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Rekordhoch : Dow Jones steigt erstmals über 20.000 Punkte

Die Händler an der New Yorker Börse haben zu tun. Bild: Reuters

Der Aktienindex Dow Jones hat nach zähem Ringen die Marke von 20.000 Punkten überwunden. Dass er den Sprung schaffte, liegt auch an Donald Trumps ersten Amtshandlungen.

          3 Min.

          Es war ein zähes Ringen, aber am Ende gab die Marke nach. Der älteste Aktienindex der Welt, der amerikanische Dow Jones, hat die Marke von 20.000 Punkten überstiegen. Es ist sechs Wochen her, dass der Index mit 19.911 Punkten schloss und damit erstmals auf weniger als ein Prozent an die 20.000er-Marke herangerückt war.

          Martin Hock

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Marktbeobachter hatten das Erreichen der Rekordschwelle bereits erwartet. Der Dow hatte noch nie in seiner mehr als 130-jährigen Geschichte über 20.000 Zählern gestanden, zuletzt aber immer wieder an dieser Marke gekratzt. Nachdem in den vergangenen Wochen noch große Unsicherheit über die wirtschaftspolitische Richtung Trumps geherrscht hatte, überwand der Index die Marke dann doch.

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          Das Augenmerk der Investoren fällt dabei vor allem auf die in Aussiche gestellten niedrigeren Unternehmensssteuern, die höhere Gewinne und damit Ausschüttungen und Kursgewinne versprechen.

          Zudem werden die Ausgabenpläne positiv betrachtet. Ein Mauerbau Richtung Mexiko beflügelt die Kurse der Bauzulieferer. Die Wiederaufnahme der umstrittenen Öl-Pipeline-Projekte, die Obama gestoppt hatte, die Kurse der Ölaktien.

          Das führt im allgemeinen zu einem Konjunkturoptimismus. Ob dieser dauerhaft berechtigt ist, daran kann aber gezweifelt werden. Denn niedrigere Unterrnehmenssteuern kommen vor allem Unternehmern und Aktionären zugute, weniger aber der breiten Masse der Verbraucher.

          Hier zeigt sich die Börse einmal mehr wenig weitblickend. Über den kurzfristigen Impuls geraten derzeit die möglichen negativen Folgen seiner protektionistischen Politik wie der Ausstieg aus dem transpazifischen Freihandelsabkommen TPP in den Hintergrund.

          Allzumal die Börse auch mal wieder mit der Berichtssaison beschäftigt ist und die bisher positiv aufgenommen wird. Mit dem Luft- und Raumfahrtkonzern Boeing stützte etwa ein  Schwergewicht die Entwicklung des Dow Jones. Der Aktienkurs des Flugzeugbauers stiegen um etwa 1,5 Prozent, nachdem der Jahresgewinn höher ausgefallen war als gedacht.

          Donald Trump selbst reagierte direkt mit Jubel auf Twitter:

          Der Dow Jones hatte sich in seiner Geschichte eher selten schwer getan, wenn es um eine runde Marke ging. 21 dieser runden Indexstände hat er seit 1906 übersprungen, in der Hälfte der Fälle vergingen von Annäherung bis Eroberung weniger als zehn Tage; der mittlere Wert (Median) sind neun Tage. Besonders en passant nahm er neben den 2000, 7000 und 11.000 Punkten (1987, 1997 und 1999) auch seine erste runde Marke: 100 Punkte im Jahr 1906.

          Vor allem drei Marken bleiben hingegen mit langen Kämpfen im Gedächtnis: Von Juli 1990 bis April 1991 dauerte es, die 3000 Zähler zu übertreffen. Mehr als ein Jahr ging es zwischen November 1995 und 1996 um die magische Marke von 5000 Stellen. Und ganz besonders lange brauchte der Dow um vierstellig zu werden. Nachdem er im Januar 1966 mit 994,2 Punkten schon in Sichtweise geschlossen hatte, mussten sich die Anleger bis zum November 1972 gedulden, um endlich vier Ziffern zu sehen: 1003,16 Punkte. Es scheint: Je runder die Marke, desto schwerer der Kampf.

          Die Herrlichkeit hielt damals ganze zwei Monate, im Dezember 1974 hatte der Dow nur noch 574 Zähler und die 1000 sahen die Aktienanleger erst im März 1976 wieder: Drei Jahre und vier Monate nach dem ersten Versuch. Bei den 10.000 Punkten machte es der Dow etwas besser: Er schaffte noch die 11.700 und hielt das Niveau – wenn auch mühsam – mehr als zwei Jahre lang bis zum Mai 2001. Dann kam ein Durchhänger bis 2004.

          Und heute? Kann der Dow das Niveau halten? Und wenn ja, wie lange? Nachdem die Märkte den unerfahrenen und unberechenbaren Trump zunächst fürchteten, entschieden sie später, ihn positiv zu sehen. Nun, um in Aktien zu investieren, braucht man Optimismus, und entweder hat man ihn zurecht oder der Wunsch ist Vater des Gedankens. Das ändert aber nichts daran, dass Hoffnungen und Erwartungen die Aktienkurse erst einmal steigen lassen.

          Dow Jones

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          An Trump knüpfen sich bislang Hoffnungen, die den Akteinmarkt eher positiv beeinflussen. Jetzt wird mit Spannung, aber nicht mehr mit Sorge erwartet, was er konkret ankündigen wird. Eine Liste mit Infrastrukturprojekten wurde am Dienstag bekannt. Wenn die Märkte zu dem Schluss kommen sollten, dass Trump nicht gut für die Börse ist oder ihr nicht die von einem kurzfristigen protektionistisch ausgerichteten Konjunkturprogramm erwarteten Impulse verleiht, könnten die Anleger mit Enttäuschung reagieren.

          S&P 500

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