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S&P-Analyse : SER spürt das rauhe US-Klima

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SER: Überlegenes Dokumentenmanagement in Turbulenzen Bild: SER

Nach den enttäuschenden Geschäftszahlen für 2000 hat Marko Roeder von Standard & Poor's die Aktie von SER von „Halten“ auf „Verkaufen“ heruntergestuft.

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          Nach den enttäuschenden Zahlen zum Geschäftsjahr 2000 stufen wir die Aktie von SER Systeme von „Halten“ auf „Verkaufen“ herunter. Obwohl wir die laufende Restrukturierung und die Konzentration auf den profitablen Wissensmanagement-Bereich begrüßen, erwarten wir für den Neuen-Markt-Wert keinen signifikanten Turnaround vor Ende 2001.

          Da SER sein Geschäft in diesem Jahr weiter restrukturiert und der amerikanische Technologiemarkt weiter Schwäche zeigt, sind die kurzfristigen Aussichten ungewiss. Unsere Gewinnschätzungen pro Aktie für 2001 haben wir um elf Prozent auf 0,89 Euro und für 2002 um sechs Prozent auf 1,33 Euro zurückgenommen. Für 2002 ergibt sich daraus ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von zehn, was in etwa dem Durchschnitt der Branche für Wissensmanagement-Systeme entspricht.

          Ebit-Marge auf Fünfjahrestief

          Das Unternehmen, einer der großen europäischen Anbieter von Softwarelösungen für das Dokumenten- und Wissensmanagement, hat gerade an mehreren Fronten zu kämpfen. Obwohl es sein Umsatzziel nach der Gewinnwarnung mit 185 Millionen Euro (plus 52 Prozent) erreichen konnte, nahm das Ebit (Ergebnis vor Zinsen und Steuern) nur um 25 Prozent auf 20 Millionen Euro zu.

          Damit sank die Ebit-Marge (Ebit geteilt durch Umsatz) auf ein Fünfjahrestief von 10,6 Prozent. Diese Schwäche dürfte angesichts der Restrukturierungskosten weiter anhalten. Darüberhinaus hat SER noch Probleme mit dem Aufbau seiner Verkaufsinfrastruktur, nachdem es das gesamte Top-Management in den USA, Großbritannien und Frankreich ausgetauscht hat.

          Derzeit rauhes Klima, aber längerfristig Licht am Horizont

          Wir glauben, dass die neue Verkaufsstrategie von SER nicht vor dem ersten Quartal 2002 wirksam werden wird. Mit „SERbrainware suite“ verfügt die Gesellschaft zwar über ein äußerst wettbewerbsfähiges Produkt, von dem sie im kräftig wachsenden Markt für Wissensmanagement-Systeme erheblich profitieren dürfte. Jedoch ist im Hinblick auf die verschlechterten Marktbedingungen, die zu einer Verzögerung des Verkaufszyklus geführt haben, Vorsicht geboten. Zur Zeit sieht sich SER mit einem rauhen Klima auf dem US-Markt konfrontiert, wo es 49 Prozent seiner Umsätze erzielt.

          Bisher hat SER immer profitabel gearbeitet, und ist mit einer relativen Performance von 39 Prozent unter den 20 Top-Performern im Nemax 50-Index. Wir glauben, dass sein überlegenes Businessmodell dem Unternehmen langfristig erhebliches Wachstum und nachhaltige Profitabilität bringen wird.

          Wir sind deshalb auch zuversichtlich, dass sich der Aktienkurs in Zukunft erholt, fürchten aber, dass er noch ein weiteres Jahr unter Druck stehen könnte. Das Vertrauen der Anleger ist jedenfalls nach mehreren Enttäuschungen stark erschüttert, und kann nur mit einer beeindruckenden Geschäftsentwicklung zurückgewonnen werden.

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