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Neuemissionen von Aktien : Rekord bei Börsengängen

Bronzeskulpturen von Bulle und Bär vor der Frankfurter Börse Bild: Amadeus Waldner

Seit zehn Jahren gab es nicht mehr so viele Debüts an der Börse wie derzeit. Dazu trägt besonders ein Boom in China bei – doch das ist nicht der einzige Grund.

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          Vor allem ein Boom in China hat den Markt für Börsengänge auf der ganzen Welt auf ein mehrjähriges Hoch getrieben. Dabei hat sich die Zahl der Neuemissionen von Aktien im ersten Quartal fast verdoppelt – sie stieg um mehr als 90 Prozent auf 369 Börsengänger. Zudem hat das Volumen von 13,7 Milliarden Dollar um rund 150 Prozent auf 33,7 Milliarden Dollar zugelegt. Dies hat das Beratungsunternehmen EY errechnet. Bezogen auf die Zahl der Börsendebüts, seien die ersten drei Monate dieses Jahres damit die aktivsten seit dem Jahr 2007 gewesen, als insgesamt 399 Börsengänge gezählt worden seien.

          Kerstin Papon

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Dominiert wird das Geschehen am Markt für Börsengänge auf der ganzen Welt weiterhin von China. Insgesamt haben die chinesischen Börsen einschließlich Hongkong nach den Daten von EY im ersten Quartal 182 Transaktionen verzeichnet, nach 43 im entsprechenden Zeitraum des Vorjahres. Das Volumen sei parallel dazu von 5,7 auf 12,4 Milliarden Dollar gestiegen. Damit habe nahezu die Hälfte aller Börsengänge auf der Welt im Reich der Mitte stattgefunden, wobei dort ein gutes Drittel des gesamten Emissionsvolumens eingesammelt worden sei.

          Der bislang größte Börsengang des Jahres fand dagegen in den Vereinigten Staaten statt und verhalf auch diesem Land zu einem guten Start in das Börsengangsjahr. Anfang März gab dort das soziale Netzwerk Snap mit einem Volumen von rund 3,9 Milliarden Dollar sein sehr erfolgreiches Börsendebüt. Gleich am ersten Handelstag sprang der Aktienkurs um 44 Prozent, am zweiten folgten weitere 11 Prozent. Aktuell kostet die Snap-Aktie an der Börse rund 22 Dollar, damit beträgt das Plus zum Ausgabekurs von 17 Dollar rund 30 Prozent. Insgesamt belief sich die Zahl der Börsengänge in den Vereinigten Staaten im ersten Quartal laut EY auf 24 und verdreifachte sich damit im Jahresvergleich. Das Emissionsvolumen kletterte von 0,7 auf 10,8 Milliarden Dollar.

          Zwei der zehn größten Börsengänge fanden in Europa statt

          In Europa lag das Emissionsvolumen demnach in etwa auf dem Vorjahresniveau von 4,1 Milliarden Dollar. Die Zahl der Börsengänge sei im Vergleich zum ersten Quartel 2016 sogar von 40 auf 33 zurückgegangen, sagen die Fachleute des Beratungsunternehmens. Dies sei insbesondere auf das schwächere Abschneiden des britischen Marktes zurückzuführen.

          In Deutschland hat es im ersten Quartal mit dem Maschinenbauer Aumann und einem Emissionsvolumen von rund 250 Millionen Euro und dem Spezialchemieanbieter Ibu-Tec im neuen Scale-Segment der Deutschen Börse mit 20 Millionen Euro nur zwei Börsengänge gegeben. Gleichwohl war auch das Debüt von Aumann ein Erfolg. Der Ausgabekurs betrug 42 Euro, aktuell kostet die Aktie rund 51 Euro und damit so viel wie am Ende des ersten Handelstages vor knapp zwei Wochen. Das ergibt ein Kursplus von 22 Prozent.

          Die größten Börsengänge des ersten Quartals auf der Welt waren neben Snap die Erstnotiz des amerikanischen Immobilienkonzerns Invitation Homes mit 1,8 Milliarden Dollar sowie der des mexikanischen Getränkeherstellers Becle SAB de CV mit gut 900 Millionen Dollar. Von den zehn größten Börsengängen der Welt fanden zwei in Europa statt, beide in Spanien: Der Sicherheitsdienstleister Prosegur Cash kam mit rund 800 Millionen Dollar an den Markt, der Bauprojekt-Entwickler Neinor Homes mit gut 750 Millionen Dollar.

          2017 werde in China ein starkes Jahr der Aktenemissionen werden

          „Der amerikanische Markt scheint nach mehreren schwachen Jahren wieder auf die Beine zu kommen – dank des neu erwachten Interesses an Technologie-Börsengängen, aber auch wegen der Hoffnung der Wirtschaft auf steigende Investitionen und Steuererleichterungen“, sagt Martin Steinbach, Leiter des Bereichs Börsengänge von EY.

          In China wiederum zeigten die Versuche der Aufsichtsbehörden, die Liste der Börsenaspiranten zügiger abzuarbeiten und die Zulassungen zu beschleunigen, deutliche Erfolge. Daher werde das Jahr 2017 gerade in China ein starkes Jahr für Aktienemissionen werden. Derzeit warteten in Hongkong rund 130 Unternehmen und in China mehr als 670 Gesellschaften auf eine Zulassung zum Börsengang.

          Europa sei dagegen derzeit in einer schwierigeren Lage, sagt Steinbach. Zwar entwickele sich die Konjunktur positiv, auch der Kursverlauf an den Börsen sei gut und die Volatilität niedrig. Allerdings belasten weiterhin politische Unsicherheiten das Vertrauen der Investoren. So seien die Details und Auswirkungen des Ausstiegs Großbritanniens aus der Europäischen Union ungeklärt, anstehende Wahlen in großen Euroländern sorgten für Unsicherheit, und auch die konkreten Folgen der Wirtschafts- und Steuerpolitik der neuen amerikanischen Regierung für europäische Unternehmen seien nach wie vor unklar.

          In Deutschland hält Steinbach in diesem Jahr insgesamt zehn Börsengänge für realistisch. Wie üblich brauche der deutsche Markt für Börsengänge auch in diesem Jahr etwas Zeit, um in Fahrt zu kommen.

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