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Rückzug : Bankaktien legen eine Verschnaufpause ein

  • -Aktualisiert am

Auch die Aktie der Commerzbank hat mächtig zugelegt im Januar Bild: dpa

Die großen Banken kommen offenbar gut voran damit, ihre Bilanzen aufzubessern. Nach einer kräftigen Rally atmet der Markt aber erstmal durch.

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          Die Schuldenkrise hat den großen Investmentbanken kräftig das Geschäft verhagelt. Am Freitag präsentierte Barclays eine klägliche Eigenkapitalrendite von 5,8 Prozent für das vergangene Jahr. Schärfere Regulierungen und um dreißig Prozent niedrigere Erträge im Handel von festverzinslichen Papieren, Devisen und Rohstoffen im vierten Quartal 2011 ließen nicht mehr viel vom Ziel des Vorstandsvorsitzenden Bob Diamond übrig, eine Eigenkapitalrendite von 13 Prozent zu erreichen. Auch andere Großbanken kämpfen derzeit mit den Auswirkungen der Schuldenkrise.

          Noch immer ist die Stimmung stark von den Finanzproblemen Griechenlands geprägt. Die Uneinigkeit über das griechische Rettungspaket ließ Bankaktien zum Wochenschluss wieder den Rückzug antreten: nicht nur griechische Bankaktien gaben um 5 bis 8 Prozent nach. Auf breiter Front fielen die Kurse von Finanzwerten, die Titel der Société Générale verloren beispielsweise um 6 Prozent an Wert, die der ING Group um 5 Prozent. Dennoch hat die Stimmung der Anleger gegenüber europäischen Bankaktien gedreht - unabhängig von den derzeit mageren Geschäftsergebnissen, denn diese waren seit langer Zeit erwartet worden.

          Sorge der Aktionäre tritt in den Hintergrund

          Am Donnerstagabend hat die Europäische Bankenaufsicht (EBA) ein vorläufiges Urteil zu den ihnen vorgelegten Kapitalplänen der europäischen Großbanken abgegeben. Mehr als 30 europäische Banken hatten nach Stresstests Vorschläge einreichen müssen, wie ihre Kernkapitalquote bis spätestens Juni 2012 auf 9 Prozent anheben wollen. Die EBA zeigte sich erleichtert, da die Pläne ganz offenbar plausibel sind und ausreichend, um die Kapitallücken in den Bankbilanzen zu schließen.

          Die Talsohle scheint durchschritten Bilderstrecke

          Wie in einem Teil unserer gestrigen Ausgabe berichtet, decken die Banken 26 Prozent ihrer Kapitallücken mit der Aufnahme von neuem Kapital am Markt ab. Für 22 Prozent der Kapitallücken wandeln sie Hybridkapital in Eigenkapital um; 16 Prozent des noch erforderlichen Kapitals halten sie über Gewinne ein und für 6 Prozent des Kapitals geben sie Wandelschuldverschreibungen aus. Die Maßnahmen, mit denen die risikogewichteten Aktiva über den Verkauf von Geschäftseinheiten oder abgewandelten Bewertungsmodellen reduziert werden, machen nur 23 Prozent des Kapitalbedarfs aus.

          Für den Ernstfall wurde ein Informationsaustausch mit den nationalen Aufsichtsbehörden festgelegt, bei dem Banken einen „Plan B“ vorlegen könnten. Dies bedeutet im Klartext, dass die europäischen Banken in Kürze recht gut kapitalisiert dastehen und selbst härtere Unruhen an den Märkten überstehen können. Die seit Beginn der Finanzkrise schwelende Angst, dass immer wieder Banken gerettet werden müssen und immer weitere Kapitalerhöhungen drohen, geht damit zurück. Und die Sorge der Aktionäre, dass das Kapital der Banken noch weiter verwässert wird, tritt langsam in den Hintergrund.

          Hoffen auf EZB

          Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte mit ihrem dreijährigen Finanzierungsgeschäft im Dezember, als sie rund 490 Milliarden Euro ausreichte, bereits ihren Teil dazu beigetragen, dass sich die Refinanzierungsnot der europäischen Banken massiv abmilderte und die Nervosität am Geld- und Kapitalmarkt deutlich zurück ging. Der in Kürze anstehende zweite Dreijahrestender steigert das Zutrauen am Markt ebenfalls bereits jetzt.

          Auch wenn sich die Verhandlungen um das zweite griechische Hilfspaket im Schneckentempo von diplomatischer Krise zu diplomatischer Krise schleppen, so geht der Prozess zumindest noch voran. Anleger hoffen überdies darauf, dass die EZB ihrerseits einlenken und einen Teil des Schuldennachlasses mit ihrem Griechenlandportfolio mittragen wird. Dies würde bedeuten, dass sich der Schuldennachlass nicht ausschließlich auf die privaten Gläubiger verteilte. Auch das könnte ein positives Signal für Banken und Bankaktien sein.

          Dennoch: Der Markt gibt Vorschusslorbeeren lange im Voraus. Seit der Ankündigung des Dreijahrestenders im September haben Bank- und Versicherungsaktien bereits eine Hausse hingelegt - auch gängige Standardwerte wie Barclays mit einem Anstieg von 85 Prozent, der Deutschen Bank von 60 Prozent, der Commerzbank von 73 Prozent, BNP Paribas von 57 Prozent und der Société Générale von 67 Prozent. Wer damals freilich seine Anlageberater fragte, ob er in Bankaktien investieren sollte, erhielt meist eine negative Antwort. Heute heißt es dagegen, die Aktien seien schon wieder zu weit gelaufen.

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