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Rohstoffbranche : Anglo American zeigt die Probleme der Rohstofffirmen

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Mit Kursverlusten von bis zu 16 Prozent reagiert am Freitag die Aktie des Bergbaukonzern Anglo American auf schwache Unternehmenszahlen, die Streichung der Dividende und nicht zuletzt auch auf den starken Abbau von Arbeitsplätzen.

          Mit Kursverlusten von bis zu 16 Prozent reagiert am Freitag die Aktie des angelsächsischen und des weltweit drittgrößte Bergbaukonzern Anglo American auf schwache Unternehmenszahlen, die Streichung der Dividende und nicht zuletzt auch auf den starken Abbau von Arbeitsplätzen.

          Das Unternehmen streicht wegen der Wirtschaftskrise und einer sinkenden Rohstoff-Nachfrage 19 000 Jobs. Zu den bereits 10 000 angekündigten wegfallenden Stellen sollen weitere 9.000 hinzukommen, wie das Unternehmen mit Sitz in London und Johannesburg am Freitag mitteilte.

          Nachfragerückggang lässt die Gewinne deutlich schrumpfen

          Die Gewinne des Konzerns waren im Jahr 2008 wegen des Nachfragerückgangs im zweiten Halbjahr um 29 Prozent auf 5,2 Milliarden amerikanische Dollar oder umgerechnet etwa 4,1 Milliarden Euro eingebrochen. Die Zahlung von Dividenden müsse solange ausgesetzt werden, bis sich der Markt wieder erholt habe.

          Betroffen vom Arbeitsplatzabbau sind vor allem Konzernteile in Südafrika, Südamerika und Australien. Das Unternehmen beschäftigt rund 200 000 Mitarbeiter. Zuvor hatten schon die Bergbaukonzerne Rio Tinto und BHP Billiton den Abbau von Arbeitsplätzen angekündigt. Solche Ankündigungen und solche Zahlen zeigen zusammen mit den dramatischen Kursverlusten der Aktien, in welcher Lage sich die Rohstoffunternehmen inzwischen befinden.

          Die Papiere von Anglo American haben seit Mai des vergangenen Jahres 72 Prozent ihres Wertes verloren auf zuletzt 1.054 Pence. Sie drohen nicht nur aus der der Konsolidierungsbewegung der vergangenen Wochen nach unten auszubrechen, sondern auch unter die in den Jahren 2003 und 2004 etablierte technische Unterstützungsmarke zu fallen. Bei den anderen bekannten Werten der Branche sieht es nicht besser aus.

          Die Aktien von Norilsk Nickel haben auf Sicht eines Jahres 83 Prozent ihres Wertes verloren, die Papiere von Xstrata 81 Prozent, die Aktien Rio Tinto 64 Prozent, die Aktien von Eurasian Natural 62 Prozent und die Aktien von Antofagasta knapp 43 Prozent. Selbst die Papiere des südamerikanischen Minenkonzerns VDRC liegen knapp 38 Prozent unter ihrem Vorjahreswert.

          Anglo American, der größte Platinförderer weltweit, konnte im vergangenen Geschäftsjahr zwar noch einen vergleichsweise hohen Gewinn von 4,36 Dollar je Aktie erzielen. Das ist allerdings weniger als das, was der Markt erwartet hatte. Die Tatsache, dass es zur ersten Dividendenstreichung seit dem zweiten Weltkrieg gekommen sei, spreche für sich, erklären Marktteilnehmer. Angesichts der schrecklichen Marktverhältnisse, die sich im laufenden Jahre deutlich in der Ergebnisentwicklung bemerkbar machen werde, sei diese Maßnahme unvermeidlich gewesen, erklärte Vorstandschefin Cynthia Carroll. Nur so ließe sich eine Kapitalerhöhung mit entsprechenden Verwässerungseffekten vermeiden.

          Verhaltene Aussichten im Rohstoffbereich

          Carroll geht davon aus, dass die Rohstoffpreise sich im laufenden Jahr allenfalls schwach entwickeln werden. Die Stärke und die Breite des wirtschaftlichen Abschwungs weltweit sowie der negative Einfluss auf das Wachstum von Schlüsselbranchen und -ländern könne nicht überbetont werden, sagte sie weiter.

          Insgesamt haben Energie- und Rohstoffunternehmen in den vergangenen Jahren im Rahmen des zunächst scheinbar nicht enden wollenden Booms stark investiert und sich dabei deutlich verschuldet. Nachdem in den vergangenen Monaten Preise und Nachfrage in sich zusammengefallen sind und sich die Finanzierungsbedingungen deutlich verschlechtert haben, stehen viele dieser Unternehmen mit dem Rücken zur Wand. Anglo American ist jedoch mit einem Gearing - Verhältnis von Schulden zu Eigenkapital - von knapp 37 Prozent deutlich besser positioniert als etwa Rio Tinto mit einem Gearing von 189 Prozent.

          Mit Kurs-Gewinnverhältnissen von sieben und acht auf Basis deutlich reduzierter Gewinnschätzungen für das laufende Jahr scheinen die Aktie von Rio Tinto und Anglo American inzwischen zwar sehr günstig zu sein. Angesichts hoher Kosten und selbst im optimistischen Falle nur verhaltener Wachstumsaussichten weltweit wird sich erst noch zeigen müssen, ob die Unternehmen der Branche in der Lage sein werden, selbst die gesenkten Gewinnerwartungen zu erfüllen. Angesichts der labilen Lage dürften Anleger ihr Augenmerk auf die gering verschuldeten Unternehmen legen. Wagemutig getätigte Aktienkäufe werden sie mit einiger Wahrscheinlichkeit mit regelmäßig gepflegten Absicherungsstrategien kombinieren.

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