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Aktienmarkt : Dax-Unternehmen zahlen Rekorddividenden

Eine Dividendenstrategie in der Aktienanlage zu verfolgen erfreut sich hierzulande hoher Beliebtheit. Der DWS Top Dividende ist nach weiteren hohen Zuflüssen seit Jahresanfang mit einem Fondsvermögen von rund 15 Milliarden Euro nun nicht mehr nur der mit Abstand größte Aktienfonds in Deutschland. Er übertrifft auch die großen offenen Immobilienfonds Deka Immobilien Europa sowie Uni Immo Europa und Uni Immo Deutschland deutlich.

Im November hat er 365 Millionen Euro an seine Anteilseigner ausgeschüttet und damit mehr als je zuvor. 3 Euro gab es je Anteilsschein. Seit der Auflegung des Fonds vor 13 Jahren beträgt die jährliche Ausschüttungsrendite 3,6 Prozent. Die Gesamtrendite beträgt seit Auflegung sogar 10 Prozent im Jahr. Allerdings war der Startzeitpunkt im Frühjahr 2003 auch sehr günstig. Aber auch die Zehnjahresrendite – und damit die Betrachtung eines weniger günstigen Zeitraums – ist mit 7 Prozent im Jahr ordentlich. Der Fonds verfolgt eine globale Strategie. Größter deutscher Wert ist derzeit die Allianz. International liegt der japanische Telefonkonzern Nippon vorne, gefolgt vom amerikanischen Telekommunikationskonzern Verizon und dem IT-Konzern Cisco. Roche und Nestlé sind große europäische Werte im Fonds, der 5 Prozent Ausgabeaufschlag verlangt und 1,5 Prozent jährliche Verwaltungsgebühr.

Ein Zeichen der Stärke

Wer sich angesichts dieser Kosten doch lieber selbst nach Einzelwerten umschaut, der sollte nach Ansicht von Andreas Hürkamp, leitendem Aktienstrategen der Commerzbank, den aktuellen Trend der Gewinnschätzungen im Auge behalten. „Wir setzen auf Unternehmen, die wenigstens 2,5 Prozent Dividendenrendite aufweisen und einen steigenden Gewinntrend haben.“ Dies seien derzeit vor allem Unternehmen, die von der hohen Konsumbereitschaft profitieren. „Wir sehen steigende Gewinntrends bei Unternehmen aus den Branchen Auto, Telekommunikation und Konsum“, sagt Hürkamp. „Das Geldmengenwachstum auch im Euroraum ist derzeit sehr hoch, und das viele Geld führt zu höheren Konsumausgaben.“

Generell bleibe das Marktumfeld aber schwierig. „23 der 30 Dax-Werte leiden unter sinkenden Gewinnerwartungen, das sind vor allem Unternehmen, die von den fallenden Rohstoffpreisen negativ betroffen sind, und die Banken“, sagt der Aktienstratege. „Das wird sich im zweiten Quartal fortsetzen, weswegen wir den Dax erst in der zweiten Jahreshälfte, gestützt von dem starken Konsum, wieder auf 11000 Punkte steigen sehen.“

Neben den in diesem gesamtwirtschaftlichen Umfeld bemerkenswerten Dividendenerhöhungen sieht Hürkamp auch in den zunehmenden Aktienrückkäufen eigener Aktien, wie sie nun die Deutsche Post bekanntgab, Siemens wiederaufnimmt, die Munich Re und Adidas fortführen und die Allianz darüber nachdenkt, ein Zeichen der Stärke.

2000 Milliarden im Besitz deutscher Haushalte

In Amerika übertreffen diese Käufe unternehmenseigener Aktien traditionell sogar die Dividendenhöhe. Gleichwohl spielen dort Dividendenstrategien seit jeher auch eine große Rolle. Für die in Amerika weit bedeutsameren Pensionskassen und Stiftungen sind regelmäßige Ausschüttungen von hoher Bedeutung. Unternehmen, die seit vielen Jahren jedes Jahr die Dividende erhöhen, werden als Dividenden-Aristokraten geschätzt. Dazu gehören zum Beispiel Coca-Cola, McDonald’s oder Procter & Gamble.

Die verlässlichsten Dividendenerhöher hierzulande sind Fresenius und Fresenius Medical Care (FMC). Angesichts der guten Kursentwicklung der vergangenen Jahre bleibt die Dividendenrendite mit rund 1 Prozent jedoch weit unter dem Dax-Durchschnitt. Auch sehr treue Erhöher wie Bayer und Linde werden von Dividendenstrategen wegen der höheren Rendite daher mehr geschätzt.

Doch noch so hohe Dividendenrenditen werden es kaum schaffen, die Deutschen zu einer anderen Anlagestrategie zu bewegen. Im größten Fonds des Landes liegen zwar stolze 15 Milliarden Euro. 2 Billionen Euro hingegen, also 2000 Milliarden, halten die Deutschen laut Bundesbank in Bargeld oder haben es auf kaum oder nicht verzinsten Konten liegen.

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