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Rohstoffe : Goldminenaktien kommen den Goldpreisrekorden nicht hinterher

  • Aktualisiert am

Bild: @StockCharts.com, Goldreport

Während der Goldpreis auch 2011 immer neue Rekorde markiert, bleibt den Indizes der Goldminenaktien ein Vorstoß auf neue Kurshöhen bisher verwehrt. Experten fragen sich, wie das zu interpretieren ist.

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          Erst an diesem Mittwoch ist es dem Edelmetall gelungen, auf ein neues Allzeithoch von fast 1.630 Dollar je Feinunze zu klettern. Getrieben von der ungelösten Schuldenproblematik diesseits und jenseits des Atlantiks hat Gold in diesem Jahr schon fast 16 Prozent an Wert zugelegt.

          Doch während davon Goldminenaktien in der Vergangenheit oft überproportional profitierten, schaffen es die führenden Aktienindizes für Goldproduzenten nicht, nachhaltig in Fahrt zu kommen. Der Arca Gold Bugs-Index der New York Stock Exchange, abgekürzt auch Hui genannt, tritt in 2011 bisher per saldo nur auf der Stelle.

          Allgemeine Risikoaversion macht sich auch bei Goldaktien bemerkbar

          Interessant daran ist auch, dass die Goldminenaktien, die zuvor wochenlang deutlich schlechter liefen, jüngst zwar eine kleine Aufholjagd starteten, dieser Effekt scheint aber schon wieder zu verpuffen, wie die in dieser Woche zumeist verbuchten Kursverluste möglicherweise andeuten. Deutlich ablesen lässt sich das auch an der Gold-Hui-Ratio, welche das Verhältnis von Goldpreis zum Hui-Index wiederspiegelt (siehe Grafiken). Schwäch präsentierten sich zuletzt auch der kanadische TSX-Gold Index und der australische ASX Metals & Mining Index (siehe Grafiken).

          Erklären lässt sich diese Entwicklung vermutlich primär mit der allgemein vorsichtigen Haltung, welche die Marktteilnehmer derzeit gegenüber den Aktienmärkten einnehmen.
          Das passt auch zu der Beobachtung, dass sich in diesem die kleineren Explorer, die noch nicht so etabliert sind und sich teilweise noch auf Hoffnungen stützen, besonders schwer tun bei der Kursentwicklung. Wobei hier aber auch zu bedenken ist, dass viele dieser Unternehmen jüngst auch Kapitalerhöhungen durchgeführt haben.

          Branchenspezifisch kommen zudem negative Meldungen, wie der an diesem Freitag beginnende Streik der Goldminenarbeiter in Südafrika hinzu. Diese fordern eine Lohnerhöhung von 14 Prozent. In Südafrika tätigen Goldproduzenten drohen durch den Streik drastische Einbußen. Außerdem erinnern die Lohnforderungen daran, dass der Sektor allgemein mit steigenden Kosten zu kämpfen hat. Denn es steigen nicht nur die Löhne sondern über steigende Rohstoffpreise auch die sonstigen Betriebskosten. Vor diesem Hintergrund wird immer wieder die Frage aufgeworfen, wie gut es den Goldunternehmen gelingen wird, den damit einhergehenden Margendruck zu kompensieren.

          Goldexperten setzen auf bald nachziehende Goldminenaktien

          Den ersten Quartalsberichten nach zu urteilen, kommen die meisten Goldhersteller mit diesem Effekt derzeit noch ganz gut zurecht. Trotzdem hat sich das in den vergangenen 5 Jahren in der Branche übliche Kurs-Buchwert-Verhältnis von im Schnitt fast 1,5 auf rund 1,0 verringert. Auch unter Berücksichtigung weiterer Bewertungsparameter sieht auch die Bank of America-Merrill Lynch die Goldaktien im Bereich ihrer historischen Tiefstände handeln. Die dortigen Analysten rechnen deshalb mit einer baldigen Aufholjagd.

          Diese Hoffnung hegt auch Markus Rezny, Fondsmanager des Griffin European Opportunities Fund. Im jüngsten Monatsbericht wies er daraufhin hin, dass er damit begonnen habe, Aktien von Goldproduzenten zu kaufen. Zur Begründung verwies er auf das außergewöhnlich hohe Verhältnis von Goldpreisen zu Goldaktien. Das Gros der Goldaktien sei auf einem Niveau wie vor 18 bis 24 Monaten gesunken, als Gold etwa 900 bis 1.000 Dollar pro Feinunze kostete. Diese Hoffnung hegt auch Markus Rezny, Fondsmanager des Griffin European Opportunities Fund.

          Unverdrossen auf das Potenzial von Goldaktien glaubt auch Hannes Huster, Herausgeber des Börsenbriefs Goldreport. Mut schöpft er derzeit auch aus jahreszeitlichen Überlegungen. Denn wie speziell ein Blick auf den Philadelphia Gold and Silver Sector Index zeige, kurz auch XAU genannt, sei es in der Vergangenheit häufig Ende Juli zu einem Ausverkauf gekommen (siehe Grafiken). Jetzt hofft er, dass sich die Geschichte wiederholt und die Kurse in den kommenden Wochen wieder anziehen. „Wenn nur ein paar Fonds und Investoren in Goldminenaktien umschichten, explodiert der Sektor.“ Und erläuternd dazu schiebt Huster noch folgendes nach: „Alle Goldminen im HUI-Index sind weniger wert als die Microsoft-Aktie. Doch man darf nicht vergessen, ohne Minen gibt es auch kein Gold.“

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