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Qimonda : Riskante Spekulation

  • Aktualisiert am

Protest gegen Beerdigung Bild: dpa

Qimonda weckt Hoffnungen, dass das angeschlagne Unternehmer einen Käufer oder Partner findet. Gleichzeitig stellt das Land Sachsen praktisch eine Existenzgarantie aus. Doch über den Berg ist das Unternehmen damit noch nicht.

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          Qimonda-Aktionäre sind Kummer gewöhnt. Kosteten die Aktien des Speicherchip-Herstellers vor rund zwei Jahren in der Spitze 14 Euro, so segelte der Kurs angesichts immens hoher Verluste des Unternehmens von Mitte 2007 an haltlos bis auf 5,3 Cent nach unten. Doch seit vergangenen Woche hat sich der Kurs der in Deutschland gehandelten amerikanischen Aktienzertifikate (ADR) mittlerweile annähernd verfünffacht. Allein am Montag steigt er zeitweise um 53 Prozent auf 23,7 Cent.

          Grund scheint eine nahezu traumhafte Konstellation für die Zukunft des Unternehmens zu sein. Zwar hat sich die wirtschaftliche Lage nicht gebessert. Seit dem vierten Quartal 2006 sind die Erlöse bis August 2008 auf weniger als ein Drittel gesunken, seit dem dritten Quartal 2007 schreibt das Unternehmen rote Zahlen, seit drei Quartalen übertreffen diese die Erlöse.

          Qimonda spricht mit Investoren

          Grund für Optimismus geben indes zwei Verlautbarungen. Die erste kommt vom Unternehmen selbst, das Hoffnung auf eine Rettung in letzter Minute durch einen Käufer macht. Man verzeichne Fortschritte bei den laufenden Gesprächen „mit verschiedenen potenziellen strategischen Investoren und Finanzinvestoren“, teilte der Speicherchiphersteller am Montag mit. Der Vorstand gehe davon aus, dass sich die Verhandlungen konkretisieren und in den kommenden Wochen Ergebnisse veröffentlicht werden.

          Vorsorglich verschob Qimonda die Veröffentlichung der Geschäftszahlen, die ursprünglich für den späten Montagabend geplant war. Indes hielt man insofern eine positive Nachricht bereit, als der Umsatz nach bisherigen Berechnungen mit 476 Millionen Euro um ein Viertel über dem Wert des Vorquartals gelegen habe. Allerdings sind die Verluste wegen hoher Abschreibungen infolge des Verkaufs der Beteiligung am Auftragsfertiger Inotera sowie der laufenden Sanierung wieder gestiegen, nachdem sie zuvor drei Quartale lang auf zuletzt 401 Millionen Euro zurückgingen.

          Rettet Sachsen den Halbleiterhersteller?

          Die zweite Verlautbarung stammt vom Freistaat Sachsen. Das „Handelsblatt“ berichtet, der Freistaat Sachsen wolle den angeschlagenen Halbleiterhersteller jedenfalls vor dem Aus retten und beruft sich auf Wirtschaftsminister Thomas Jurk, der keine Alternative zu staatlicher Hilfe sehe und dies damit begründe, dass Dresden schließlich der letzte europäische Standort für Mikroelektronik sei. Die Gewerkschaften, die die Initiative begrüßen, fordern aber Mitspracherechte des Staates.

          Die Unternehmensführung von Qimonda hatte die sächsische Staatsregierung gebeten, bis Ende des Jahres eine Lösung zu finden. Das Unternehmen will laut Zeitung 500 Millionen Euro als Bürgschaft, um eine neue Chiptechnologie zu finanzieren.

          Allerdings stehen hinter der eindeutigen Aussage des Wirtschaftsministers einige Fragezeichen. Vor allem ist fraglich, ob die EU Beihilfen in diesem Fall zulassen wird. Zum anderen müsste die Bundesregierung die Pläne unterstützen. Darüber hinaus muss die EU die Restrukturierungspläne genehmigen.

          Ein Aktienkauf bleibt riskant

          Auch wenn die Dinge für Qimonda positiv scheinen, so ist ein Investment spekulativ. Weder ein Käufer noch Staatsbeihilfen sind konkret in Sicht. Und sollten die Gespräche mit dem Käufer scheitern, könnte das Aus früher kommen als gedacht.

          Für den Fall, dass die Speicherchipkrise andaure und das laufende Sparprogramm misslinge, könne es im schlimmsten Fall schon innerhalb der ersten drei Monate des kommenden Jahres 2009 zu einem Liquiditätsengpass in Teilen des Betriebs kommen, was zur Geschäftsunfähigkeit des Unternehmens führen könnte, räumte Qimonda ein. Auf 432 Millionen belief sich Ende September die Bruttoliquidität. Ein Quartal zuvor das Unternehmen noch über 630 Millionen Euro.

          Diese Liquiditätsengpässe könnten sich auf die Fähigkeit des Unternehmens auswirken, sein Geschäft weiter zu betreiben, warnte Qimonda weiter. Das Unternehmen befindet sich zu 77,5 Prozent in Besitz von Infineon.

          Zwar stellt Qimonda gleichzeitig in Aussicht, dass die Gespräche mit möglichen Investoren schon in den kommenden Wochen ein Ergebnis bringen können. Doch wie dieses aussieht, ist offen. Ein Aufruf zum Kauf der Aktie liest sich anders.

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