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SAP : Kursgewinne trotz schwachem Ausblick

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Ein Bild spricht für sich selbst Bild: AP

Verhaltene Zahlen und schwacher Ausblick, aber steigende Kurse - das ist das was die Börsen im Moment auszeichnet. Dieser Widerspruch gilt auch für SAP. Die Aktie ist teurer als die besser laufender Konkurrenten.

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          Verhaltene Zahlen und schwacher Ausblick, aber steigende Kurse - das ist das was die Börsen im Moment auszeichnet. Dieser Widerspruch gilt auch für SAP. Denn die Aktie des Unternehmen legt am Mittwoch im frühen Handel 6,5 Prozent zu auf 27,91 Euro, obwohl die vorläufigen Zahlen für das vergangenen Geschäftsjahr alles andere berauschend ausfielen und der Ausblick verhalten ist.

          Das in Walldorf ansässige Unternehmen hat zudem angekündigt, den schon eingeschlagenen Sparkurs noch weiter zu intensivieren und im laufenden Geschäftsjahr mehr als 3.000 Stellen abzubauen. Durch die Nichtbesetzung frei werdender Stellen ergäben sich ab dem Jahr 2010 Einsparungen von 300 bis 350 Millionen Euro pro Jahr. Alle variablen Kosten stünden auf dem Prüfstand, heißt es weiter. Der Grund: Die schwache Wirtschaft belaste die Nachfrage nach den Produkten und Dienstleistungen des Unternehmen.

          Schwierige Marktbedingungen auf Sicht

          „SAP erwartet, dass die Marktbedingungen im Jahr 2009 schwierig bleiben“, teilte das Unternehmen mit. Seit der Zuspitzung der Finanzkrise im Herbst laufen die Geschäfte von SAP, die Firmen mit Software für die Unternehmenssteuerung versorgen, nur noch verhalten. Eine detaillierte Prognose für die wichtigen Erlöse aus dem Verkauf von Software-Lizenzen und -Wartung im laufenden Jahr wollte SAP wegen der unsicheren Geschäftslage nicht abgeben.

          Die für die künftigen Erträge wichtigen Erlöse könnten im laufenden Jahr ohne Berücksichtigung von Sondereffekten aus dem Zukauf des Softwareanbieters Business Objects um bis zu ein Prozent unter den Wert des vergangenen Jahres in Höhe von 8,623 Milliarden Euro sinken, hieß es immerhin. Bei der um Sondereffekte bereinigten operativen Marge rechnet SAP mit einem Rückgang auf 24,5 bis 25,5 Prozent von 28,4 Prozent im Jahr 2008. Darin schlügen sich unter anderem die Kosten für den Stellenabbau um bis 200 bis 300 Millionen Euro nieder.

          Im Jahr 2008 konnte der Gesamtumsatz nach US GAAP im Vergleich mit dem Vorjahr um 13 Prozent auf 11,57 Milliarden Euro gesteigert werden. Die Erlöse mit Software legten um sechs Prozent auf 3,6 Milliarden Euro zu, während die Umsätze mit Dienstleistungen um 14 Prozent auf 8,46 Milliarden Euro gesteigert werden konnte. Dagegen blieb das operative Ergebnis im Vergleich mit dem Vorjahr unverändert, während der Nettogewinn sogar um zwei Prozent auf 1,89 Milliarden Euro fiel. Aufgrund von Aktienrückkäufen legte der Gewinn je Aktie von 1,60 auf 1,62 Euro zu.

          Lizenzerlöse sind im vierten Quartal gefallen

          Im vierten Quartal war der Nettogewinn von 756 auf 850 Millionen Euro gestiegen. Das war mehr als das, was der Markt erwartet hatte. Auf der anderen Seite sind die Lizenzerlöse von 1,42 auf 1,32 Milliarden Euro gefallen. Das ist nicht besonders ermutigend, da diese Zahlen zumindest in Ansätzen eine Vermutung darüber ableiten lassen, wie die Nachfrage nach Beratungs- und Servicedienstleistungen künftig ausfallen wird.

          Das vergangene Geschäftsjahr habe sich durch zwei unterschiedliche Jahreshälften ausgezeichnet, erklärte Vorstandschef Henning Kagermann. Die erste Hälfte sei gut gewesen, die zweite dagegen schon von der stärksten Wirtschafts- und Finanzkrise seit Jahrzehnten gekennzeichnet worden. Und die führt dazu, dass Firmen ihre nicht aufschiebbaren Investitionen zurückfahren, auch im IT-Bereich.

          Auf dieser Basis stellt sich die Frage, ob sich die Aktie von SAP aufdrängt, obwohl sie schon seit Jahren im Trend nach unten läuft und gerade auch im vergangenen Jahr zum Teil massive Kursverluste hinnehmen musste. SAP wird schließlich nicht nur mit dem schwierigen wirtschaftlichen Umfeld konfrontiert, sondern es muss auch die Folgen interner Fehler verdauen. So probten Kunden in den vergangenen Monaten den Aufstand, nachdem SAP versucht hatte, die Preise für laufende Dienstleistungen zu erhöhen. Gerade in diesem Bereich, dem Butter- und Brotgeschäft, dürfte der Wettbewerb künftig zunehmen.

          Inzwischen ist die Aktie mit Kurs-Gewinnverhältnissen von 14,4 und 13,2 auf Basis der Gewinnschätzungen für das laufende und das kommende Geschäftsjahr zwar optisch vernünftig bewertet. Allerdings sind die Papiere des Konkurrenten Oracle noch günstiger, von den Aktien der indischen Konkurrenten wie Infosys oder auch Wipro nicht erst zu reden.

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