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Rußland : Gasprom überholt Microsoft

  • Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.

Die Unternehmen der Schwellenländer befinden sich im Aufwind. Der russische Energiekonzern Gasprom ist gemessen am Börsenwert inzwischen die drittgrößte Aktiengesellschaft der Welt. Wann wird er sich an die Spitze der Weltrangliste setzen?

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          Der russische Gasprom-Konzern ist schon die drittgrößte Aktiengesellschaft der Welt. Der Energieriese, der angeblich über 16 Prozent der Weltgasreserven verfügt, hat, gemessen am Börsenwert, inzwischen auch Microsoft überrundet. Der Aktienkurs des Softwarekonzerns war am vergangenen Freitag um 11 Prozent gefallen. Der Kurs von Gasprom hat sich demgegenüber allein in den vergangenen zwölf Monaten nahezu vervierfacht. Das Unternehmen bringt es auf eine Marktkapitalisierung von knapp 270 Milliarden Dollar. Schwerer sind nur mehr der Ölkonzern Exxon Mobil (387 Milliarden Dollar) und der Mischkonzern General Electric (358 Milliarden Dollar).

          Doch es dürfte nach Meinung von Fachleuten nur eine Frage der Zeit sein, bis sich Gasprom an die Spitze dieser Weltrangliste setzt. Die Börsenbewertung von Gasprom sei für die russische Regierung zunehmend auch eine Prestigeangelegenheit, sagt Matthew J. Thomas, Analyst von Morgan Stanley. Alexander Medvedev, der stellvertretende Vorstandsvorsitzende von Gasprom, träumte unlängst sogar öffentlich von einer Marktkapitalisierung in Höhe von einer Billion Dollar.

          Wichtiges Inlandgeschäft

          Diese Kursphantasien werden in erster Linie aus stark steigenden Energiepreisen und den enormen Reserven des Unternehmens gespeist. Letztere sind nach offiziellen Angaben rund fünfmal so hoch wie die von Exxon Mobil. Ob Gasprom das Kurspotential an der Börse heben kann, werde auch in hohem Maße von der weiteren Preispolitik im Inland abhängen, sagen Analysten. Gasprom setzt immer noch mehr als die Hälfte seines Gases im Inland ab, erzielt dabei aber Preise, die nicht einmal einem Fünftel des durchschnittlichen Exportpreises nach Europa entsprechen. Morgan-Stanley-Analyst Thomas glaubt, daß der Markt das langfristige Preiserhöhungspotential im Inland weit unterschätze. Er gehört denn auch zum wachsenden Kreis derer, die Gasprom als ein Kerninvestment im Energiesektor betrachten.

          Bild: FAZ.NET

          Rußlands Regierung hat unlängst dafür gesorgt, daß ausländische Investoren unbeschränkt zugreifen können. Seit dem 18. April sind die in Moskau gehandelten Gasprom-Aktien mit den an internationalen Börsen erhältlichen Zertifikaten für hinterlegte Gasprom-Aktien (American Depositary Receipts - ADRs) voll fungibel. Wer jetzt beispielsweise an der Börse Frankfurt einen solchen Hinterlegungsschein erwirbt (Wertpapierkennummer: 903276), kauft einen Anteilsschein, der das Recht auf vier Gasprom-Aktien verbrieft. Vor dem 18. April bezog sich ein ADR noch auf 10 Gasprom-Aktien. Entsprechend verringerte sich der Kurs der ADRs rechnerisch um 60 Prozent.

          Eon größter privater Einzelaktionär

          Schätzungen zufolge liegen inzwischen gut ein Fünftel aller Gasprom-Aktien im Ausland. Viele Investoren hatten sich schon vor der jüngsten Liberalisierung des Handels mit Gasprom-Aktien über Dritte im russischen Markt eingedeckt. Der russische Staat kontrolliert knapp über 50 Prozent des Aktienkapitals. Über den staatlichen Ölkonzern Rosneft sicherte sich die Regierung im vergangenen Jahr den dafür noch notwendigen 10,7-Prozent-Anteil. Rosneft plant für dieses Jahr einen Börsengang, nicht zuletzt um den Kredit in Höhe von 7,5 Milliarden Dollar zurückzahlen zu können, den das Unternehmen für den Erwerb des Gasprom-Anteils aufnahm.

          Größter privater Einzelaktionär von Gasprom ist der deutsche Kooperationspartner Eon. Der Versorger hält über direkte und indirekte Anteile 6,43 Prozent der Aktien. Die Beteiligung hat damit einen Marktwert von 17,3 Milliarden Dollar, umgerechnet 13,7 Milliarden Euro. Zum Vergleich: Eon wird an der Börse insgesamt mit 68 Milliarden Euro bewertet.

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