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S&P-Analyse : MAN ist ein Verkauf

  • -Aktualisiert am

Bei MAN gibt es mehr Schatten als Licht Bild: MAN AG

Analyst Marco Roeder von S&P sieht bei MAN noch Risiken und nur beschränkte Wachstumschancen.

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          Unsere Erstanalyse eines der europaweit führenden Lastwagen-Herstellers und Maschinenbauunternehmens, nämlich MAN, resultiert in einer Verkaufempfehlung. Denn wir sehen beträchtliche Ertragsrisiken und erwarten mittelfristig nur beschränktes Wachstumspotential.

          Unter den aktuellen ökonomischen Rahmenbedingungen erwarten wir einen weiteren Rückgang im Geschäft mit Lastwagen. Unter den gegenwärtigen Wachstums- und Rentabilitätsaussichten prognostizieren wir einen Gewinn pro Aktie von 1,8 Euro beziehungsweise 2,2 Euro für '2001/2002. Das resultierende Kursgewinnverhältnis liegt mit 10.3 und 8.6 nahe am Branchendurchschnitt. Mit Blick auf die einzelnen Geschäftseinheiten von MAN sehen wir jedoch weitere Risiken und denken, die Aktie sollte mit einem Abschlag zur Branche bewertet werden.

          LKW-Geschäft unter Druck

          Das Lastwagen-Geschäft ist nicht nur hochzyklisch, sondern steht für 40 Prozent der Umsätze und Erträge des Unternehmens. Es wird von einem möglichen Rückgang des Wirtschaftswachstums stark beeinflusst werden. Außerdem sagen Marktforscher Rezessionstendenzen für den westeuropäischen Lastwagenmarkt in 2001/2002 voraus. Das wird den Preisdruck im Neuwagengeschäft erhöhen und die Gewinnspannen weiter drücken.

          Leider ist das LKW-Geschäft nicht der einzige Unternehmensteil, der gefährdet ist. Das Unternehmen muss die unerwarteten Verluste der Übernahme der ERF-Holding im vergangenen Jahr tragen. Dort sind zweistellige Millionenverluste auf Grund von Bilanzfälschungen aufgetreten.

          Probleme in anderen Bereichen

          Nach der Integration der ehemaligen Mannesmann-Tochtergesellschaft Demag leidet die Industrieausrüstungs-Abteilung unter heftigen Umstrukturierungen. Auf den Walzwerkmärkten und im Hüttenbereich zeichnen sich Schwächen ab. Das Industrie-Servicegeschäft und die Druck-Systemtechnik leiden unter sinkenden Umsätzen und Margendruck.

          Das einzige blühende Geschäft des Unternehmens sind die vor kurzem gestarteten Finanzdienstleistungen, die im ersten Halbjahr den Umsatz um 51 Prozent auf 202 Millionen Euro steigern konnten. Der Gewinn hat sich mehr als verdoppelt, von acht auf 19 Millionen Euro.

          Neuordnung der Industriestrukturen wahrscheinlich

          Wir glauben, dass eine wesentliche Änderung der Unternehmensstruktur in der nahen Zukunft aus zwei Gründen wahrscheinlich ist. Erstens ermöglicht die deutsche Steuerreform den Verkauf wesentlicher Beteiligungen an andere börsennotierte Unternehmen, ohne Kapitalertragssteuer zu bezahlen. Das wird eine Neuordnung der Industriestrukturen stimulieren. Möglicherweise werden die Großaktionäre von MAN, nämlich die Allianz, die Commerzbank und die Münchener Rück ihre Beteiligung von insgesamt 26 Prozent verkaufen. Zweitens will sich das Management mit seinem Industrieportfolio auf Kernkompetenzen konzentrieren. Das wird durch das neue Steuerregime ebenso erleichtert werden.

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