https://www.faz.net/-gv6-2mep

S&P-Analyse : Ein schwieriges Jahr für Lufthansa

  • -Aktualisiert am

Die Kraniche fliegen wieder - doch in einem widrigen Umfeld Bild: AP

Den Tarifstreit hat Lufthansa endlich überstanden. Doch bleibt 2001 ein schwieriges Jahr.

          2 Min.

          Die Tarifeinigung mit seinen Piloten wird Lufthansa in diesem Jahr zusätzlich rund 115 Millionen Euro kosten. Dazu kommen noch Pensionszahlungen, die bisher noch ausgeklammert wurden.

          Wir glauben, dass das die Sache wert ist: Die Streiks haben elf Millionen Euro Umsatzausfälle pro Tag gebracht, es gibt nun Zuwächse in der Produktivität, und die Einigung hat mit 39 Monaten eine beispiellose Laufzeit.

          Aktie halten

          Die hohen Kerosinpreise im laufenden Jahr (im ersten Quartal stiegen die Treibstoffkosten um 43 Prozent) und die ökonomische Unsicherheit in den USA und Europa sind ohnehin schon harte Rahmenbedingungen für eine Fluglinie, so dass es dringend notwendig war, die Kraniche wieder fliegen zu lassen.

          Die Lufthansa-Aktie hat dieses Umfeld steigender Kosten und unsicherer Nachfrage zu spüren bekommen und in diesem Jahr 17 Prozent eingebüßt. Wegen der derzeitigen Aussichten kann man schwerlich begeistert von den Titeln sein, doch halten wir die aktuellen Probleme für eingepreist und bewerten die Aktie mit „Halten“.

          Treibstoffpreise weiter hoch

          Das Geschäft im ersten Quartal mit seinem Vorsteuerverlust von 96 Millionen Euro zeigt, dass dieses Jahr auch ohne höhere Personalkosten nicht leicht wird. Die gestiegenen Kerosinpreise lasten weiter auf allen Airlines. Obwohl Lufthansa 80 Prozent seines Bedarf bei etwa 21 Dollar pro Barrel abgesichert hat, wird die Treibstoffrechnung dennoch deutlich höher ausfallen.

          Standard & Poor's rechnet derzeit mit einem Rohölpreis von 28,22 Dollar pro Barrel in diesem Jahr und für 2002 mit 27,08 Dollar. Obwohl es also künftig wahrscheinlich zu Erleichterungen kommt, hält der Kostendruck an.

          Konjunktur sorgt für sinkende Frachtraten

          Der zweite wesentliche Dämpfer für den Geschäftsausblick sind die konjunkturellen Aussichten dies- und jenseits des Atlantiks. Das Wohl des Fluggeschäfts hängt am BIP-Wachstum, obwohl der Zusammenhang mit dem Passagiergeschäft komplex ist. So gewinnt Lufthansa viele Passagiere durch die besondere Lage Frankfurts als Drehkreuz zwischen den Kontinenten.

          Bei der Luftfracht ist der Zusammenhang direkter: Im April sank das Frachtaufkommen im Jahresvergleich um 3,7 Prozent. Das Nord- und Südamerikageschäft war dabei um 7,1 Prozent schwächer, das Asien- und Pazifikgeschäft um 5,1 Prozent. Dabei verringerte sich der Ladefaktor auch wegen erhöhter Kapazitäten von 66,1 auf 59,6 Prozent.

          Dieses ungünstige Umfeld wird sich in den Geschäftszahlen niederschlagen. Lufthansa selbst veranschlagt seinen Betriebsgewinn für 2001 um 13 bis 18 Prozent niedriger als die 1,04 Milliarden Euro im vergangenen Jahr. Wir rechnen derzeit mit einem um 14 Prozent geringeren Betriebsergebnis. Dank der Steuerreform wird das Nettoergebnis aber mit einem geringeren Steuersatz von 35 Prozent (nach zuvor 42,3 Prozent) belastet sein. Für dieses Jahr erwarten wir ein Ergebnis von 1,62 Euro pro Aktie, für 2002 dann 1,76 Euro pro Aktie.

          Dreijahreschart Lufthansa

          Weitere Themen

          Lufthansa fliegt aus dem Dax

          Nach 32 Jahren : Lufthansa fliegt aus dem Dax

          Trotz Staatshilfen in Höhe von 9 Milliarden Euro muss die größte Fluggesellschaft in Deutschland ihren Platz im Dax räumen. An deren Stelle tritt eine Wohnungsgesellschaft.

          Topmeldungen

          Michael Zahn hat sich mit Äußerungen zur Wohnungspolitik in Berlin nicht überall beliebt gemacht.

          Deutsche-Wohnen-Chef Zahn : Der unbeliebte Vermieter

          Nach 14 Jahren hat die deutsche Hauptstadt wieder einen Dax-Konzern. Michael Zahn ist der Mann, der ihn führt. Doch viele Berliner sind auf den Immobilienmanager nicht gut zu sprechen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.