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Rohstoffe : Öl-Analysten laufen dem Markt hinterher

  • Aktualisiert am
          2 Min.

          Immer mehr Analysten beugen sich dem seit Monaten hohen Ölpreis und setzen ihre Preisprognosen herauf. Die Aktien der Ölkonzerne zeigen sich in einem unsicheren europäischen Aktienmarkt zwar stabil; doch der starke Preisschub des "schwarzen Goldes" geht an den europäischen Ölaktien seit Februar und an den amerikanischen seit November weitgehend vorbei.

          Möglicherweise zeigt sich an den Aktienkursen, daß die Fachwelt daran zweifelt, daß sich der Ölpreis auf dem gegenwärtig hohen Niveau hält. In den vergangenen drei Monaten stieg der Stoxx-Branchenindex für die europäischen Energieaktien um 1,3 Prozent. Der Ölpreis dagegen legte rund 30 Prozent zu. Zwar passen die Aktienanalysten mit den steigenden Ölpreisen auch ihre Gewinnprognosen für die Ölkonzerne nach oben an. Doch im Schnitt (Ibis) sehen die Analysten in den Jahren 2005 und 2006 einen niedrigeren Gewinnzuwachs für den europäischen Energiesektor als im Jahr 2004. Die Analysten glauben demnach überwiegend, daß die Ölkonzerne bereits in diesem Jahr ihre beste Zeit im laufenden Konjunkturzyklus erleben, und die Börse könnte dies zum Anlaß nehmen, den nachlassenden Aufschwung bereits jetzt vorwegzunehmen.

          Analysten laufen mit Ölpreisprognosen dem Markt hinterher

          Dabei laufen viele Analysten mit ihren Ölpreisprognosen dem Markt immer noch hinterher. So erhöhte Credit Suisse First Boston (CSFB) in diesen Tagen die Prognose für das derzeit laufende Quartal von 33 auf lediglich 38 Dollar für die amerikanische Sorte WTI. Derzeit kostet ein Faß amerikanisches Öl rund 40 Dollar. Für 2005 und 2006 rechnen die Analysten von CSFB sogar unverändert mit 27 Dollar je Faß. Auch bei JP Morgan gibt man sich vorsichtig, obwohl man betont, man liege nach der jüngsten Prognosekorrektur deutlich über den Schätzungen des Gesamtmarktes. JP Morgan rechnet mit einem Preis für das Faß WTI im Jahresdurchschnitt 2004 von 36,3 Dollar (bisher 33,7) und sagt für 2005 einen Preis von 32 Dollar voraus.

          Mit Blick auf die Ölaktien geht JP Morgan davon aus, daß das Kurspotential weitgehend ausgereizt ist. "Wir sehen nahe Risiken für den Sektor", sagen die Analysten Gordon Gray und Jennifer Rowland. Der zuletzt vor allem wegen der politischen Spannung im Nahen Osten gestiegene Ölpreis habe keinen Effekt auf die Aktienkurse gehabt. Ein möglicher Preisabschwung am Ölmarkt indes werde die Aktienkurse der Ölkonzerne vermutlich sehr wohl treffen, warnen sie. Für einen Kauf von Ölaktien sei es nicht der richtige Zeitpunkt. Am aussichtsreichsten seien BP und Eni.

          Viel Spekulation und wenig Nachhaltigkeit?

          Ähnlich äußern sich die Analysten von CSFB. Auch sie glauben, daß viel Spekulation und wenig Nachhaltigkeit im höheren Ölpreis steckt. Zudem verweisen beide Banken auf die hohe Abhängigkeit der Ölaktien von den Zinsen. Sobald Zinserhöhungen anstehen, schneiden in der Regel konjunkturabhängige Wachstumsaktien besser ab als die werthaltigen Ölaktien. Ölaktien zeichnen sich oft durch eine hohe Dividendenrendite aus. Sie federt in schlechten Zeiten Kursrückgänge ab und macht die Ölaktien mit Anleihen vergleichbar. Mit den derzeit steigenden Anleihezinsen verlieren Ölaktien gegenüber Anleihen an Attraktivität.

          Ein Sonderfall ist die Aktie von Royal Dutch. Der niederländisch-britische Konzern hat in den vergangenen Monaten die Bewertung seiner Ölreserven dreimal drastisch verringern müssen. Der Aktienkurs ist auf Jahressicht deutlich hinter den Wettbewerbern zurückgeblieben, ist jedoch wegen der hohen Dividendenrendite von mehr als 4 Prozent stabil. Die technischen Analysten der Commerzbank sehen Royal Dutch als Nachzügler. Sobald der Kurs die Marke von 42 Euro überwindet, sollten Anleger ihrer Ansicht nach investieren.

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