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Rohstoffe : Ölwerte können von Ölpreisanstieg nur bedingt profitieren

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Der Ölpreis erklimmt neue Höhen, denn der Verbrauch nimmt zu. Ölunternehmen können von dieser Entwicklung bisher allerdings nur bedingt profitieren, obwohl sie an sich zum Teil relativ günstig bewertet sind.

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          Die weltweite Ölnachfrage wird in diesem Jahr so stark wachsen wie seit 16 Jahren nicht mehr, prognostiziert die Internationale Energieagentur IEA. Sie begründet ihre Erwartung mit dem anziehenden Wirtschaftswachstum und dem Nachfrageschub aus China. Öl notierte am Mittwoch in London und New York nahe eines 13-Jahres-Hochs.

          Der tägliche Verbrauch von Benzin, Diesel und anderen Brennstoffen wird im Vergleich zum Vorjahr um 1,95 Millionen Barrel auf 80,6 Millionen Barrel steigen, prognostizierte die Agentur. Damit wurde die Prognose von April um weitere 270.000 Barrel heraufgesetzt. Noch im Oktober war die Organisation, die 26 Industrienationen berät, von einem Verbrauch von 1,06 Millionen Barrel ausgegangen. "Alle sehen jetzt schon auf das vierte Quartal und fragen sich, ob genügend Öl da sein wird", sagte Kevin Norrish, Analyst bei Barclays Capital in London. "Ein Preisrückgang ist schwer zu sehen."

          Ölverbrauch nimmt deutlich zu

          In Amerika haben die Benzinpreise neue Rekordhöhen erreicht. Die IEA hat auch die Prognose für das Ölangebot von Produzenten außerhalb der OPEC um 100.000 Barrel auf 50,1 Millionen Barrel gesenkt. Für die Organisation der Erdöl exportierender Staaten bedeutet dies, daß sie noch mehr fördern muß. Der Juni-Kontrakt für Rohöl der Sorte Brent wurde am Mittwochnachmittag an der International Petroleum Exchange in London 0,9 Prozent höher gehandelt bei 37,70 Dollar je Barrel. An der New York Mercantile Exchange hatte er zuvor bei 40,38 Dollar den höchsten Stand seit 13 Jahren erreicht.

          Die OPEC, die mehr als ein Drittel des weltweiten Öls pumpt, hat ihre elf Mitglieder dazu ermutigt, das Angebot hochzufahren, erklärte OPEC-Präsident Purnomo Yusgiantoro am Mittwoch in einer Stellungnahme. Die Ölminister des Kartells werden sich am Rande des Energieforums in Amsterdam ab dem 22. Mai zu einem informellen Treffen zusammenfinden, um über den Preis zu diskutieren, fügte Purnomo hinzu. Saudi-Arabien, der weltgrößte Ölproduzent, ist bereit, nach dem Treffen die Produktion zu erhöhen, führte ein OPEC-Delegierter aus. Am Montag hatte der saudische Ölminister Ali al-Naimi die Organisation dazu aufgefordert, die Förderquote um mindestens 1,5 Millionen Barrel täglich von bislang 23,5 Millionen anzukurbeln.

          Ölunternehmen können bis kaum vom Ölpreis profitieren

          "Bei einem Ölpreis um 40 Dollar je Barrel hat der Markt schon seit einer Weile das Signal ausgesandt, daß mehr Öl benötigt wird", sagte Lawrence Eagles, Analyst bei der IEA und einer der Verfasser des Berichts. Der britische Notenbankgouverneur Mervyn King nannte die weltweite Konjunkturerholung, zu niedrig empfundene Ölvorräte und politische Unsicherheiten als Gründe für den Preisdruck. Die OECD hat die Prognose für das Wirtschaftswachstum in ihren Mitgliedsländern für 2004 von drei Prozent im November auf 3,4 Prozent heraufgesetzt. Allein in China wird die Ölnachfrage dieses Jahr 13,6 Prozent steigen, erwartet die IEA. Das Land hat im vergangenen Jahr Japan als weltweit zweitgrößten Ölverbraucher abgelöst. Hingegen schrumpfen die Lagerbestände. Die Bestände sind in den OECD-Ländern im ersten Quartal per Saldo um 280.000 Barrel pro Tag zurückgegangen, berichtet die IEA.

          Blickt man auf die Ölförderunternehmen (siehe Tabelle), so haben sie sich in den vergangenen zwölf Monaten zum Teil recht gut entwickeln können, allerdings kam es in jüngster Zeit zu zum Teil deutlichen Kurskorrekturen. Und das nicht nur bei Werten wie Yukos und Sibneft, bei denen Sonderfaktoren eine Rolle spielen. Obwohl sie zum Teil recht günstig bewertet sind, scheinen sie vom steigenden Ölpreis zumindest bisher nicht sonderlich profitieren zu können. Aber der Ölpreis ist immer nur eine Seite der Medaille. Die andere ist die, nach den Förder- und Produktionskosten, Reserven und Investitionen. Und die Investitionen dürften mit sinkenden Reserven steigen.

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