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Rückkäufe : Unternehmen erwerben verstärkt eigene Aktien

Aktienrückkäufe im S&P 500 Bild: F.A.Z.

Auch mitten in der Krise haben viele Unternehmen noch immer prall gefüllte Kriegskassen. Zahlreiche Firmen nutzen das Geld, um eigene Aktien zurückzukaufen. So werden die an den Börsen gelisteten Konzerne zu einer der wichtigsten Stützen der Aktienmärkte.

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          Eine der wichtigsten Stützen für die Aktienbörsen könnten in diesem Jahr die dort gelisteten Unternehmen selbst sein. Alleine in den Vereinigten Staaten kaufen sie Aktien für rund 500 Milliarden Dollar mehr ein, als sie über Aktienverkäufe bekommen, sagt die Bank Goldman Sachs voraus. Aus dem Unternehmenssektor werde es damit netto mehr Mittelzuflüsse in die Aktienmärkte geben als von Seiten amerikanischer Pensionsfonds, ausländischer Investoren und von Betreibern börsennotierter Indexfonds (ETF) zusammen. „Gerade Aktienrückkäufe werden ein wesentlicher Treiber für neue Nachfrage auf dem Aktienmarkt sein“, sagt David Kostin, verantwortlicher Aktienstratege von Goldman Sachs für die Vereinigten Staaten.

          Alexander Armbruster

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft Online.

          Grund dafür sind die prall gefüllten Kassen vieler Unternehmen. Sie ermöglichen substantielle Aktienrückkäufe, ohne dass die Unternehmen im Gegenzug weniger Mittel für Investitionen zur Verfügung hätten oder um neue Produkte zu entwickeln. Goldman Sachs beziffert die zur Verfügung stehenden Mittel (Cash usage) alleine für die im Leitindex S&P 500 notierten Unternehmen auf mehr als 1700 Milliarden Dollar für das Jahr 2011.

          Weltweite Rolle

          420 Milliarden Dollar seien für Aktienrückkäufe verwendet worden und 260 Milliarden Dollar für Dividendenzahlungen. Zusammen entsprach das 40 Prozent der Mittel, ein Wert, der innerhalb der Bandbreite der vergangenen Jahre liegt. Nach Angaben des Finanzdatenanbieters Bloomberg haben im zurückliegenden Jahr beinahe 2000 amerikanische Unternehmen Aktien zurückgekauft, darunter der Computerkonzern Hewlett-Packard und das Biotechnologieunternehmen Amgen. Dadurch habe sich die Menge der ausstehenden Aktien zum ersten Mal seit März 2009 vermindert.

          Dabei ist das Thema offenbar nicht auf die Vereinigten Staaten beschränkt. Die Analysten der Bank Citigroup erwarten, dass Aktienrückkäufe weltweit eine große Rolle spielen werden in diesem Jahr. „Die ökonomische Logik für eine weitere Aktienverknappung bleibt überzeugend wegen der starken Unternehmensbilanzen und der niedrigen Bewertung vieler Aktienmärkte“, heißt es in einer Studie. Weltweit beläuft sich der Kassenbestand der Unternehmen derzeit auf rund 4,2 Billionen Dollar, was 5 Prozent mehr sei als im vergangenen Jahr, obwohl während derselben Zeit die Ausgaben für neue Maschinen und Gebäude und die Reparatur bestehender Anlagen um rund 10 Prozent zugelegt habe. Das israelische Pharmaunternehmen Teva Pharmaceutical Industries, der größte Generikahersteller der Welt, hat kurz vor Weihnachten angekündigt, Aktienrückkäufe im Volumen von bis zu 3 Milliarden Dollar zu planen.

          „Lieber investieren als zurückkaufen“

          Gleichwohl stellt sich die Frage, warum viele Unternehmen und zumal solche, die große Wachstumspläne haben, Aktienrückkaufprogramme auflegen und durchführen. „Grundsätzlich sollten Unternehmen lieber investieren in neue Ideen als eigene Aktien zurückzukaufen“, sagt etwa Tim Albrecht, Portfoliomanager der Fondsgesellschaft DWS. Neben mangelnden Ideen und niedrigen Bewertungen gibt es seiner Ansicht nach weitere Gründe, warum Rückkaufprogramme dennoch sinnvoll sein können: zum Beispiel, wenn absehbar sei, dass Wandelanleihehalter von ihrem Umtauschrecht Gebrauch machen wollen. Zumindest ein Vorratsbeschluss der Jahreshauptversammlung, Aktienrückkäufe bis zu einem Niveau von 10 Prozent zu ermöglichen, hält Albrecht für brauchbar. Schließlich sei es grundsätzlich gut, dass Aktien knapp gehalten würden. „Denn das sind ja Unternehmensanteile und kein Klopapier.“

          Auch in Deutschland selbst nutzen Unternehmen mitunter Aktienrückkäufe, um Teile der erzielten Gewinne den Anteilseignern zugutekommen zu lassen, wenn auch in geringerem Umfang. Die Deutsche Börse hat Ende des vergangenen Jahres mehr als 100 Millionen Euro dafür ausgegeben und zwischen den Jahren 2005 und 2008 insgesamt beinahe 2 Milliarden Euro. Der Halbleiterhersteller Infineon hat im vergangenen Jahr ein Programm gestartet. Der Stahlkonzern Thyssen Krupp verkaufte im Sommer 2011 knapp 49,5 Millionen eigene Aktien, die das Unternehmen in den Jahren 2006 bis 2008 erworben hatte - zu einem etwas höheren Preis, als sie gekostet hatten.

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