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S&P-Analyse : Jetzt einsteigen bei Philip Morris

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Das war mal: Die Lasso schwingenden Glimmstengelmachos. Bild: AP Graphics Bank

Standard & Poor's sieht Philip Morris als klaren Kauf und verleiht dem Unternehmen mit fünf Sternen die Höchstnote. Der vormals bedrängte Tabakhersteller geht wieder besseren Zeiten entgegen.

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          Philip Morris oder „Big Mo“, wie die Amerikaner den Konzern nennen, ist mit Marlboro führend auf dem Welttabakmarkt; sein Lebensmittelunternehmen Kraft steht weltweit auf dem zweiten und seine Brauerei Miller auf dem fünften Platz. Die Gesellschaft betreibt außerdem ein Finanzdienstleistungsgeschäft, das in steuerbegünstigte Bereiche wie das Immobilienleasing und in die Entwicklung von Finanzinstrumenten für Dritte investiert.

          Standard & Poor's (S&P) sieht die Aktie von Philip Morris als klaren Kauf und verleiht dem Unternehmen fünf Sternen. Da in guten wie schlechten Zeiten erhebliche Cash-flows hervor gebracht werden, sei die Aktie während eines Konjunkturrückgangs besonders attraktiv, meint Richard Joy, Tabakanalyst von S&P.

          Politik ist tabakfreundlicher

          Nach Ansicht von S&P profitiert Philip Morris in den nächsten vier Jahren von einer erhöhten Tabakfreundlichkeit der Regulierungsbehörden. Das unter Bill Clinton eingeleitete Verfahren gegen die Tabakindustrie wird wahrscheinlich eingestellt, da sich Präsident Bush bereits öffentlich gegen den Prozess ausgesprochen hat. Auch dürften die republikanischen Kongressmitglieder künftige Erhöhungen der Tabaksteuer ablehnen. Zudem sind Justizminister John Ashcroft und Health and Human Services Director Tommy Thompson für ihre Tabakfreundlichkeit bekannt.

          Körperverletzungsverfahren stellen generell keine ernste Bedrohung für die Tabakindustrie dar und andere negative Gerichtsurteil im Rahmen des mächtigen Cash-flows von Philipp Morris seien unerheblich, so S&P. Das Interesse der Anleger scheint sich nun weniger auf juristische Probleme als auf die beeindruckende Wirtschaftsbasis von „Big Mo“ zu konzentrieren.

          Marlboro weiterhin Nummer Eins

          Das Unternehmen baut seine beherrschende Position auf dem Zigarettenmarkt immer noch aus und besitzt nun einen US-Marktanteil von 50,5 Prozent. Die Marke Marlboro untermauerte in 2000 ihre führende Stellung durch einen Anteil von 37,1 Prozent am amerikanischen Zigarettenmarkt. Die Gewinne aus dem inländischen Tabakgeschäft dürften 2001 um fünf bis sechs Prozent steigen, wobei vor kurzem erfolgte Preiserhöhungen (um sechs bis sieben Prozent) etwaige Absatzprobleme mühelos auffangen dürften, prognostiziert der Analyst Joy

          Obwohl die Industrie aller Wahrscheinlichkeit nach einen historischen Rückgang von 1,0 bis 1,5 Prozent im jährlichen Zigarettenkonsum erleben wird, müssten „Big Mo“-Marken ihren Vorsprung weiterhin vergrößern. Die Preiserhöhungen werden dafür sorgen, dass die Gewinne den Erwartungen entsprechen. Das globale Tabakgeschäft des Unternehmens ist noch immer von raschem Wachstum und hohen Gewinnen geprägt. Da der Weltzigarettenmarkt seinen langfristigen Wachstumstrend wieder aufnimmt und sich die Wirtschaft der Entwicklungsländer gleichzeitig verbessert, rechnet S&P in 2001 für MOs internationales Tabakgeschäft mit einem Zuwachs des Umsatzvolumens um vier bis sechs Prozent und einem Gewinnzuwachs von zehn Prozent.

          Kraft geht an die Börse

          Nachdem Philip Morris die Akquisition von Nabisco für 19,2 Milliarden Dollar abgeschlossen hat, steht nun der Börsengang von Kraft im Fokus. Das IPO der gerade fusionierten Kraft/Nabisco-Geschäfte könne sich als Katalysator erweisen, da der Wert des Lebensmittelsegments dadurch transparenter wird. „Big Mo“ will im zweiten Quartal zehn bis 15 Prozent von Kraft zu verkaufen, wobei der Großteil der Erträge für die Begleichung des kurzfristigen Kredits dienen soll, mit dem der Nabisco-Kauf finanziert wurde. Die Präsentationen, die das Interesse der Anleger wecken dürften, werden bald beginnen.

          Cash-flow zahlt sich für die Aktionäre aus

          Der freie Cash-flow bei Philip Morris bleibt enorm und müsste den Aktionären durch großzügige Dividenden (4,5 Rendite) und Aktienrückkaufprogramme zurückgegeben sowie hin und wieder zu strategischen Investitionen verwendet werden. S&P erwartet, dass der freie Cash-flow vor Dividenden in 2001 acht Milliarden Dollar übersteigen wird. Das Unternehmen kaufte 2000 für 3,6 Milliarden Dollar Aktien zurück und sollte 2001 zu diesem Zweck weitere 3,5 bis vier Milliarden Dollar ausgeben. Langfristig sind jährliche Aktienrückkäufe in Höhe von mehr als 3,5 Milliarden Dollar geplant.

          Der Analyst Richard Joy ermittelt basierend auf der 2001er Gewinnschätzung je Aktie von 4,12 Dollar ein KGV von ungefähr elf. Das ist ein etwa 50-prozentiger Abschlag gegenüber dem KGV des S&P-500-Index, obwohl in den kommenden drei bis fünf Jahren mit einem Wachstum von zwölf bis 14 Prozent des Gewinns je Aktie zu rechnen ist. In Anbetracht der starken Wirtschaftsbasis von Philip Morris gibt S&P eine Kaufempfehlung mit einem Zwölfmonats-Kursziel von 65 Dollar.

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