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Reifenhersteller : Michelin-Aktie droht weiterer Druckverlust

  • Aktualisiert am

Höhenflug wohl vorerst beendet: Michelin Bild: dpa

In dieser Woche ist die Aktie von Michelin unter die Räder gekommen. Der Reifenhersteller hat 2004 weniger verdient als erwartet und warnt vor weiter steigenden Rohstoffpreisen. Die Aktie kämpft um den kurzfristigen Aufwärtstrend.

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          In dieser Woche ist die Aktie von Michelin an der Heimatbörse in Paris und infolgedessen auch auf dem deutschen Markt kräftig unter die Räder gekommen und hat auch der Notiz des Konkurrenten Continental offenkundig geschadet. Europas größter Reifenhersteller hat seinen Netto-Gewinn im vergangenen Jahr zwar um 60 Prozent gesteigert, damit aber die Erwartungen verfehlt. Deshalb geriet die Dividendenerhöhung um 35 Prozent auf 1,25 Euro je Anteilsschein in den Hintergrund.

          Zumal die Zukunftsaussichten nicht so rosig wie zuvor gedacht erscheinen. So gab sich das französische Unternehmen trotz höherer Rohmaterialkosten für 2005 recht optimistisch. Gleichwohl verfehlte Michelin mit der Ansage, das operative Ergebnis des vergangenen Jahres mindestens zu erreichen, ebenfalls die bisherige Konsensschätzung der Analysten. Angesichts scheint der Ende Oktober nach einer Phase der Stagnation wieder aufgenommene Höhenflug des Titels jedenfalls vorerst gestoppt. Aktuell verliert das Papier in Frankfurt 2,6 Prozent auf 51,30 Euro, in Paris wie es um 20 Cent höher gehandelt, verzeichnet aber ebenfalls Abgaben, nachdem es am Vortag mehr als fünf Prozent verloren hatte.

          Vorstand sieht schwieriges Umfeld

          Den Netto-Gewinn bezifferte der Konzern mit 527 Millionen Euro nach 318 Millionen Euro ein Jahr zuvor. Damals hatte eine einmalige Belastung wegen des Zukaufs des Reifenhändlers Viborg einen großen Teil des Gewinns aufgezehrt. Analysten hatten im Schnitt ein Netto-Ergebnis von 632 Millionen Euro prognostiziert. Der Betriebsgewinn stieg um 13,7 Prozent auf 1,299 Milliarden Euro. Das Unternehmen hatte bereits einen Umsatz von 15,689 Milliarden Euro genannt.

          Der Chart zeigt den Kursverlauf der Aktie von Michelin.

          Der Continental-Konkurrent litt 2004 wie viele Unternehmen aus der Reifenbranche unter stark gestiegenen Kosten für Gummi und Stahl. Für 2005 sagte Michelin einen weiteren Anstieg der Rohmaterialkosten bei konstanten Wechselkursen von 13 Prozent voraus nach plus elf Prozent 2004. „Trotz des schwierigeren Umfelds peilen wir 2005 ein operatives Ergebnis mindestens auf dem Niveau des Vorjahres an“, sagte Verwaltungsratschef Edouard Michelin laut Reuters.

          Analysten uneins bei der Bewertung

          Analysten zollten Lob und Tadel. Die Deutsche Bank verwies darauf, daß Michelin den Anstieg bei den Rohstoffen mehr als ausgeglichen hat, wie die gestiegene operative Gewinnspanne anzeige. Die Analysten rechnen damit auch für das laufende Jahr. Angesichts dessen sehen sie keinen Anlaß, ihre Gewinnschätzung zu ändern, und empfehlen die Aktie mit einem Kursziel von 65 Euro weiter zum Kauf.

          Ganz anderer Meinung ist Helaba Trust. Analyst Fabian Kania sieht in dem Titel einen Verkauf. Nach der zuletzten guten Performance mit einem Kursgewinn von 48 Prozent binnen Jahresfrist und 21 Prozent in den vergangenen drei Monaten sieht Kania „zunächst Rückschlagspotential“ und rechnet mit einer nachlassenden Nachfrage nach Reifen - eine Sicht, die angesichts des anhaltenden Abwärtstrends auf dem Neuwagenmarkt etwas für sich hat. Zwar hat der Analyst nur mit einer Dividende von einem Euro gerechnet, doch ist er trotz der höher als erwartet ausfallenden Ausschüttung bei seinem negativen Urteil geblieben.

          Aktie günstiger als Conti - Kampf um kurzfristigen Trend

          Im direkten Vergleich mit Continental schneidet Michelin bei der Performance trotz des strammen Auftritts klar schwächer ab. Der deutsche Konkurrent hat sich an der Börse binnen Jahresfrist um 93 Prozent und in den jüngsten drei Monaten um 27 Prozent verbessert. Allerdings ist Michelin mit Kurs-Gewinn-Verhältnissen von knapp zehn für dieses Jahr und 8,7 für 2006 günstiger als Continental (10,7/9,8), also relativ im Vorteil. Aus charttechnischer Sicht wirken beide Titel robust; die Aufwärtstrend sind ungefährdet. Michelin stellt vor diesem Hintergrund eine Halteposition dar.

          Allerdings wäre ein Fall unter die Marke von 50,50 Euro ein recht schlechtes Zeichen, da der seit Oktober ausgebildete kurzfristige Aufwärtstrend unterlaufen würde. Danach wäre der Titel erst bei 46 Euro wieder gut unterstützt. Dort verläuft auch die Linie des langfristigen Aufwärtstrends. Sollte die Notiz darunter rutschen, wäre dies ein Verkaufssignal.

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          Unser Autor: Oliver Georgi

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