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S&P-Analyse : Positive Aussichten für Anleger, Arbeitssuchende und Unternehmen

  • -Aktualisiert am

Das laufende Jahr wird steigende Aktien, deutliches Wirtschaftswachstum in Amerika, einen fallenden Dollar und einen Rückgang der Arbeitslosigkeit bringen, prognostiziert David Wyss, Chefvolkswirt bei S&P.

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          Die Aktienmärkte legten zum Jahreswechsel noch einmal kräftig zu: Während der Nasdaq-Index das Jahr wieder bei einem Stand von 2000 Punkten beenden konnte, erreichte der S&P 500 per 30. Dezember die Marke von 1.109 Zählern - womit er das von uns bei Standard & Poor's als optimistisch eingeschätzte Ziel von 1.085 Punkten eindeutig übertraf. Neben den anhaltend niedrigen Anleiherenditen spiegelt sich in dieser Aktienmarktstärke die bessere Gewinnsituation bei den Unternehmen wider.

          Auch wenn der Kursaufschwung im abgelaufenen Jahr stärker ausfiel als ursprünglich von uns erwartet, so bewegt er sich doch im normalen Rahmen für das erste Jahr eines Bullenmarktes. Das zweite Hausse-Jahr hinkt dem ersten für gewöhnlich hinterher, so daß sich die Kursgewinne im Durchschnitt nur mehr auf rund zehn Prozent - und nicht wie im Jahr zuvor auf 35 Prozent - belaufen. Entsprechend gehen wir davon aus, daß der S&P 500 das Jahr 2004 nahe der 1.200-Punkte-Marke und damit deutlich unter dem im März 2000 erreichten Höchststand von 1.528 Zählern beenden wird.

          Steigende Renditen am Anleihemarkt, Unsicherheitsfaktor Dollar

          Am Anleihemarkt stabilisierte sich indes die Rendite der richtungsweisenden zehnjährigen Treasury-Note bei fast 4,25 Prozent. In Anbetracht der Tatsache, daß die anziehende Investitionsnachfrage und die hohe Kreditaufnahme am Treasury-Markt 2004 voll durchschlagen wird, rechnen wir mit weiter steigenden Renditen. Den Prognosen zufolge sollen sie bis Ende 2004 ein Niveau von über fünf Prozent erreicht haben. Nach unserem Dafürhalten wird das Renditeniveau weiter in Abhängigkeit von den Wirtschaftsdaten schwanken, während die Märkte versuchen, den Zeitpunkt einer ersten Zinserhöhung durch die Federal Reserve zu erraten.

          Der fallende Dollarkurs sorgt am langen Ende der Zinskurve - das ist der Bereich für länger laufende Schuldtitel, der durch den wachsenden Kreditbedarf des amerikanischen Finanzministeriums ebenfalls unter Druck geraten ist - für etwas Nervosität. Der Greenback ist der große Unsicherheitsfaktor im Neuen Jahr. Wir gehen weiterhin von einer vorerst anhaltenden Schwäche der Währung aus - es ist jedoch nicht möglich, das Tempo und Timing des Kursrückgangs exakt vorherzusagen. Der Euro soll den Prognosen zufolge bis auf 1,40 Dollar steigen. Ob sich dieser Anstieg allerdings schnell oder langsam vollziehen wird, hängt entschieden von der Marktstimmung ab.

          Der Dollar galt während der vergangenen fünf Jahre als überbewertet. Für die kommenden fünf Jahre wird sich dies wohl ins Gegenteil kehren, so lehrt uns zumindest die Erfahrung aus der Vergangenheit. Darüber hinaus fällt die Kursbewegung gegenüber dem Euro nur deshalb so übertrieben aus, weil die asiatischen Länder eine Höherbewertung ihrer Währungen nicht akzeptieren wollen und damit die Last der Kurskorrektur auf die europäische Gemeinschaftswährung abwälzen.

          Änderung der Zinspolitik frühestens im Juni 2004

          Die Geldmarktsätze befinden sich nach wie vor in der Nähe eines absoluten Tiefstands. Trotz des in jüngster Zeit zu beobachtenden massiven Kapitalzuflusses in Investmentfonds deutet dies auf einen hohen Barmittelanteil hin, der uninvestiert bleibt. Zum Jahresausgang wiesen die Kreditspreads einen ihrer engsten Stände des Jahres aus. Grund dafür waren der günstige Konjunkturausblick und die Erholung bei den Unternehmensgewinnen, die von einer anhaltenden Stärke zeugen.

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