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Rekordstände : Wall Street fürchtet eine spekulative Blase

  • -Aktualisiert am

Börse in New York: Angst vor einer Blase Bild: REUTERS

Die Luft für Kursgewinne wird angesichts der Rekordstände dünner. Aber bis zu einem Rückschlag könnte es noch einige Zeit dauern, glauben selbst Pessimisten.

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          An der Wall Street wächst angesichts immer neuer Rekorde der großen Marktbarometer die Angst vor einem Rückschlag. Das Wort von der spekulativen Blase macht vermehrt die Runde, auch wenn sich kaum ein Marktbeobachter auf diesen Begriff festlegen will. Zuletzt schürte der amerikanische Ökonom und Nobelpreisträger Robert Shiller die Sorgen vor einer möglichen Überbewertung der Kurse, was im Fall eines schweren Rückschlags eine Bedrohung für das Finanzsystem darstellen könnte.

          Norbert Kuls

          Freier Autor in der Wirtschaft.

          „Der Boom am Aktienmarkt in den Vereinigten Staaten macht mir am meisten Sorgen. Auch weil unsere Wirtschaft noch immer schwach und anfällig ist“, sagte Shiller dem Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“, dessen Kernaussagen auch an der Wall Street verbreitet wurden. Die amerikanischen Börsen eröffneten am Montag dennoch mit nur minimalen Kursverlusten. Shiller ist bekannt dafür, dass er mehrere Finanzkrisen vorhergesehen hat, zuletzt die von Spekulationen am amerikanischen Häusermarkt ausgelöste Krise vor fünf Jahren. Der Ökonom scheut allerdings davor zurück, den nächsten Weltuntergang zu prognostizieren. „Es ist schwierig vorherzusagen, ob und wann eine Blase entsteht – und wann sie platzt“, sagte Shiller. In einem am Wochenende erschienenen Interview mit dem amerikanischen Fachmagazin „Barrons“ unterstellte Shiller amerikanischen Aktien trotz hoher Bewertung sogar noch ein gewisses Gewinnpotential.

          Die Zahl unprofitabler Börsendebütanten ist gestiegen

          Nach Berechnungen von Shiller sind die Aktien gemessen am Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) vergleichsweise teuer. Shiller nutzt die selbstentwickelte Kennzahl „Cape“, die den Aktienkurs eines Unternehmens ins Verhältnis zu dessen Gewinnen in den vergangenen zehn Jahren setzt. „Das derzeitige KGV von 25 liegt ziemlich über dem Durchschnitt, der bei rund 16 liegt. Es liegt aber nicht so weit über dem Durchschnitt, dass ich Aktien als Anlage für untauglich erklären würde“, sagte Shiller. Erst bei einem Cape-Wert von 28 würden Aktien unattraktiv werden. Im Jahr 2000, kurz bevor die spekulative Blase der Internetaktien in Amerika platzte, hatte dieser Wert bei 44 gelegen. Viele Internetunternehmen waren damals an die Börse gegangen, ohne je einen Cent Gewinn gemacht zu haben. Zuletzt war an der Wall Street die Zahl unprofitabler Börsendebütanten wieder gestiegen. Unter anderem war der Kurznachrichtendienst Twitter auf großes Interesse von Anleger gestoßen, obwohl es noch keine Aussichten auf baldige Gewinne gibt.

          S&P-500-Index seit 28. Dezember 2012

          Alan Greenspan, der ehemalige amerikanische Notenbankchef, hat in einem Fernsehinterview kürzlich Befürchtungen widersprochen, es könne sich bei der seit mehreren Jahren andauernden Hausse der amerikanischen Aktien um eine spekulative Blase handeln. „Es könnte so ausgehen, aber zu diesem Zeitpunkt sehe ich das nicht“, sagte Greenspan. Greenspan hatte im Jahr 1996 angesichts damals schon kräftig gestiegener Aktienkurse von „irrationalem Überschwang“ gesprochen – vier Jahre vor dem Ende der Hausse.

          Mehrfach neue Rekordstände

          Selbst Pessimisten an der Wall Street scheinen zu glauben, dass die von extrem niedrigen Zinsen befeuerte Hausse noch weiteres Kurspotential birgt. So warnt der Aktienmarktstratege der japanischen Bank Nomura, Bob Janjuah, zwar vor möglichen Kursverlusten zwischen 25 Prozent und 50 Prozent an den weltweiten Aktienmärkten. Er erwartet einen Rückschlag allerdings erst vom vierten Quartal des kommenden Jahres an.

          Die bekannten Aktienindizes Dow Jones und S&P 500 haben in diesem Jahr mehrfach neue Rekordstände erreicht. Der technologielastige Index der amerikanischen Börse Nasdaq hatte in der vergangenen Woche erstmals seit 13 Jahren wieder auf mehr als 4000 Punkten geschlossen. Damit war das Marktbarometer immer noch gut 20 Prozent von seinem Rekordhoch aus dem Jahr 2000 entfernt.

          Der Kursaufschwung von Internet- und Technologieaktien in den neunziger Jahren gilt als ein Lehrstück für spekulative Exzesse an Börsen, die in schweren Baissephasen enden. Der Nasdaq Composite, der alle an der Börse notierten 2476 Unternehmen abbildet, steht aber auf einem ausgeglicheneren Fundament als noch vor 13 Jahren. Das Gewicht klassischer Technologieaktien hat in den vergangenen Jahren abgenommen. Der Index erzielte am 10. März 2000 seinen bis heute gültigen Rekord von 5048,62 Punkten. Dann platzte die Internetblase, und das Marktbarometer fiel bis Oktober 2002 auf 1114 Punkte.

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