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Wackelige Trump-Rally : Rekord im Dow, Nasdaq unter Druck

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Die Stimmung am Tag nach der Trump-Wahl war an der Wall Street bestens. Bild: Reuters

Ein Tag nach der Wahl von Donald Trump zum amerikanischen Präsidenten hat der Dow-Jones-Index in New York ein Rekordhoch verzeichnet. Doch Technologiewerte stehen unter Druck.

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          Einen Tag nach dem Sieg von Donald Trump bei der amerikanischen Präsidentenwahl setzt die Wall Street weiter auf einen Konjunkturschub durch die künftige Politik des Milliardärs. Trumps Ankündigungen wie Steuersenkungen, Deregulierung der Banken und höhere Ausgaben für Verteidigung und Infrastruktur werteten die Investoren positiv. Seine Wirtschaftspläne werden zumindest kurzfristig als belebend empfunden.

          Der Dow-Jones-Index der Standardwerte notiert kurz nach Handelseröffnung ein Prozent im Plus auf einem Rekordhoch von 18.768,39 Punkten. Auch der mit 500 Werten den Markt in seiner Breite erfassende S&P-500 legte deutlich zu.

          Dow Jones

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          Auch am Mittwoch hatten die Finanzmärkte den Sieg von Trump schneller verdaut als erwartet. Positiv wurde auch gewertet, dass die Republikaner die Mehrheit in beiden Kongresskammern behaupteten.

          Vor allem aber setzen einige Börsianer darauf, dass Trump seine umstrittenen Wahlkampfankündigungen nicht in dieser Form wird umsetzen können, weil ihn der republikanisch dominierte Kongress ausbremsen würde. Insofern hat man sich auf ein mehr oder weniger klassisch-republikanische Politik eingestellt. Diese ist unternehmerfreundlich und das wird von Wall Street stets bevorzugt.

          Allerdings sind die Trends nicht sehr stabil. Dies zeigt auch, dass die erwarteten Turbulenzen im Fall von Trumps Sieg eingetreten sind - nur in andere Form, nämlich nicht als Kurssturz, sondern in Form erratischer Bewegungen, bei denen Muster und Trends schwer erkannbar und nicht von Dauer sind.

          Grund ist die Verunsicherung: Kursgewinne werden häufig zu kurzfristigen Spekulationen und später zu Gewinnmitnahmen genutzt.

          Der Dow Jones kam auch von seinem anfänglichen Rekordhoch rasch zurück, blieb aber auf einem Rekordniveau. Diesem kam er im späteren Handelsverlauf wieder nahe. Noch volatiler ist der marktbreite S&P-500. Dieser hatte sich zunächst seinem Rekordhoch von 2190 Punkten bis auf acht Stellen genähert. Mittlerweile pendelt der Index um seinen Vortagesschlusstand.ei 2160 Zählern im Minus.

          Zu den großen Gewinnern gehörten zunächst Aktien von Pharma- und Biotechunternehmen. Diese waren seit dem vergangenen Sommer unter Druck, da Hillary Clinton eine Begrenzung der Medikamentenpreise angekündigt hatte. Doch auch deren gewinne schmolzen zwischenzeitlich ab, bevor eine neue Kaufwelle einsetzte.

          Ein hohes Kursplus gab es zudem anfänglich auch bei Aktien aus der Rüstungsindustrie wie Lockheed Martin oder Northrop Grumman. Trump hat eine Aufstockung der Militärausgaben angekündigt.

          Dagegen rutschten die Technologieaktien deutlich ins Minus. Amazon geben aktuell fünf Prozent nach, Facebook und Alphabet vier Prozent, Apple drei. Der Index der Technologiebörse Nasdaq sinkt um 1,3 Prozent auf 5182 Stellen. Auch dieser hatte ursprünglich höher begonnen und bei 5302 Zählern ein Prozent im Plus gelegen.

          „Silicon Valley war gegen Trump", stellt Vrbsky fest. Dass sich Trump auch nicht gerade als Freund der Tech-Unternehmen gezeigt hat, schürt nun Sorgen um deren künftige Entwicklung. Tech-Unternehmen, die vor allem im Ausland produzieren, etwa Apple hat Trump im Visier. In Bezug auf Amazon hat er bereits angekündigt, gegen dessen Vormachtstellung angehen zu wollen.

          S&P 500

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          In Deutschland sind die Aktienkurse am Donnerstag in den negativen Bereich gerutscht. Der marktbreite F.A.Z.-Index gab  0,7 Prozent auf  2107 Zähler nach. Das Minus des Dax' fiel, getrieben von den Auslandsbörsen, mit 0,15 Prozent und 10.630 Punkten geringer aus. Der Standardwerteindex war im Tagesverlauf sogar der Marke von 10.800 Punkten nahegekommen, die sich allerdings bereits im August und Oktober als hartnäckiger Widerstand erwiesen hatte.

          F.A.Z.-Index

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          Die Diskrepanz zum F.A.Z.-Index zeigt die deutlichen Abschläge bei kleineren Werten und Technologieaktien. Der Aktienkurs der Norma Group fällt um zehn Prozent, nachdem der Autozulieferers sein Umsatzziel gesenkt hat. Auch Nordex stehen nach einer Prognosesenkung tief im Minus. Die Aussicht auf steigende Zinsen in den Vereinigten Staaten bringt Deutsche Wohnen und andere Immobilienwerte unter Druck. Ein schwächeres Umsatzwachstum macht die Anleger von Zalando nervös. Der Aktienkurs fällt um mehr als sechs Prozent.

          Überzeugende Gründe für den Negativtrend sind nicht auszumachen. Bisweilen wird der Kursrutsch der amerikanischen Technologiewerte herangezogen, doch überzeugt dies angesichts der Branchenverteilung nicht.

          Viel eher ist davon auszugehen, dass die Wahl Trumps in Deutschland deutlich negativer gesehen wird als in den Vereinigten Staaten. Das hat zumindest insofern seine Berechtigung als die protektinistischen und „America first“-Tendenzen des neuen Präsidenten zulasten der europäischen Handelspartner und damit auch der Exportnation Deutschland gehen könnten.

          Indes verfängt auch dieses Argument angesichts der zehn größten Verlierer im FAZ-Index nur teilweise. So kann man es zwar für Adidas oder Symrise gelten lassen, nicht aber für Drillisch, Ströer oder Zalando.

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