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Regenerative Energien : Viel Sonnenschein über dem Börsengang von Q-Cells

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Wächst rasant mit seiner Firma: Q-Cells-Chef Anton Milner Bild: Q-Cells

Aus dem Stand heraus hat sich Q-Cells in wenigen Jahren zu einem der fünf größten Solarzellen-Hersteller gemausert. Und da ein Ende des strammen Wachstums nicht in Sicht ist, reißen sich die Anleger um die neue Aktie.

          Der Börsengang von Q-Cells (ISIN: DE0005558662) trägt Züge, die an die fast vergessenen Zeiten des Neuen Marktes erinnern. Ähnlich wie damals gibt es offenbar eine regelrechte Zeichnungseuphorie. Zumindest deuten darauf die Kurse am ersten Handelstag im Grauen Markt hin. Mit Bezahlt-Notierungen am Abend von 57 Euro lag die Notiz am Mittwoch bereits deutlich über der auf 29 bis 34 Euro festgesetzten Preisspanne.

          Diese hohen Kurse lassen den Schluß zu, daß es den Verantwortlichen gelungen ist, bei der am Mittwoch vormittag abgehaltenen Auftaktpressekonferenz voll und ganz zu überzeugen. Der Vorstand hatte es dabei aber auch nicht sonderlich schwer. Denn das Unternehmen hat, wenn sich die Hoffnungen erfüllen, eine waschechte Wachstumsstory zu bieten.

          Strammer Wachstumskurs

          Seit seiner Gründung im Jahr 1999 hat es die Gesellschaft vom Nobody zum weltweit größten konzernunabhängigen Hersteller von mono- und multikristallinen Solarzellen gebracht. Unter allen Anbietern haben es die Sachsen-Anhaltiner inzwischen unter die ersten fünf geschafft.

          Doch mit dem Marktanteil von im Vorjahr sechs (2003: 3,8) Prozent gibt sich der Vorstandsvorsitzende Anton Milner noch lange nicht zufrieden. Er strebt eine Größenordnung an, die ihm den schnellen Vorstoß unter die drei größten Hersteller ermöglicht. Aktuell ist BP Solar mit einem Marktanteil von 6,8 Prozent die Nummer drei (Sharp kommt als Marktführer auf 25,8 Prozent, Kyocera auf 8,3 und Mitsubishi Electric auf sechs Prozent).

          Was man bei Q-Cells unter dem Thema Wachstum versteht, zeigt sich an der Produktion, die zwischen 2002 und 2004 von 9,3 Millionen auf 75,9 Millionen Megawatt peak (MWp) gestiegen ist. Der Umsatz wurde gleichzeitig von 17,3 Millionen auf 128,7 Millionen Euro erhöht und der Jahresüberschuß von 0,2 Millionen auf 12,4 Millionen Euro.

          Auch in diesem Jahr wird kräftig an der Wachstumsspirale gedreht. Das zeigt sich am Umsatz, der in den ersten sechs Monaten um 145 Prozent auf 116,7 Millionen Euro gestiegen ist und an einem sogar um 220 Prozent verbesserten Jahresüberschuß. Wie rasant es bei Q-Cells zugeht, läßt sich zudem auch an der Zahl der Mitarbeiter erkennen. Diese beläuft sich aktuell auf 740, während es am 1. Mai 2002 noch vier Mitarbeiter inklusive des heutigen Vorstandschefs waren.

          Die Gesellschaft befindet sich dank eines guten Teams und einer äußerst konkurrenzfähigen Produktpalette auf einem über dem Markt liegenden Wachstumskurs, dessen jährlicher Zuwachs bis 2010 auf 25 bis 30 Prozent veranschlagt wird. Das Unternehmen, das erst 2001 mit der Zellproduktion begonnen hat, hat als erster Anbieter die Sechs-Zoll-Zelle auf den Markt gebracht, die jetzt Standard ist. Und inzwischen wurde mit der „Q8“ sogar eine Acht-Zoll-Zelle mit einer Leistung von 6,4 Watt erfunden.

          Börsengang dient zum größten Teil der Wachstumsfinanzierung

          Gut an dem Börsengang ist, daß der überwiegende Teil des Emissionserlöses der Gesellschaft zufließen wird. Von den maximal angebotenen 8,24 Millionen Aktien stammen höchstens 1,59 Millionen aus dem Altbestand. Die im besten Fall zufließenden Mittel von 226 Millionen Euro sollen vornehmlich in den Ausbau der Produktionskapazitäten am Stammsitz in Thalheim bei Bitterfeld sowie der Steigerung des Auslandsanteils am Umsatz gesteckt werden. Aktuell hat das Unternehmen dort Produktionskapazitäten von 170 Megawatt.

          Durch die Inbetriebnahme einer 50 Millionen Euro teuren neuen Fabrik wird die Kapazität in den kommenden Monaten auf 300 Megawatt steigen. Für die tatsächliche Produktion bedeutet das, daß die im ersten Halbjahr hergestellten Solarzellen mit einer Leistung von 67 Megawatt im Gesamtjahr 2005 bereits auf eine Größenordnung von rund 190 Megawatt gesteigert werden dürfte. Die teilweise in der Branche zu beobachtenden Lieferengpässe beim Silizium scheinen Q-Cells keine allzu großen Probleme zu bereiten, hat man doch den Angaben zufolge bis 2015 langfristige Lieferverträge abgeschlossen.

          Nicht selbst in der Hand hat Q-Cells dagegen das Risiko eines Endes der staatlichen Förderung der Photovoltaik. Da diese derzeit für eine wirtschaftlich rentable Einsetzung der Solartechnik aber noch unabdingbar ist, wäre ein derartiger politischer Beschluß ein herber Dämpfer. Nach dem Patt bei der Bundestagswahl ist mit einer Abschaffung dieser Subvention aber eher nicht mehr zu rechnen. Milner gibt sich insgesamt jedenfalls äußerst zuversichtlich: „Q-Cells ist sehr, sehr stark gewachsen. Wir sehen keinen Grund, warum das nicht so weiter gehen soll“, lautet seine Einschätzung.

          Graumarktkurse geben Warnzeichen

          Sollte sich das im Grauen Markt erreichte Kursniveau auch am ersten richtigen Handelstag am 05. Oktober einstellen, dann wäre Q-Cells zumindest für den Moment bereits recht ambitioniert bewertet. Zum Buchwert des Eigenkapitals je Aktie klafft bei einem derartigen Kursniveau jedenfalls eine beachtliche Lücke. Die renditehungrigen Anleger wird das aber wenig stören. Sie konzentrieren sich bei Solaraktien allgemein momentan praktisch ausschließlich auf die Wachstumschancen. Und da Q-Cells in dieser Hinsicht einiges zu bieten hat, hat das Unternehmen zumindest zunächst das Zeug zum Börsenliebling.

          Vorsichtige Anleger behalten aber trotz aller Wachstumseuphorie stets auch die Entwicklung der Bewertungsrelationen im Auge. Und in dieser Hinsicht ist zu konstatieren, daß Q-Cells zu den Graumarktpreisen mit einer fiktiven Marktkapitalisierung aus dem Stand heraus deutlich höher bewertet wäre als der bisherige börsennotierte Platzhirsch Solarworld, der auf einen Börsenwert von 1,61 Milliarden Euro kommt.

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