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S&P-500 : Gewinnprognosen kaum noch haltbar

  • -Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.

Analysten haben ihre Gewinnerwartungen für den S&P 500 trotz Rezessionsängsten und Kursverlusten bisher kaum reduziert. Nach einem robusten zweiten Quartal nehmen nun erste Unternehmen ihre Prognosen zurück.

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          An der Wall Street nimmt die Uneinigkeit zwischen Fachleuten über den weiteren Trend an den Aktienmärkten zu. Auf der einen Seite haben Rezessionsängste die Aktienmärkte weiter im Griff. Die Aktienkurse sind unter starken Schwankungen kräftig gefallen und zahlreiche Ökonomen bei Wall-Street-Banken haben ihre Prognosen für das amerikanische Wirtschaftswachstum zurückgenommen. Die Volkswirte der Bank JP Morgan Chase rechnen für das vierte Quartal nur noch mit einem Wirtschaftswachstum von 1 Prozent, nachdem sie zuvor mit 2,5 Prozent kalkuliert hatten. Die Konkurrenten von Morgan Stanley warnen, dass die Vereinigten Staaten und auch Europa einer Rezession „gefährlich nahe“ seien. Schwaches Wachstum könnte zu nachlassenden Umsätzen und Gewinnen bei Unternehmen führen, wenn arbeitslose Verbraucher ihre Ausgaben beschränken oder verunsicherte Manager geplante Investitionen ihrer Firmen zurückstellen. „Die vielen negativen Nachrichten und die Unruhe an den Aktienmärkten haben eine bedeutende Auswirkung auf die ohnehin fragile Verfassung der Verbraucher“, sagte Robert Niblock, der Vorstandschef der Baumarktkette Lowe's, in der vergangenen Woche. „

          Norbert Kuls

          Freier Autor in der Wirtschaft.

          „Wir halten die Zahlen für zu hoch“

          Auf der anderen Seite haben Analysten an der Wall Street, die die Gewinnentwicklung einzelner Unternehmen bewerten, ihre Prognosen trotz der schleppenden Konjunkturentwicklung und der Kursverluste bisher aber kaum zurückgenommen. Für das dritte Quartal prognostizieren die Auguren für die im Aktienindex S&P 500 abgebildeten Unternehmen derzeit ein durchschnittliches Gewinnwachstum von 15,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Das geht aus Daten des Informationsdienstes Thomson Reuters hervor. Damit sind die Gewinnprognosen seit Anfang des Quartals nur um 1,4 Prozentpunkte gefallen. Für das vierte Quartal rechnen die Analysten aktuell mit einem Gewinnwachstum von 17 Prozent, nur 0,6 Prozentpunkte weniger als Anfang Juli. Das Standardwertebarometer S&P 500 hat seit Anfang des dritten Quartals allerdings um rund 12 Prozent nachgegeben. Marktteilnehmer an der Wall Street scheinen daher zu unterstellen, dass die Gewinnprognosen für amerikanische Konzerne zu optimistisch sind. „Absolut, wir halten die Zahlen für zu hoch“, sagt Doug Cliggott, der bei der Schweizer Bank Credit Suisse die Anlagestrategie für amerikanische Aktien verantwortet. „In den vergangenen zwei oder drei Wochen gab es eine Menge Daten, die zeigen, dass unser Wachstum viel stärker nachlassen könnte wie bisher gedacht“. Sollten Analysten in den kommenden Wochen ihre Prognosen doch stärker zurücknehmen, könnte das ein erneuter Anlass für Händler sein, Aktien zu verkaufen. Die Gewinnerwartungen von Aktiengesellschaften sind langfristig die wichtigste Triebfeder für die Börsenkurse.

          Der September könnte somit zu einem entscheidenden Monat für den weiteren Trend an der Wall Street werden. Kenner der Wall Street geben auch zu bedenken, dass die traditionelle Sommerurlaubszeit mit dem Feiertag Labor Day Anfang September zu Ende geht, und Analysten nach ihrem Urlaub in den letzten beiden Augustwochen ihre bisherigen Prognosen überprüfen werden. Kritiker werfen Analysten zudem vor, das sie ihre häufig eher positiven Prognosen nicht schnell genug anpassen, wenn sich das Umfeld ändert. Analysten warten häufig auf Meldungen von Unternehmen, bevor sie ihre Berechnungen ändern. Ein Hedgefonds-Manager bezeichnete Analysten bei Wall-Street-Banken als einen „Haufen Lemminge“.

          Im zweiten Quartal, dessen Berichtssaison fast zu Ende ist, haben die Unternehmen im S&P 500 mit einem Gewinnwachstum von durchschnittlich 12 Prozent die Erwartungen übertroffen. Am Ende des Quartals hatten die Auguren mit einem Zuwachs von 9,8 Prozent gerechnet. Aber für das dritte Quartal haben schon 69 Unternehmen im S&P 500 vor enttäuschenden Ergebnissen gewarnt. Nur 29 haben besser als erwartete Resultate avisiert. Nach Angaben von Thomson Reuters ist das ein schlechterer Trend als normal.

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