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Rückversicherungen : Aktien entwickeln sich unterdurchschnittlich

  • Aktualisiert am

Chile-Erdbeben kostet die Münchener Rück 1 Milliarde Dollar Bild: dpa

Die Aktien der Rückversicherer bleiben aber deutlich hinter den Märkten zurück. Die Münchener Rück berichtet über einen Trend zu immer kostenintensiveren Naturkatastrophen, Moody's sorgt sich über Refinanzierungsmöglichkeiten.

          Die Aktien von Rückversicherungsunternehmen wie der Münchener Rück oder der Swiss Reinsurance Company sehen optisch attraktiv aus.

          Mit Kurs-Gewinnverhältnissen von rund und acht auf Basis der Gewinnschätzungen für das laufende und das kommende Geschäftsjahr und Dividendenrenditen von sechs und vier Prozent in Bezug auf die im kommenden Jahr zu erwartenden Ausschüttungen scheinen sie sogar sehr attraktiv zu sein.

          Aktien der Rückversicherer bleiben deutlich hinter den Märkten zurück

          Das kann Anleger jedoch nur bedingt verlocken, in die Aktien der Unternehmen zu investieren. Denn ihre Kursentwicklung bleibt sowohl mittel- als auch kurzfristig deutlich hinter der der Märkte zurück. Die Papiere der Swiss Re gaben auf Sicht von zehn Jahren 71 Prozent ihres Wertes oder knapp zehn Prozent pro Jahr nach, während der SMI in derselben Periode auf eine Minus von 19 Prozent kommt. Die Papiere der Münchener Rück verloren in derselben Periode 65 Prozent ihres Wertes oder 7,5 Prozent pro Jahr, während der CDax ein Minus von zwölf Prozent beziehungsweise von 1,25 Prozent pro Jahr hinnehmen musste

          Denkbare Erklärungen für die schwache Entwicklung lieferte die Münchener Rück am Dienstag selbst. Es gebe einen langfristigen Trend zu immer kostenintensiveren Naturkatastrophen - und der halte an. Zu diesem Ergebnis seien die GeoRisiko-Experten des Unternehmens vor dem Hintergrund der aktuell zu beobachtenden Häufung von Naturkatastrophen gekommen, erklärte man in Form einer Pressemitteilung. Jüngste Beispiele sind das Erdbeben in Chile, Hagelstürme in Australien und nicht zuletzt auch der europäische Wintersturm Xynthia.

          Während die Schäden durch Naturkatastrophen im Jahr 2009 deutlich geringer ausgefallen waren als in den Jahren zuvor, gab es in den ersten Monaten des Jahres 2010 eine auffällige Häufung von Naturkatastrophen. Obwohl die Gefährdung durch geophysikalische Ereignisse sich trotz der Erdbeben in Haiti, Chile, der Türkei und Costa Rica sowie durch Vulkanausbrüchen in Island, Ecuador und Guatemala sich nicht verändert haben, da sie von menschlichen Aktivitäten nicht beeinflusst würden, seien die versicherten Werte stetig gestiegen. Die Exponierung und damit die Risiken hätten über die Jahre deutlich zugenommen.

          Dem gegenüber verändere sich bei Stürmen und starken Niederschlägen auch die meteorologische Gefährdungssituation. Mit einer weiteren Häufung und Intensivierung wetterbedingter Katastrophen sei bedingt durch den Klimawandel in den nächsten Jahrzehnten zu rechnen.

          Münchener Rück berichtet über einen Trend zu immer kostenintensiveren Naturkatastrophen

          Besonders groß waren in jüngster Zeit die Schäden aus dem Erdbeben in Chile. Der geringe Schadenselbstbehalt der Erstversicherungsunternehmen, ein hoher Anteil an einzeln rückversicherten Produktionsanlagen und Gebäuden und Schäden aus noch anhaltenden Betriebsunterbrechungen erschwerten bisher eine verlässliche Prognose der Gesamtbelastungen. Auch die Anzahl der Einzelschäden war sehr hoch: So wurden den lokalen Erstversicherern bis Ende April mehr als 190.000 Schäden gemeldet. Munich Re geht inzwischen von einem Marktschaden in der Größenordnung von insgesamt acht Milliarden amerikanischen Dollar aus. Die eigene Belastung werde nach Retrozession und vor Steuern bei etwa einer Milliarde Dollar liegen. Noch Ende April Munich Re mit einer Belastung in Höhe von 700 Millionen Dollar gerechnet. Das Unternehmen möchte auf die Entwicklung mit „risikoadäquaten Preisen“ reagieren. Das bedeutet für einige Regionen und Branchen Preiserhöhungen. .

          Die scheinbar attraktive Bewertung der Unternehmen an den Börsen bereitet der Ratingagentur Moody's Sorgen. Mit Kurs-Buchwertverhältnissen von 0,87 und 0,62 sei es für die Münchener Rück und die Swiss Re im Falle eines großen Katastrophenfalles nicht einfach, Kapital an Börsen oder Kapitalmärkten aufzunehmen. Im Falle eines Falles kämen die Unternehmen der Branche voraussichtlich gleichzeitig an die Märkte. Im Unterschied zu früher sei es aber nicht mehr sicher, ob dann auch noch genügend Kapital zur Verfügung stehen werde, erklärte Moody's.

          Angesichts des Umfeldes dürften Anleger die Papiere der Branche weiterhin kritisch betrachten. Die Aktien der Münchener Rück geben am Dienstag um 1,2 Prozent nach, nachdem die Kostenprognose für die Erdbebenschäden in Chile erhöht wurden. Seit April haben die Papiere knapp 20 Prozent ihres Wertes verloren und sind dabei deutlich unter den kurzfristigen Aufwärtstrend gefallen, der im vergangenen Jahr vorübergehend etabliert werden konnte.

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