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S&P-Krediteinschätzung : Autoverkäufe: Keine Trendwende in Sicht

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Bild: FAZ.NET

Nach den Prognosen von Standard & Poor's RatingsDirect wird 2009 das Jahr des niedrigsten Autoabsatzes in den Vereinigten Staaten seit Jahrzehnten sein. Die Bereitschaft der Regierung, die Branchenunternehmen zu stützen, hat Grenzen.

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          Nach den Prognosen von Standard & Poor's RatingsDirect wird 2009 das Jahr des niedrigsten Autoabsatzes seit Jahrzehnten sein. Unserer Ansicht nach haben geringere Umsatz- und Produktionszahlen in diesem Jahr bis jetzt in erheblichem Ausmaß zu Konkursen zweier Autoherstellern (General Motors Corp. und Chrysler) und einigen Zusammenbrüchen von Autozulieferern beigetragen.

          Eine Reihe anderer Autozulieferer stehen kurz vor dem Ruin. Unserer Meinung nach findet ein signifikanter Strukturwandel statt, allen voran die gerichtlich angeordneten Umstrukturierungen des laufenden Betriebes von GM ('D') und Chrysler (ohne Rating).

          Daneben verringerte die Ford Motor seine Schulden um fast 10 Milliarden Dollar im Rahmen eines „Distressed Exchange“ (Tausch alter Schulden gegen neue Verbindlichkeiten mit geringerem Nennwert) und unterschrieb einen überarbeiteten Tarifvertrag mit ihrer Hauptgewerkschaft. Wir glauben, dass Ford für einen unmittelbar bevorstehenden Konkurs weniger anfällig ist, als GM und Chrysler es vor ihrem Konkursantrag waren - aber auch nur aufgrund eines höheren Kassenbestandes, und nicht, weil Ford den wirtschaftlichen Turbulenzen weniger ausgesetzt wäre.

          Fords Automobilsektor verbrauchte im ersten Quartal 2009 rund 3,2 Milliarden Dollar an Barmitteln. Das ist eine Verbesserung gegenüber den 6,6 Milliarden Dollar aus dem vierten Quartal 2008. Doch unserer Meinung nach ist das Maß, mit dem Ford Barmittel verbraucht, auf Dauer nicht haltbar und spiegelt weitestgehend die gleichen Probleme wider, mit denen die anderen amerikanische Autohersteller kämpfen.

          Wir erwarten in diesem Jahr für die Vereinigten Staaten einen Absatz von 9,9 Millionen Leichtfahrzeugen; das ist ein Rückgang um 25 Prozent gegenüber dem ohnehin schon schwachen Werten des Jahres 2008. Der Absatz im Juni brach gegenüber dem gleichen Monat 2008 um 35,1 Prozent ein und die saisonbereinigte Jahresverkaufsrate lag im Juni unter 10 Millionen Einheiten.

          Die staatlichen Hilfen sind irgendwann ausgeschöpft

          Am 30. März 2009 lehnte die amerikanische Regierung die von Chrysler und GM vorgelegten Fortführungspläne ab. Am 30. April beziehungsweise am 1. Juni beantragten beide Gläubigerschutz. Das amerikanische Schatzamt, das bereits ein Hauptgläubiger beider Unternehmen war, erbrachte den Löwenanteil der Debtor-in-Possession (DIP)-Finanzierung. Wir glauben trotzdem, dass die Bereitschaft der Regierung, diese Unternehmen zu stützen, Grenzen hat, selbst mit der gewaltigen Eigenkapitalposition des Staates an der neuen GM-Organisation und einem kleineren Anteil an der neuen Chrysler-Organisation.

          Im ersten Halbjahr 2009 büßten GM und Chrysler Marktanteile im Bereich Leichtfahrzeuge ein, während Fords Marktanteil geringfügig von 15,3 Prozent auf 15,9 Prozent stieg. GMs Anteil lag in den ersten sechs Monaten bei 19,8 Prozent - im Vergleichszeitraum 2008 waren es noch 21,5 Prozent. Für Chrysler betrug der Wert 9,8 Prozent - davor waren es 11,7 Prozent. Die Jahresverkaufsrate im Juni zeigte Anzeichen einer Stabilisierung, wenn auch nur auf niedrigem Niveau.

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