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Reisebranche : Terrorwarnung bremst die Lust auf Preussag-Aktien

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Das nachlassende Fernweh belastet Preussag Bild: tui

Die Folgen des 11. September holen die Tourismusbranche ein. Nach den Warnungen vor neuen Anschlägen fallen Tourismus-Aktien wie die von Preussag.

          Sommerzeit ist Reisezeit! Von diesem früher gültigen Slogan ist im Tourismussektor derzeit offenbar wenig zu spüren. Die neuesten eindringlichen Warnungen aus den USA vor neuen Terroranschlägen dürften nicht gerade dazu beitragen, die etwas eingeschlafene Reiselust zu wecken. Folglich sind die Nachrichten aus der Branche mit Molltönen durchsetzt.

          Erst jetzt haben mit Thomas Cook und der MyTravel Group die Nummer zwei und drei der Branche in Europa mit negativen Neuigkeiten wie Kapazitätskürzungen oder einer Gewinnwarnung aufgewartet. Den Aktienkursen bekommen diese Meldungen natürlich nicht gut. Schon nach dem Anschlag auf das World Trade Center waren diese Titel nachfolgend mit am stärksten auf Tauchstation gegangen. Als weitere Anschläge dann ausblieben, und sich die Geschäfte wieder zu normalisieren schienen, kam es zwischenzeitlich zwar auch wieder zu einer Kurserholung.

          Doch neuerdings geht es nun wieder bergab. Die jüngsten Hiobsbotschaften aus der Branche in Verbund mit den Terrorwarnungen haben in den vergangenen Tagen zu herben Kurseinbrüchen geführt. Auch der Branchenführer Preussag kann sich diesem Trend nicht entziehen. Am Donnerstagmittag ist der Titel mit minus 4,4 Prozent auf 27,40 Prozent das Schlußlicht unter den 30 Dax-Werten. Ein Händler kommentiert dazu: „Die Stimmung für die Reisebranche hat sich wieder deutlich eingetrübt.“

          Kein Ende der negativen Branchenstimmung in Sicht

          Da leider kein schnelles Ende in Sachen Terror absehbar ist, dürfte auch die Branche und mit ihr die Preussag-Aktie nicht so schnell wieder zum Liebling der Anleger avancieren. Deutlich wird dies auch an den Analystenempfehlung. Während sonst in vielen Fällen die Kaufempfehlungen deutlich überwiegen, herrscht zu Preussag eine gemischte Haltung vor. Hier stehen laut Bloomberg-Angaben 31 Prozent an Kaufempfehlungen 48 Prozent an Halteempfehlungen und 21 an Verkaufsempfehlungen gegenüber.

          Angesichts des unsicheren Umfelds ist ohne eine Veränderung der politischen Großwetterlage nicht damit zu rechnen, dass sich an dieser von Vorsicht geprägten Haltung demnächst etwas ändern wird. Vermutlich werden auch die am 30. Mai erwarteten Quartalszahlen von Preussag nicht die Kraft haben, für einen Stimmungsumschwung zu sorgen. Die wenig überzeugenden Nachrichten von der Konkurrenz lassen im Tourismusgeschäft keine allzu großen Hoffnungen zu. „Man ist nervös wegen der Befürchtung, dass der Buchungsrückgang in diesem Jahr stärker ausfallen könnte als bisher angenommen“, erklärt Hans Huff, Analyst bei der Bankgesellschaft Berlin.

          Daneben ist Preussag zwar auch noch in den Bereichen Logistik und Energie tätig. Doch auch hier dürfte die konjunkturelle Lage nicht viel Raum für positive Überraschungen lassen.

          Vertretbare Bewertung kontrastiert mit negativer Charttechnik

          Gleichzeitig darf bei der Würdigung der Preussag-Aktie aber auch nicht übersehen werden, dass die Bewertung nach den Kursverlusten eine vertretbare Basis erreicht hat. Auf Basis der bisher für das Jahr 2003 geschätzten Gewinne von 2,26 Euro ergibt sich ein relativ niedriges Kurs-Gewinn-Verhältnis von gut zwölf. Sollte dieses Gewinnniveau nur einigermaßen erreicht werden, dürfte der faire Wert des Unternehmens nicht allzu weit vom aktuellen Kursniveau entfernt sein.

          Allerdings bestimmt aktuell natürlich die schlechte Stimmung, welche die Branche allgemein umweht, die Kursfindung. Hinzu kommt, dass sich nach dem Fall der Unterstützung um 28 Euro auch die charttechnische Ausgangslage weiter eingetrübt hat.

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