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Rohstoffe : Aktie von Alcoa nur bedingt interessant

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Produktion von Profilprodukten bei Alcoa Bild: Alcoa

Mit Kursgewinnen reagierte die Aktie von Alcoa auf die Vorlage der Umsatz- und Ertragszahlen für das vierte Quartal. Der Gewinn ist optisch stark gestiegen, allerdings nur aufgrund von Sondererträgen. Faktisch ist er gefallen.

          Mit Kursgewinnen von bis zu 4,2 Prozent im nachbörslichen Handel reagierte die Aktie des amerikanischen Aluminiumunternehmens Alcoa auf die Vorlage der Umsatz- und Ertragszahlen für das vierte Quartal des vergangenen Geschäftsjahres.

          Tatsächlich sieht zumindest die Gewinnentwicklung optisch günstig aus, konnte er doch im Vergleich mit der Vorjahresperiode um 76 Prozent auf 632 Millionen Dollar oder auf 75 Cents je Aktie gesteigert werden. Allerdings spielte bei dieser Entwicklung ein Sonderertrag aus dem Verkauf der Verpackungssparte in Höhe von 323 Millionen Dollar eine Rolle. Ohne diesen Effekt ist der Gewinn je Aktie im Vergleich mit dem Vorjahr um satte 12,2 Prozent auf 36 Cents gefallen.

          Stagnierender Aluminiumpreis - steigende Kosten

          Das ist zwar etwas mehr, als der Markt befürchtet hatte - die Optimisten werden das natürlich positiv interpretieren -, allerdings im Kern ein deutlicher Rückgang. Nicht nur Gewinn ist zurückgegangen, sondern auch der Umsatz fiel um 2,1 Prozent auf 7,387 Milliarden Dollar zurück. Der Markt geht in den kommenden Quartalen von weiteren Umsatz- und Gewinnrückgängen aus.

          Das dürfte kaum verwundern. Denn erstens fallen die positiven Sondereffekte des laufenden Jahres künftig weg. Zweitens wurde das Unternehmen in den vergangenen Monaten mit stagnierenden Aluminiumpreisen und gleichzeitig deutlich höhere Fracht- und Energiekosten sowie der schwächere Dollar zu schaffen. Alleine im vergangenen Quartal ist der Aluminiumpreis im Vergleich mit der Vorjahresperiode um 4,3 Prozent gefallen. Zuletzt waren an der LME in London 2.492 Dollar nötig, um ein Drei-Monats-Kontrakt für eine Tonne Aluminium erwerben zu können.

          Im Gesamtjahr wurde mit einem Umsatz von 30,7 Milliarden Dollar ein Höchstwert verzeichnet, wie Alcoa weiter meldete. Das Ergebnis aus dem fortgeführten Geschäft stieg um 18,2 Prozent auf 2,6 Milliarden Dollar oder um 19,4 Prozent auf 2,95 Dollar je Aktie. Unternehmensvorstand Alain Belda erwartet im Jahr 2008 eine weitere Ergebnissteigerung. dEr gehe von anziehenden Aluminiumpreisen im Zuge einer höheren Nachfrage in China, Indien und Südamerika aus. Zudem rechne er mit einer Erholung in der Transport- und Luftfahrtbranche - wichtigen Abnehmern von Aluminium.

          Aktie ist vernünftig bewertet

          Diese Art von Optimismus ist natürlich. Anleger sollten sich angesichts der amerikanischen Wachstumsschwäche und angesichts einer möglichen Ausstrahlung auf die Weltwirtschaft fragen, wie realistische solche Aussagen sind. Immerhin zeigte in den vergangenen Monaten der Aluminiumpreis trotz des schwachen Dollars im Gegensatz zu anderen Rohstoffpreisen keine Dynamik nach oben. Auch der Chart der Aktie hat nach Kursverlusten in den vergangenen Monaten deutlich an Attraktivität verloren, nachdem er in der ersten Hälfte des vergangenen Jahres aufgrund haltloser Fusions- und Übernahmespekulationen vorübergehend eine Eigendynamik nach oben entwickelt hatte.

          Solche Gerüchte dürften den Höhepunkt der liquiditätsgetriebenen Phantasien markiert haben. Inzwischen lassen sich Megafusionen und -übernahmen unter anderem aufgrund der anhaltenden Kreditkrise nicht mehr ohne weiteres finanzieren. Mit Kurs-Gewinnverhältnissen von 10,4 und 9,4 auf Basis der Gewinnschätzungen für das laufende und das kommende Geschäftsjahr ist die Aktie vernünftig bewertet. Aufgrund der steigenden Kosten und der verhaltenen Konjunkturaussichten dürfte die Kursphantasie allerdings vorerst eher beschränkt bleiben.

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