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Rohstoffe : NA-Aktie unter Druck

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Rot ist die Farbe der Norddeutschen Affinerie - aber nicht ihrer Ertragsrechnung Bild: dpa

Die guten Ergebnisse des Kupferherstellers Norddeutsche Affinerie waren nicht nur erwartet worden, sondern werden jetzt durch eine Analystenstudie relativiert. Angesichts der Unruhe um Cumerio und eines verhaltenen Ausblicks sind große Kurssteigerungen derzeit nicht zu erwarten.

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          Es ist schon lange her, dass Kupfer die Anleger in Verzückung versetzte. Etwas länger hielt der Aktienkurs des Herstellers Norddeutsche Affinerie durch, bevor ihn die Gewinnmitnahmen im Zuge der Finanzkrise erst von seinem Allzeithoch bei 34,85 Euro ins Schwanken brachten und dann schließlich in die Tiefe rissen - nur damit er sich in diesem Monat spektakulär erholen konnte.

          Dazu trug zunächst der Übernahmekampf bei, den der Vorstandsvorsitzende Werner Marnette und der schillernde österreichische Investor Mirko Kovats ausfochten, der Marnettes Versuch, den belgischen Produzenten Cumerio zu kaufen, mit einer Sperrminorität blockierte und 15 Prozent an der Norddeutschen Affinerie erwarb.

          Hin und Her um Cumerio

          Als dann Marnette begann, Kovats zu umarmen, geriet er in Konflikt mit dem eigenen Aufsichtsrat , der das Angebot zweier Sitze im Gremium im Gegenzug für das Aktienpaket an Cumerio nicht unterstützte. Und Anfang des Monats erfolgte die Trennung von Marnette und der Affinerie.

          Kurz darauf kündigte das Unternehmen einen Gewinnsprung für das abgelaufene Geschäftsjahr an. Das verfehlte seine Wirkung nicht, denn schließlich war die Frustration der Übernahmephantasien und der Abschied des charismatischen Marnette nicht eben positiv für den Kurs gewesen.

          Der Aktienkurs stieg in der Spitze um 13,5 Prozent auf 27 Euro, nachdem vermeldet wurde, dass das Konzernergebnis vor Steuern um mehr als das Doppelte auf 250 Millionen Euro steigen solle. Dies wäre das beste Ergebnis, das die Norddeutsche Affinerie in ihrer Geschichte erwirtschaftet habe, sagte Vorstand Bernd Drouven und winkte den Aktionären mit einer kräftigen Dividendenerhöhung von 1,05 Euro auf 1,45 Euro je Aktie.

          Gute Zahlen

          Am Mittwoch legte der Kupferhersteller nunmehr die Zahlen auf den Tisch. Demnach hat die Affinerie im abgelaufenen bei einem Umsatzanstieg auf 6,469 (Vorjahr: 5,753) Milliarden Euro ein Betriebsergebnis von 260 Millionen Euro nach 111 Millionen im Vorjahreszeitraum erzielt. Unter dem Strich lag der Gewinn im Berichtszeitraum bei 159 (Vorjahr: 60) Millionen Euro. Das Vorsteuerergebnis betrug, wie bereits vorab berichtet, 251 Millionen Euro.

          „Die NA hat im vergangenen Jahr konsequent Effizienz, Produktivität und Qualität gesteigert. Wir konnten damit überproportional von den anhaltend guten Marktkonditionen und der hohen Kupfernachfrage profitieren. Auch die Trennung von margenschwachen Produkten und die Orientierung hin zu ertragsstärkeren Angeboten hat sich voll ausgezahlt“, sagte der neue NA-Chef Bernd Drouven laut Mitteilung.

          Den kräftigen Ertragssprung begründete die Gesellschaft unter anderem mit hohen Schmelzlöhnen, einer sehr guten Versorgung mit Altkupfer, einer sehr guten Auslastung der Anlagen, der Nutzung von Preiseffekten und auch einem deutlichen Anstieg der Ergebnisbeiträge der Tochtergesellschaften.

          Verhaltener Ausblick

          Indes dämpfte der Vorstand die Erwartungen für das kommende Geschäftsjahr. „Es wird aus heutiger Sicht schwer möglich sein, das herausragende Ergebnisniveau des Geschäftsjahres 2006/07 wieder zu erreichen.“ Dennoch sei auch für das laufende Geschäftsjahr ein „sehr gutes“ Ergebnis zu erwarten.

          Die Affinerie will sich auch künftig auf hochqualitative Anwendungen konzentrieren. Im abgelaufenen Geschäftsjahr hatte der MDax-Konzern aufgrund einer hohen Verfügbarkeit der Anlagen die Konzentratdurchsätze um 7 Prozent auf 1,115 Millionen Tonnen gesteigert. Die
          Produktion von Kupferkathoden kletterte auf 572.000 von zuletzt 551.000 Tonnen, die Gießwalzdraht-Produktion auf 451.000 (Vorjahr 423.000) Tonnen. Bei der Stranggussproduktion blieb die NA dagegen mit 232.000 (266.000) Tonnen unter dem Vorjahresniveau.

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