https://www.faz.net/-gv6-36li

Rating : Pharmawerte - ethische Risiken und Nebenwirkungen sinken

  • Aktualisiert am

Pharma-Unternehmen: ethisch bedenklich? Bild: dpa

Pharmawerte müssen kein rotes Tuch für ethisch motivierte Anleger sein, so eine Analyse der Rating-Agentur oekom.research.

          2 Min.

          Die Pharmaindustrie sieht ihre vordringlichste Aufgabe in der Vorbeugung und Heilung von Krankheiten. Ein Ziel, das eigentlich die volle Zustimmung und Unterstützung gerade ethisch motivierter Anleger verdient hätte. Doch „verwerfliche“ Methoden wie Embryonenforschung oder Genmanipulation sorgen dafür, dass diese Klientel die gesamte Branche oft konsequent meidet. Zu einer Pauschalverurteilung besteht jedoch kein Anlass, wie eine Untersuchung der Münchener Rating-Agentur oekom.research zeigt.

          Im Rahmen der Analyse sollten die weltweit größten Unternehmen der Branche nach 200 ökologischen und sozialen Kriterien bewertet werden. Fünf dieser Unternehmen zogen es allerdings vor, für dieses so genannte Corporate Responsibility Ranking keine Auskünfte zu geben. Dies sind Amgen und Schering-Plough aus den USA, Fresenius und Schwarz Pharma aus Deutschland sowie die japanische Takedo Chemical Industries.

          Novo Group und Bristol-Myers Squibb vorbildlich

          In dem Rating schnitt das dänische Unternehmen Novo Group am besten ab. Auf einer Bewertungsskala von A+ bis D- erhält der Konzern ein glattes B. Ebenso wie der amerikanische Wettbewerber Bristol-Myers Squibb als Zweitbester. Den dritten Rang belegt Bayer mit einem B-. Die anderen deutschen Unternehmen Merck und Schering konnten mit den Rängen fünf und sieben ebenfalls eine ordentlliche Platzierung vorweisen.

          „Die Spitzengruppe der Pharmaindustrie bemüht sich ernsthaft, eine Brücke zwischen ökonomischer Gewinnerwartung, sozialer Gerechtigkeit und ökologischer Verträglichkeit zu schlagen“, erklärt der zuständige Analyst Andreas Stefferl. Da diese Unternehmen zusätzlich vermehrt aus kontroversen Geschäftsfeldern ausstiegen, seien sie für Ethikfonds ein interessantes Investitionsobjekt.

          Umweltleistung mit Defiziten

          Die führenden Unternehmen zeigten sich vorbildlich bei Umweltdaten wie Energieverbrauch oder CO2- Emissionen. Begünstigt wird das gute Abschneiden von ausgereiften Managementstrukturen. Allerdings bemängelt oekom.research, dass die Unternehmen in der Produktion immer noch vorrangig die abfallintensive chemische Synthese anwenden. Als positives Beispiel wird wieder Novo genannt, das auf die weniger belastende Fermentation umgestiegen ist.

          Gegensätze im sozialen Bereich

          Bei der Bewertung sozialer Aspekte fällt positiv auf, dass die Mitarbeiter der Pharmabranche auch in Dritte-Welt-Ländern von guten Sozialstandards profitieren. Problemfelder wie Kinderarbeit und soziale Ausbeutung sind bei den untersuchten Unternehmen also kein Thema.

          Das Bild wird aber durch die Preis- und Patentierungspolitik der Unternehmen deutlich getrübt. Patentierte Produkte sind meist weitaus teurer als nicht patentierte. Die Pharmaindustrie rechtfertigt die hohen Preise mit ihrem enormen Aufwand für Forschungszwecke. Viele Unternehmen konzentrieren sich allerdings mehr auf die Erforschung sogenannter Life Style Drugs wie Potenz- und Schlankheitspillen als auf Krankheiten wie Tuberkulose, Aids oder Malaria. Ethisch motivierte Anleger fordern deshalb die Pharmaunternehmen zunehmend auf, sich stärker für eine Verbesserung der Gesundheitssituation in Dritte-Welt-Ländern einzusetzen. Dies schließt auch Preissenkungen bei wichtigen Medikamenten mit ein.

          Deutliche Unterschiede zwischen Unternehmen

          Es bleibt festzuhalten, dass die Pharmabranche im Rating mit einer Durchschnittsnote von C+ recht gut abschneidet. Dennoch klafft die Schere zwischen den führenden Unternehmen und den Schlusslichtern weit auseinander. Die Spitzengruppe hat die globale Verantwortung der Branche erkannt. Nun ist es an den Nachzüglern, mit ihr gleichzuziehen.

          Weitere Themen

          Universal Music feiert furioses Börsendebüt

          Erwartet starker Start : Universal Music feiert furioses Börsendebüt

          Es ist der bislang größte Börsengang des Jahres in Europa und der Erfolg kommt wenig überraschend. Die Aktie von Universal notiert zum Debüt deutlich im Plus – und die Bewertung steigt gleich um mehrere Milliarden Euro.

          Topmeldungen

          Joe Biden am Dienstag in New York

          Rede vor den UN : Für Biden dreht sich alles um China

          Der amerikanische Präsident Joe Biden verspricht in seiner ersten Rede vor der UN-Vollversammlung, nur noch in Bündnissen zu handeln. China nennt er nicht beim Namen.

          Radikalisierung der Querdenker : „Es sind Rufe nach Exekutionen“

          Nach dem tödlichen Angriff auf den Kassierer einer Tankstelle in Idar-Oberstein zeigen sich Politiker entsetzt vom Ausmaß der Radikalisierung des Täters. Kenner der Verschwörungstheoretiker-Szene sind dagegen weniger überrascht.
          Großflächige Aufforstung ist eine Möglichkeit, die Kohlendioxid-Pegel langfristig zu stabilisieren. Doch ob die dafür nötigen Flächen zu Verfügung stehen, ist eine politisch-gesellschaftliche Frage.

          Negative Emissionen : Wie man das CO2 aus der Luft entfernt

          Ohne die aktive, technische Entfernung von CO2 aus der Luft bleiben alle Klimaziele Makulatur. Tragisch, dass nicht zuletzt Klimaschützer sie so lange verteufelt haben.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.