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Rocket Internet : Zalando-Großaktionäre gehen an die Börse

  • Aktualisiert am

Rocket Haifisch Bild: dpa

Die Brüder Samwer wollen ihre Holding Rocket Internet tatsächlich an die Börse bringen. Das soll der Holding der Zalando-Großaktionäre 750 Millionen Euro einbringen.

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          Zalando-Werbung polarisiert. Viele finden sie nervig. Aber sie ist offenkundig wirksam. Der Mode-Händler ist sehr erfolgreich und strebt an die Börse. Der Erfolg trägt auch seine Eigentümer mit: Rocket Internet, die Holding der Zalando-Großaktionäre Samwer, will auch aufs Parkett. Davon ging zwar jeder schon seit einigen Wochen aus, doch nun hat sich das Unternehmen festgelegt.

          Die Erstnotiz sei noch für dieses Jahr geplant, teilten die Berliner am Mittwoch mit. Das von den Brüdern Oliver, Marc und Alexander Samwer gegründete Unternehmen will dabei rund 750 Millionen Euro erlösen, die vor allem in die Auslandsexpansion gesteckt werden sollen. Im Blick hat der Konzern Märkte außerhalb der Vereinigten Staaten und Chinas.

          Das Angebot geht einher mit einer Kapitalerhöhung, die bisherigen Anteilseigner wollen sich nicht von ihren Anteilen trennen. Nach zuletzt kolportierten Zahlen halten die Brüder Samwer etwas mehr als die Hälfte an Rocket Internet. Zweitgrößter Aktionär ist der schwedische Finanzinvestor Kinnevik. Zusammen genommen halten die beiden auch die Mehrheit an Zalando. An Rocket Internet sind zudem noch der Internet-Konzern United Internet, die Telefongesellschaft der Philippinen, PLDT, der amerikanische Investor Len Blavatnik und der Risikofinanzierer Holtzbrinck Ventures beteiligt.

          Geben die Samwers die Mehrheit ab?

          Mit dem Börsengang könnte die Mehrheit der Samwers weiter schrumpfen. 750 Millionen Euro will Rocket Internet einnehmen. Geht man von der jüngst kolportierten Bewertung des Unternehmens mit 5 Milliarden Euro aus, könnten der Anteil der Samwer-Holding Global Founders Fund sogar unter die Marke von 50 Prozent fallen. Das würde zum bisherigen Vorgehen der Brüder passen, die immer wieder Unternehmen gründeten und sich von ihnen trennten, sobald sie diese hinlänglich erfolgreich gemacht hatten. Auch Rocket Internet hat Startups wie am Fließband organisiert. Aktuell sind unter dem Rocket-Dach über 50 Firmen in verschiedenen Weltregionen aktiv.

          Der Schwerpunkt liegt dabei auf dem Online-Handel. So ist etwa Zalora eine Art Zalando für Asien und Dafiti setzte dieses Konzept in Südamerika um. Das Online-Kaufhaus Lazada macht der weltweiten Nummer eins Amazon auf den Philippinen Konkurrenz, das Rocket-Unternehmen Jumia tut dies in Afrika. Insgesamt arbeiten in den Firmen nach Rocket-Angaben über 20.000 Menschen in 100 Ländern.

          Ganz so weit scheint es allerdings noch nicht zu sein: „Der Börsengang ist der nächste logische Schritt auf dem Weg zu unserem erklärten Ziel, die weltweit führende Internet-Plattform außerhalb der Vereinigten Staaten und Chinas zu werden“, sagt Oliver Samwer. Dafür benötigt man im übrigen auch nicht mehr als 50 Prozent an der Holding.

          Ob sich die Aktie lohnen wird, ist eine Frage, die derzeit noch nicht zu beantworten ist. Ein Prospekt ist noch nicht veröffentlicht, Zahlen wurden bislang nicht wirklich flächendeckend veröffentlicht. Laut einem Bericht des Branchendienstes „Exciting Commerce“ machte Rocket Internet im vergangenen Jahr ohne Zalando gut 700 Millionen Euro Umsatz, wobei gut 200 Millionen Euro auf die Möbelhändler Westwing und Home24 entfallen sollen.

          Zalando mit 1,76 Milliarden Euro Umsatz im vergangenen Jahr gehört allerdings nicht mehr zu Rocket Internet. Man wird also den Prospekt abwarten müssen, um mehr über die Werthaltigkeit der Beteiligungen zu erfahren. Indes dürfte die Referenz Zalando und der Name der Brüder Samwer dafür sorgen, dass der Börsengang ein Erfolg wird. Diese halten allerdings den Ball flach. Zum einen ist die Notierung im wenig regulierten Entry Standard der Frankfurter Börse geplant, erst innerhalb der kommenden zwei Jahre will man in stärker regulierende Marktsegmente aufsteigen. Und ein Ausstiegstürchen halten sich die Eigner offen: „Das Angebot, falls weiterverfolgt“ heißt es in der heutigen Unternehmensmeldung.

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