https://www.faz.net/-gv6-7lf95

Schiefergasförderung : Fracking macht Millionäre in North Dakota

  • -Aktualisiert am

Land der Neureichen: Fracking in North Dakota Bild: JIM WILSON/The New York Times/Re

Der Fracking-Boom in Amerika hat an der Wall Street zu Kursgewinnen von Energieunternehmen geführt. Aber der Aufschwung lässt jetzt nach.

          2 Min.

          Der amerikanische Bundesstaat North Dakota war bisher nicht als Sitz vieler Millionäre bekannt. Auf der Liste der Bundesstaaten mit den meisten Millionären je Einwohner rangierte North Dakota im Jahr 2012 nur an 43. Stelle – noch hinter Alabama. Der seit einigen Jahren anhaltende Aufschwung der Erdöl- und Gasförderung mit der unkonventionellen Fracking-Methode beginnt das nun zu ändern.

          Norbert Kuls

          Freier Autor in der Wirtschaft.

          Im vergangenen Jahr ist North Dakota auf Platz 29 vorgerückt und hat sogar Florida überholt, wie der Informationsdienst Phoenix Marketing International berichtet. Der Bundesstaat ist Teil der Schieferregion Bakken, in der Fracking angewendet wird. Dabei wird mit Sand und Chemikalien vermischtes Wasser unter hohem Druck in die Bohrstelle gepresst, um das Schiefergestein aufzubrechen, in dem Gas und Öl eingeschlossen sind.

          Aufschwung scheint zu stocken

          Der Siegeszug des Fracking in den vergangenen Jahren lässt sich an den Aktienkursen von Unternehmen ablesen, die auf diese Fördermethode spezialisiert sind oder die Branche mit der nötigen Ausrüstung versorgen. Der Aktienkurs des Energiekonzerns Pioneer Natural Resources, der stark in texanischen Schieferregionen engagiert ist, hat sich in den vergangenen fünf Jahren mehr als verzehnfacht. Die Titel von Cabot Oil & Gas sind sechsmal soviel wert wie vor fünf Jahren. Die Aktienkurse von Firmen wie U.S. Silica oder Hi-Crush Partners, die den für die Förderung nötigen Quarzsand herstellen, sind ebenfalls dramatisch gestiegen.

          Aber der Aufschwung scheint zu stocken. In den vergangenen Monaten haben die Aktienkurse einiger Fracking-Spezialisten wieder etwas nachgegeben. Auch die Nachfrage nach Neuemissionen aus der Branche scheint zurückzugehen. Die texanische Gesellschaft EP Energy musste beim Börsengang am Freitag ihren Ausgabepreis deutlich auf 20 Dollar senken und auch die Zahl der emittierten Aktien reduzieren. Im Vorfeld der Erstemission hatte die Gesellschaft noch einen Kurs zwischen 23 Dollar und 27 Dollar avisiert. EP Energy war erst 2012 von der Beteiligungsgesellschaft Apollo für 7,2 Milliarden Dollar erworben worden.

          Höhenflüge bei Fracking-Aktien in Amerika

          Mit dem ungewöhnlich schnellen Verkauf der Aktien will Apollo offenbar von den gestiegenen Aktienkursen profitieren und das Risiko eines Rückschlags vermeiden. In der Regel halten Private-Equity-Gesellschaften Unternehmen zwischen drei und sieben Jahren, bevor sie diese weiterverkaufen oder an die Börse bringen. EP Energy war nicht das einzige Fracking-Unternehmen, das in dieser Woche Anleger suchte. Auch der kleinere Produzent RSP Permian musste sich mit einem Ausgabepreis am unteren Ende der avisierten Spanne zufrieden geben.

          Die Flaute ist eine Konsequenz der deutlich gefallenen Erdgaspreise, was wiederum eine Folge der gestiegenen Produktion war. Die Preise haben sich im vergangenen Jahr zwar deutlich erholt, befinden sich aber weiter unter dem Durchschnitt der vergangenen fünf Jahre. Energieunternehmen haben im vergangenen Jahr deswegen schon den Kauf von neuen Bohrfeldern reduziert. Für amerikanische Produzenten ist es zudem schwierig, das Gas in Regionen zu exportieren, wo mehr für Gas gezahlt wird.

          In Asien und Europa ist Erdgas deutlich teurer. „Die Schiefergasrevolution erlebt eine Flaute, weil man den Rohstoff schlecht transportieren kann“, sagte Ethan Harris, Leiter der volkswirtschaftlichen Abteilung der Bank of America Merrill Lynch. „Unternehmen dürften mit Investitionen abwarten, bis die Infrastruktur dafür vorhanden ist.“ In Nordamerika gibt es Projekte für den Bau von Verflüssigungsanlagen, die den Transport in Tankern erlauben und die Nachfrage nach amerikanischem Gas erhöhen würden. Es wird allerdings mehrere Jahre dauern, bis die Projekte abgeschlossen sind.

          Dennoch rechnen Analysten mit weiterem Kurspotential für auf Fracking spezialisierte Unternehmen. Auf der Empfehlungsliste von Merrill Lynch stehen trotz der hohen Wertsteigerungen der vergangenen Jahre Cabot Oil & Gas und Pioneer Natural Resources. Auch dem Konkurrenten EOG Resources räumen die Analysten weiteres Kurspotential ein. Behalten die Auguren recht, wird North Dakota auf der Liste der Millionäre wohl einen weiteren Sprung nach vorne machen.

          Weitere Themen

          Alibaba zieht Börsengang in Hongkong durch

          Trotz Protesten : Alibaba zieht Börsengang in Hongkong durch

          Der chinesische Internetkonzern will 12,9 Milliarden Dollar in Hongkong einsammeln, obwohl dort Proteste gegen China toben. Die Entscheidung könnte auch mit politischem Druck aus Peking zu tun haben.

          Topmeldungen

          Hinter den Häusern und Kirchen der Innenstadt in München sind am Morgen die Berge sichtbar.

          Bauvorhaben und Infrastruktur : Bayern und seine Schwächen

          Bayern steht gut da, doch auch im Freistaat hakt es mancherorts außerordentlich. In München droht gar ein verkehrspolitisches Desaster – das bald womöglich den Vergleich mit dem Berliner Flughafen nicht mehr scheuen muss.
          Der amerikanische Präsident Donald Trump gemeinsam mit Apple-Chef Tim Cook in einem Computerwerk in Austin, Texas

          Freundschaftstest : Trump macht Apple Hoffnung

          Tim Cook empfängt den Präsidenten zum Fototermin in einem Computerwerk in Texas. Dieser nützt die Kulisse für Attacken gegen seine politischen Gegner – und signalisiert, dass Apple von Strafzöllen verschont werden könnte.
          Peter Feldmann bei einem Besuch im Awo-Jugendhaus im Frankfurter Gallusviertel im Jahr 2014.

          Peter Feldmann und die Awo : Das Schweigen des Oberbürgermeisters

          Weil die Arbeiterwohlfahrt seine Ehefrau zu ungewöhnlich guten Konditionen beschäftigt haben soll, steht Peter Feldmann stark unter Druck. Die Awo rechtfertigt derweil die hohe Bezahlung der Frau des Frankfurter Oberbürgermeisters – und hat noch in einem anderen Fall Probleme.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.