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Rohstoffe : Öl aus der Champagne läßt Lundin-Aktie prickeln

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In der Champagne gibt es nicht nur guten Wein, sondern auch Öl. Unternehmen wie Lundin erzielen auf Grund niedriger Kosten und innovativer Bohrtechniken gut Gewinne.

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          Gilbert Michaud steuert seinen Wagen vorbei an der mittelalterlichen Kirche von Bergères-sous- Montmirail in der Champagne, fährt durch ein Feld, auf dem Schafe gemächlich weiden und hält schließlich am Rande eines Weinbergs an. Hier steigt er aus und inspiziert - seine Ölquelle.

          "Das ist meine Vorzeigequelle", erklärt der Gebietsleiter von Lundin Petroleum AB und beobachtet das Auf und Ab des Pumparms. "Sie fördert täglich 190 Barrel Rohöl von bester Qualität und einem sehr geringen Wasseranteil".

          Unternehmen mit starkem Cashflow ...

          Es ist nicht die beschauliche Umgebung, die internationale Erdölgesellschaften nach Frankreich lockt. Steigende Ölpreise, politische Stabilität und niedrige Fördersteuern bieten Unternehmen wie Lundin aus Schweden, Toreador Resources aus Dallas oder Vermilion Energy Trust aus Kanada vielversprechende Gewinnaussichten. Alle drei haben in den vergangenen zwei Jahren französische Ölfelder oder entsprechende Förderrechte erworben.

          Lundin fördert in Indonesien, Tunesien, Iran und im Sudan und eben auch in der Champagne. Im Jahr 2002 erzielte das Stockholmer Unternehmen 37 Prozent vom Umsatz und 51 Prozent des Betriebsgewinns mit der Ausbeutung der französischen Ölfelder. Der Betriebsgewinn belief sich im vergangenen Jahr auf 296 Millionen Schwedische Kronen. In der ersten Hälfte des laufenden Jahres erzielte das Unternehmen einen operativen Cashflow von 321,5 Millionen Euro und einen Nettogewinn von satten 885,3 Millionen Kronen. Auch wenn dabei der Verkauf vom Förderquellen mit einem Gewinnbeitrag von 725 Millionen Kronen im Sudan eine maßgeblich Rolle gespielt hat, so liegt der Gewinn je Aktie damit im ersten Halbjahr bei 3,6 Kronen. Das führt bei einem aktuellen Kurs der Aktie von 16,2 Kronen zu einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von gerade einmal 4,5. An der Börse Stockholm ist der Kurs von Lundin seit Jahresbeginn um 72 Prozent gestiegen und befindet sich in einem Aufwärtstrend.

          ... fördert in Frankreich profitabel Öl

          Daß das Schwarze Gold in Frankreich zum Teil inmitten bukolischer Weinberge zu Tage tritt, ist kein Problem, erläutert Henri Crochet, dessen Familie seit drei Generationen Champagner herstellt. "Die Wurzeln unserer Reben reichen nicht tiefer als zehn Meter in den Erdboden". Das Erdöl aber befindet sich in einer Tiefe von 800 bis 2000 Metern, meist eingelagert in porösen Sandsteinvorkommen. Derzeit gelten Erdölvorkommen von insgesamt 13 Millionen Barrel unter französischem Festland als gesichert. Auf der Suche nach weiteren Vorkommen investierte Lundin vergangenes Jahr zwei Millionen Euro in ein Bohrvorhaben 60 Kilometer östlich von Paris.

          Kommendes Jahr könnten bis zu drei weitere Bohrvorhaben angegangen werden, erklärt Michaud. Die Förderkosten belaufen sich in Frankreich auf 10 bis 20 Dollar je Barrel, erläutert Philippe Nahmias, der den Verband der französischen Erdölproduzenten leitet. Ein bis 2,50 Euro je Barrel gehen als Fördersteuer an den französischen Staat. Ab einem Preis von 18 Dollar amortisiert sich das Geschäft für Lundin, erklärt Michaud und ab einem Preis von 20 Dollar je Barrel kann sein Unternehmen "richtig Gewinn machen".

          Während die kleinen Vorkommen für große Ölgesellschaften relativ uninteressant sind , können die kleineren Unternehmen in die Bresche springen. Denn mit niedrigeren Kosten und innovativen Bohrtechniken, die es erlauben auch horizontal zu bohren, können sie in Frankreich profitabel arbeiten. Auf dieser Basis kann sich die Erfolgsgeschichte fortsetzen und die Aktie attraktiv machen, so lange der Ölpreis nicht zu stark fällt. Das Unternehmen hat keine Schulden und eine starke Liquiditätsposition.

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