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Rumänien : Die Bären regieren

  • Aktualisiert am

Auch Fans der rumänischen Börse haben derzeit wenig zu lachen Bild: dpa

Das Tempo, mit der die rumänische Wirtschaft wächst, ist nach wie vor hoch. Im ersten Quartal betrug die Zuwachsrate beim Bruttoinlandsprodukt immerhin 8,2 Prozent. Doch was schon lange nicht mehr hoch notiert, sind die Kurse am Bukarester Aktienmarkt.

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          Das Tempo, mit der die rumänische Wirtschaft wächst, ist nach wie vor hoch. Im ersten Quartal betrug die Zuwachsrate des Bruttoinlandsprodukts immerhin 8,2 Prozent. Doch was schon lange nicht mehr hoch notiert, sind die Kurse am Bukarester Aktienmarkt. Der BET-Index, der die zehn liquidesten Titel enthält, hat in diesem Jahr schon rund 33 Prozent an Wert verloren.

          Damit setzt sich die schon im zweiten Halbjahr 2007 schwache Bilanz bisher nahtlos fort. Ausgehend von einem am 24. Juli markierten Rekordhoch von 10 814 Punkten ist der BET plötzlich in einen Abwärtstrend übergewechselt. Insgesamt summiert sich das Minus bei einem aktuellen Stand von 6595 Punkten schon auf rund 39 Prozent.

          Überhitzterkte kühlen ab

          Dieser hohe Verlust wirft kein gutes Licht auf die rumänische Börse. Doch die Wertentwicklung relativiert sich beim Blick auf die Ergebnisse der Nachbarbörsen. In Südosteuropa sind praktisch alle Aktienmärkte ähnlich drastisch unter die Räder gekommen. Teilweise ist der Abwärtstrend in diesem Jahr sogar noch stärker ausgeprägt, wie etwa an den Nachbarbörsen in Bulgarien und der Ukraine.

          Die in Rumänien investierten Anleger tröstet das zwar vermutlich wenig. Der Vergleich zeigt aber, dass es sich nicht nur um hausgemachte Probleme handelt. Vielmehr haben die Verluste auch mit den indirekten Effekten der Kreditkrise zu tun. Diese hat die Investoren weitaus risikoaverser werden lassen. Diese neue Zurückhaltung macht sich insbesondere an aufstrebenden Märkten wie den südosteuropäischen negativ bemerkbar.

          Rückblickend muss außerdem konstatiert werden, dass die rumänische Börse wie ihre Pendants in der Region zur Mitte des Vorjahres nach einem langen Gipfelsturm ganz einfach überhitzt und etwas überbewertet war.

          Günstige Bewertung nur bei hohen Gewinnsteigerungen

          Zumindest in diesem Punkt hat die jüngste Korrektur Besserung bewirkt. Laut den Analysten von Raiffeisen Research hat sich das Kurs-Gewinn-Verhältnis für den Gesamtmarkt auf Basis der für 2008 erwarteten Gewinne auf rund 14 und für 2009 sogar auf rund zwölf ermäßigt. Das klingt nach einer relativ vernünftigen Bewertung.

          Allerdings basieren die Schätzungen auf deutlichen Gewinnsteigerungen. So prognostiziert Raiffeisen Research für dieses Jahr ein Gewinnplus von 98,1 Prozent und für nächstes Jahr einen Gewinnanstieg von 16,3 Prozent. Angesichts des schwieriger gewordenen volkswirtschaftlichen Umfelds wird sich erst noch zeigen müssen, ob diese Erwartungshaltung nicht zu optimistisch ist.

          Volkswirtschaftliche Risikofaktoren

          Wie der Kursverfall zeigt, ist die Mehrheit der Anleger offenbar eher noch skeptisch. Die gesunkenen Bewertungen lösen bisher noch keinen Ansturm von Käufern aus. Das Denken und Handeln der Investoren wird momentan vielmehr von den bestehenden Risiken bestimmt. So hat auch Rumänien derzeit vor allem mit einer steigenden Inflation zu kämpfen. Die Teuerungsrate betrug im Mai 8,4 Prozent, was deutlich über dem angestrebten Zielband liegt. Die Zentralbank hat im Kampf gegen die Inflation erst in der Vorwoche zum sechsten Mal in Folge die Leitzinsen auf nunmehr 10 Prozent erhöht - kein guter Nährboden für steigende Aktienkurse.

          Kritik geübt wird außerdem auch immer wieder am wachsenden Leistungsbilanzdefizit. In den ersten vier Monaten hat sich das Minus um 7,6 Prozent auf 4,84 Milliarden Euro erhöht. Auch mit Verweis auf diesen wunden Punkt haben die Ratingagenturen Standard & Poor's und Fitch Ratings erst unlängst die Ausblicke für die Kreditwürdigkeit des Landes gesenkt.

          Gefahren birgt auch die wachsende Verschuldung der Privathaushalte. Im Mai ist diese um 61,3 Prozent gestiegen. Die aufgezeigten Probleme haben auch dem Leu zugesetzt. Trotz der in den vergangenen Monaten gezeigten Stabilisierungsansätze hat die rumänische Landeswährung gegenüber dem Euro seit der Mitte des Vorjahres rund 16 Prozent an Wert verloren.

          Hoffnung auf Besserung knüpfen Experten an die geplante Privatisierungswelle. Mit dem Nationalen Immobilienfonds, drei Versorgern und dem Flughafen könnten 2009 einige interessante Unternehmen an die Börse kommen.

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