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Technische Perlen : Die besten deutschen Nebenwerte

  • -Aktualisiert am

Wagen leihen, Aktien kaufen: Sixt-Schalter am Flughafen Hamburg. Bild: ddp Images

Koenig & Bauer, Sixt und Takkt bieten sich für Aktienkäufe an. Die Analyse gibt Auskunft über die technischen Perlen im S-Dax.

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          Der S-Dax hat in den letzten Wochen die Seitwärtspendelbewegung seit April 2015 mit einem neuen Investment-Kaufsignal verlassen und ist auf neue historische Höchstkurse gestiegen. Im Index finden sich zurzeit 14 „technische Perlen“, also Aktien, die sich in langfristigen Aufwärtsbewegungen befinden und mit ihrer intakten technischen Neubewertung und ihren neuen Höchstkursen diese Index-Entwicklung unterstützen. Da einige dieser technischen Perlen aufgrund der sehr deutlichen Kursgewinne in den letzten Monaten aktuell eine mittelfristig überkaufte Lage aufweisen und damit (Zu-)Käufe zurzeit prozyklischen Charakter haben, sind nur ausgewählte Aktien für neue mittelfristige technische Käufe hervorzuheben. Hierbei handelt es sich um die beiden Immobilienwerte ADO Properties und TLG Immobilien, den Druckmaschinenhersteller Koenig & Bauer, den Autovermieter Sixt und den Ausrüstungsproduzenten für Büros und Lagerhäuser Takkt.

          Der S-Dax enthält seit der Indexreform im März 2003 die 50 kleineren Aktien unterhalb des Dax und M-Dax aus den klassischen Sektoren des Prime-Segments der Deutsche Börse AG. Der S-Dax befindet sich seit März 2009 und dem damaligen Baisse-Tief bei 2149 Punkten in einem technischen Hausse-Zyklus. Auch wenn dieser Index als ergiebige „Fundgrube für Stockpicker“ gilt, hat er in den letzten gut sieben Jahren 333 Prozent hinzugewonnen, während der Dax im selben Zeitraum nur eine Kurssteigerung um 188 Prozent aufweist.

          Zwei technischen Basisphasen

          Der Hausse-Zyklus des S-Dax hatte bisher nur zwei technische Basisphasen: zuerst den steilen mittelfristige Aufwärtstrend von März 2009 bis zum Juli 2011 mit einem Kursanstieg von 2149,3 Punkten auf 5633 Punkte. Und nach der technischen Korrektur bis auf 4160 Punkte ergab sich ab November 2011 ein weiterer, weiterhin intakter Hausse-Trend, der sich aktuell bei 7400 bewegt. Innerhalb dieses Trends findet sich das klassische Wechselspiel von mittelfristigen Aufwärtstrends und Korrekturen wieder.

          Nach der Klettertour ergab sich im S-Dax – ausgehend von den historischen Höchstkursen um 9180 Punkte (Widerstandszone) – von August 2015 an eine technische Korrektur in Form einer Seitwärtspendelbewegung. Diese hatte aus übergeordneter technischer Sicht bereits einen trendbestätigenden Charakter nach oben. Hierbei hatte der S-Dax eine ausgeprägte relative Stärke gegenüber dem Dax, der in eine technische Baisse gerutscht war. Durch den S-Dax-Kursanstieg seit Mitte Februar 2016 wurde der Index zunächst an die Widerstandszone um 9200 geführt.

          Der Hausse-Trend

          In den letzten Tagen ist der Index mit einem neuen Investment-Kaufsignal aus der Seitwärtsbewegung der letzten Monate nach oben herausgelaufen und hat als erster deutscher Auswahlindex neue historische Höchstkurse erreicht. Aufgrund der guten technischen Gesamtverfassung sollte das nächste technische Etappenziel im S-Dax in diesem Hausse-Zyklus bei 10.000 Punkten liegen. Ein S-Dax-Investment, wie es sich mit einem S-Dax-ETF (Exchange Traded Fund), einem S-Dax-Zertifikat oder einem Aktienfonds mit S-Dax-Bezug umsetzen lässt, sollte damit in keinem Portfolio fehlen.

          Hohe Handelsvolumina an der Börse

          Die Aktie von Koenig & Bauer, deren Geschäftsschwerpunkt die Entwicklung, die Fertigung und der Vertrieb von kommerziellen Druckpressen und Papierzuführmaschinen ist, hatte seit den frühen 1990er Jahren eine sehr langfristige Seitwärtspendelbewegung herausgebildet. Über die vielen Jahre hinweg lag eine Handelsspanne mit der Unterstützungszone von 6 bis 7 Euro und der Widerstandszone um 30 Euro vor. Den größten Teil der Zeit bewegte sich der Titel dabei in der engeren Kernhandelsspanne zwischen der gestaffelten Unterstützungszone von 9 bis 10 Euro und der gestaffelten Widerstandszone von 19 bis 20 Euro. Anfang 2015 startete der Titel, ausgehend von der Unterstützungszone, mit einem Investment-Kaufsignal einen neuen Hausse-Trend, wobei die sehr hohen Handelsvolumina an der Börse das nachhaltige Interesse von vielen Investoren an Koenig & Bauer verdeutlichten. Zuerst wurde die Aktie bis an die Widerstandszone von 19 bis 20 Euro geführt. Danach sorgte das weitere Investment-Kaufsignal für ein Heranführen an die Widerstandszone um 30 Euro. Das zuletzt vorliegende zusätzliche Investment-Kaufsignal brachte die Aktie jetzt mit neuen historischen Höchstkursen aus der 25-jährigen Seitwärtsbewegung heraus in eine Neubewertung, wobei sich als nächstes technisches Etappenziel der Bereich um 50 Euro andeutet.

          Die ebenfalls im S-Dax notierten Stammaktien von Sixt befinden sich seit März 2009 in einer langfristigen Aufwärtsbewegung, wobei sich ab dem Sommer 2012 und einem Kursniveau von 12,70 Euro ein feiner technischer Hausse-Trend ergeben hat. Dieser zentrale Hausse-Trend liegt aktuell bei 32,50 Euro. Zum Jahreswechsel 2014/2015 ging die langfristige Hausse in einen mittelfristigen Trendkanal im Umfeld der steigenden 200-Tage-Linie über. Die Sixt-Aktie hat hierbei sowohl die aktuell bei 39 Euro liegende, steigende untere Trendkanallinie als auch die parallele, obere Trendkanallinie (zurzeit bei 55,50 Euro) mehrmals getestet. Innerhalb des Trendkanals sorgt ein Wechselspiel von kurzfristigen Aufwärtstrends und Konsolidierungen für eine intakte Aufwärtsbewegung. Die gute technische Gesamtlage signalisiert eine Fortsetzung der langfristigen Aufwärtsbewegung bei den Sixt Stammaktien, wobei sich als nächstes mittelfristiges technisches Etappenziel der Bereich von 58 Euro bis 60 Euro andeutet. Aufgrund dieser Gesamtsituation bleibt Sixt ein technischer (Zu-)Kauf. Jede Sixt-Position sollte mit einem strategischen Sicherungsstopp bei 38 Euro belegt werden.

          Technischer Marathonläufer

          Die Takkt gehört am deutschen Aktienmarkt zu den technischen Marathonläufern (steht für Aktien, die sich in sehr langfristigen Aufwärtsbewegungen befinden und im Rahmen einer neuen (S-Dax-)Hausse in der Lage sind, neue historische Höchstkurse zu liefern). Diese Aktie ist ein Musterbeispiel für einen defensiven technischen Wachstumswert mit einer attraktiven Dividendenrendite. Der Titel befindet sich, ausgehend von dem Startniveau um 3,40 Euro (Dezember 2002), in einer langfristigen Hausse-Bewegung, wobei sich von Sommer 2009 und Kursen um 6,50 Euro an ein langfristiger, stabiler Hausse-Trend ergeben hat. Dessen zentrale mehrjährige Trendlinie liegt zurzeit bei 13 Euro. Bei Takkt wechseln sich mittelfristige Aufwärtstrends und trendbestätigende Konsolidierungen kontinuierlich ab. Nach den deutlichen Kursgewinnen bis zum April 2015 auf ein Kursniveau um 18 Euro ergab sich in den letzten zwölf Monaten eine klassische trendbestätigende Konsolidierung in Form einer Trading Box (gestaffelte Widerstandszone von 18 bis 18,50 Euro, gestaffelte Unterstützungszone von 14,50 bis 15,50 Euro).

          Nach gut einem Jahr Konsolidierung ist Takkt zuletzt mit einem neuen Investment-Kaufsignal aus dieser Trading Box herausgelaufen, so dass sich die langfristige Hausse und die technische Neubewertung in der Aktie fortsetzen sollten. Da das nächste mittelfristige technische Etappenziel im Bereich von 22,50 bis 23 Euro liegen sollte, bleibt Takkt ein technischer (Zu-)Kauf. Der strategische Sicherungsstopp sollte zuerst bei 13 Euro liegen und in den Folgemonaten mit dem Ansteigen des zentralen Hausse-Trends jeweils leicht nachgezogen werden.

          Der Autor leitet das europäische Index-Research von Commerzbank Corporate & Markets.

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