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S&P-Analyse : Restrukturierung lastet schwer auf SER

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Auch sein überlegenes Dokumentenmanagement schützt SER nicht vor der Kostenexplosion Bild: SER

SER hat mit ihrer Restrukturierung zu kämpfen. S&P-Analyst Marko Roeder nimmt seine Gewinnschätzung zurück und bekräftigt seine Verkaufsempfehlung.

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          Auch der jüngste Kursverlust von SER Systems hält uns nicht davon ab, die Aktie weiter zum Verkauf zu empfehlen. Die Zahlen zum ersten Quartal beweisen, dass das Unternehmen wie erwartet weiter an seiner Restrukturierung und dem Aufbau eines indirekten Verkaufskanals zu kämpfen hat.

          Die betrieblichen Kosten stiegen mit 49 Millionen Euro auf 115 Prozent des Umsatzes, was zu einem Betriebsverlust von 4,4 Millionen Euro geführt hat. Damit ist das Betriebsergebnis gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 229 Prozent eingebrochen.

          Der plötzliche massive Druck auf die Profitabilität hat uns überrascht. Die Personalkosten und die „sonstigen Betriebskosten“ haben Rekordwerte weit über den Vierjahresdurchschnitten erreicht. Allein im ersten Quartal hat SER bereits 6,5 der für das Gesamtjahr geplanten zehn Millionen Euro Restrukturierungskosten aufgebraucht, im Wesentlichen für die Abfindung entlassener Mitarbeiter. Deshalb wird das Unternehmen das Kostenziel für die Restrukturierung in diesem Jahr wahrscheinlich verfehlen.

          Doch abgesehen davon kann die laufende Restrukturierung nur einen Teil des elfprozentigen Kostenanstiegs erklären. Dieser legt nahe, dass die neue Verkaufsstrategie kostenträchtiger ist als erwartet.

          Umsatzziel von 235 Millionen Euro sehr optimistisch

          Die Umsätze betrugen 42,7 Millionen Euro, 14 Prozent weniger als von uns erwartet. Von diesem Niveau aus müssten sie in jedem Quartal durchschnittlich um 22 Prozent steigen, um das angestrebte Umsatzziel von 235 Millionen Euro für dieses Jahr zu erreichen. Betrachtet man den gegenwärtigen Ausblick der Branche und die Zeit, die andere Softwarefirmen wie etwa Brokat gebraucht haben, um ihre indirekten Verkaufskanäle zu etablieren, erscheint das Umsatzziel recht optimistisch.

          Gewinnschätzungen gesenkt

          Auf Basis unserer vorsichtigeren Umsatzerwartung von 230 Millionen Euro reduzieren wir unsere Gewinnschätzung pro Aktie auf 0,35 Euro (von 0,87 Euro) für dieses Jahr und auf 1,16 Euro (von 1,33 Euro) für 2002. Hauptgrund dafür ist der deutlich schwächere Profitabilitätsausblick. Obwohl wir mit deutlich sinkenden Personalausgaben rechnen, befürchten wir, dass die Expansion von SER auch im zweiten Quartal für einen negativen Cash-flow sorgt und die betrieblichen Kosten das ganze Jahr lang überdurchschnittlich bleiben.

          Außerdem glauben wir, dass der geplante Aktienrückkauf im Volumen von neun Millionen Euro das falsche Signal an die Aktionäre ist. Wir hätten es vorgezogen, dass ein Wachstumsunternehmen der Softwarebranche diese Mittel in seinen eigenen Geschäftsausbau investiert.

          Entscheidungen wie diese, der bevorstehende Ausschluss aus dem Nemax 50-Index und der anhaltende Wechsel in der Führungsetage werden mittelfristig den Druck auf der Aktie aufrecht erhalten.

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