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Rating in Gefahr : Anleger fliehen aus der Nomura-Aktie

Die Zentrale von Nomura in Tokio Bild: AFP

Der Aktienkurs von Japans größtem Wertpapierhauses ist auf Talfahrt. Der Umbau des Konzerns verläuft schleppend, die Gewinnaussichten sind trübe und die Reputation steht auf dem Spiel.

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          Die Anleger von Nomura erleben bewegte Tage. Der Kurs der Aktie des größten japanischen Wertpapierhändlers ist auf Talfahrt. Seit Jahresbeginn verlor das Papier die Hälfte an Wert, allein diese Woche gab der Kurs knapp 15 Prozent ab. Zuvor war das Brokerhaus in die Nähe des Betrugs- und Bilanzskandals des traditionsreichen japanischen Kameraherstellers Olympus gerückt worden. Zwar stemmte sich Nomura mit aller Kunst seiner Öffentlichkeitsarbeit gegen solche Behauptungen, nannte sie "reine Spekulation" und wies sie weit von sich. Dennoch musste der Vorstand mit ansehen, wie die Aktie an der Börse von Tokio derzeit so niedrig notiert wie seit 35 Jahren nicht.

          Stephan Finsterbusch

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Gründe sind die angespannte Lage auf den internationalen Finanzmärkten und die gedämpfte Bereitschaft der japanischen Kunden, die bisher willig Wertpapiere kauften. Doch auch das Kreditrating und die Reputation des Unternehmens stehen auf dem Spiel. "Es ist keine Überraschung, dass sich die Stimmung derzeit gegen Nomura gedreht hat", lässt sich Tom Kirchmaier von der Finanzmarktgruppe der London School of Economies zitieren. Auf den Verkaufslisten der Anleger stehe das Brokerhaus derzeit ganz weit oben, heißt es von Kouichi Niwa, Analyst von SMBC Nikko Securities. „Mit einer sich weiter verschlechternden Gewinnlage werden immer mehr Anleger ihre Nomura-Anteile zum Verkauf stellen."

          Allein am Dienstag gingen mehr als 200 Millionen Aktien von Nomura an der Börse von Tokio über den Tisch. Das entsprach rund 10 Prozent des gesamten Handelsvolumens an diesem Tag. Kein Wunder: Teile der japanischen Presse hatten Nomura eng an die Machenschaften beim Kamerahersteller Olympus gerückt. Der hatte zuvor bekannt gegeben, über Jahre hinweg die Bilanzen gefälscht und Anleger, Mitarbeiter sowie die Behörden belogen und betrogen zu haben. Ein Fehlverhalten von Nomura wurde nicht bekannt, pure Spekulationen lösten nach Ansicht des Nomura-Vorstandes den Kursrutsch aus.

          Analysten aber blicken tief in die Geschäftsbücher, und was sie dort sehen, ruft wenig Begeisterung hervor. Hat doch Nomura viel von seiner früheren Profitabilität eingebüßt. Anfang des Monates musste der Vorstand um Präsident Kenichi Watanabe einen Quartalsverlust ausweisen und ein milliardenhohes Sparprogramm ausrufen, um das defizitäre Auslandsgeschäft in den Griff zu bekommen. Nomura schreibt seit sechs Quartalen im internationalen Geschäft ein dickes Minus. Die Integration der vor drei Jahren gekauften Europa-Sparte der damals pleitegegangenen amerikanischen Investmentbank Lehman Brothers geht nur langsam voran. Dem stehen bislang Gewinne auf dem Heimatmarkt gegenüber. Die aber wackeln. Halten sich doch angesichts der unsicheren Lage an den Finanzmärkten viele Japaner mit Wertpapierkäufen zurück. Das wird für Nomura zu Hause die gewinnreichen Geschäfte schleppender als bisher verlaufen lassen.

          So wies Nomura im gerade abgeschlossenen zweiten Quartal des laufenden Geschäftsjahres bereits einen Konzernverlust aus - den ersten seit März 2009. Daraufhin erklärte die Ratingagentur Moody's, der bislang starke Auftritt und das engmaschige Zweigstellennetz von Nomura auf dem Heimatmarkt "dürften nicht mehr ausreichen, die mit den Aktivitäten auf dem internationalen Kapitalmarkt einhergehen". Aus diesem Grund erwägen die Analysten, die Kreditwürdigkeit (Rating) von Nomura zu senken. Derzeit haben die Japaner die Ratingnote Baa2. Zwei kleine Schritte tiefer, und Nomura befindet sich auf dem Ramschtisch der Börse. Der Vorstand um Präsident Kenichi Watanabe ist alarmiert. Watanabae erklärte, sein Haus arbeite an einem Programm zur Senkung der Betriebskosten. Ob die angepeilte Reduzierung um 1,2 Milliarden Dollar (1 Milliarde Euro) ausreicht, scheint Investoren fraglich.

          Der Aktienkurs beträgt derzeit mit 247 Yen das Fünfunddreißigfache des Jahresgewinns. So bewerten die Anleger an der Börse Nomura mit augenblicklich knapp 975 Milliarden Yen (9,1 Milliarden Euro). Das entspricht ungefähr der Hälfte des Buchwertes des Unternehmens. Damit befindet sich Nomura auf dem Niveau kleinerer heimischer Konkurrenten wie Daiwa Securities. "Die Bewertung von Nomura ist sehr niedrig", sagte Niwa vom Brokerhaus SMBC Nikko Securities. "Irgendwann werden die Anleger zu einem Punkt kommen, an dem sie ihre Einschätzung drehen" - bis dahin wird wohl noch Zeit vergehen.

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