notenbankchef darüber hinaus betonte, dass Störungen des geldpolitischen Transmissionsmechanismus in den Zuständigkeitsbereich der EZB fallen - mit ähnlichen Hinweisen waren bereits früher Anleihekäufe begründet worden.

          Die großen Krisenländer Spanien und Italien rufen wegen der hohen Zinsen, unter denen sie am Anleihemarkt leiden, schon länger nach Unterstützung der Notenbank. Die hält sich jedoch bereits seit März mit Käufen zurück.

          Die Rettungsfonds EFSF und ESM haben vertraglich die Möglichkeit, Papiere bedrängter Euroländer zu erwerben und dürfen anders als die Notenbank auch am Primärmarkt kaufen, also direkt bei Auktionen neuer Anleihen mitbieten. Dafür müsste jedoch ein formeller Antrag der Staaten gestellt werden, was bislang nicht der Fall ist. Kritiker monieren, dass die Mittel der Fonds begrenzt sind. Dafür würde Hilfe auf diesem Weg nur unter strikten Auflagen erfolgen, was bei Markteingriffen der EZB nicht der Fall wäre.


           

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