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Prognose : Europa bleibt an den Märkten das wichtigste Thema

An den Börsen dürfte es 2012 turbulent zugehen Bild: dapd

An den Aktienmärkten wird eine turbulente erste Jahreshälfte erwartet. Banken raten zu stabilen Dividendentiteln, die Bewertungen gelten als günstig.

          Die Euro-Krise und die Schwierigkeiten, ihre möglichen Folgen abzuschätzen, wird auch in diesem Jahr vermutlich das wichtigste Thema an den Aktienmärkten bleiben. Dieser Eindruck ergibt sich aus den Einschätzungen professioneller Marktteilnehmer. Eine schwächere gesamtwirtschaftliche Entwicklung beunruhigt verglichen dazu die Fachleute schon etwas weniger. „Eine Rezession in Verbindung mit sinkenden Unternehmensgewinnen alleine muss keine Katastrophe sein“, sagte etwa Peter Oppenheimer, verantwortlicher Aktienstratege der amerikanischen Bank Goldman Sachs, während einer Anlegerkonferenz in Frankfurt.

          Oppenheimer prognostiziert für dieses Jahr einen Gewinnrückgang der europäischen börsennotierten Unternehmen von durchschnittlich 10 Prozent, die meisten Marktbeobachter gehen demgegenüber von steigenden Unternehmensgewinnen aus. Herabgesetzte Gewinnprognosen in Verbindung mit drohenden schlechten Nachrichten zur Euro-Krise sorgen nach Ansicht Oppenheimers deswegen zumindest auf Sicht der kommenden Monate für hohe Unsicherheit und volatile Märkte.

          Gleichwohl sieht er Anlagechancen. Die Weltwirtschaft insgesamt habe sich in jüngster Zeit wieder besser als erwartet geschlagen. Außerdem sei die aus Aktienkursen, Zinsniveaus und Unternehmensgewinnen abgeleiteten Anlegersorgen derzeit übertrieben groß. „Nur eine kleine Verbesserung in punkto Euro-Krise kann deshalb eine große Wirkung am Markt haben“, sagt Oppenheimer und rät dazu, Aktien von Unternehmen überzugewichten, die eine stabil hohe Dividende zahlen und außerdem viel Geschäft außerhalb ihrer Heimatmärkte machen. Er rät zu Aktien aus den Branchen Pharma, Energie und Telekommunikation. Für den amerikanischen Aktienmarkt erwartet Goldman Sachs eine Seitwärtsbewegung. Unter den asiatischen Börsen findet die Bank Malaysia und China interessant.

          Finanzunfall vermeiden

          Sollte ein Finanzunfall - zum Beispiel die unerwartete Insolvenz einer bedeutenden Bank oder eines Eurolandes - besonders in der ersten Jahreshälfte ausbleiben, in der viele wichtige Anleiheemissionen anstehen, dürfte sich die Anlegerstimmung zunehmen aufhellen. Die Lage werde sich entspannen, vorausgesetzt den Eurostaaten gelinge es, eine Kreditklemme zu verhindern, erwarten etwa die Analysten der Schweizer Privatbank Sarasin in ihrem Ausblick auf das Aktienjahr 2012. Grund für die positive Entwicklung ist ihrer Ansicht nach eine steigende Nachfrage aus aufstrebenden Volkswirtschaften, welche vom zweiten Quartal dieses Jahres an wieder zu einer wachsenden gesamtwirtschaftlichen Aktivität auch in Europa führen werde. Aufgrund der weiter zu erwartenden hohen Kursschwankungen raten die Analysten von Sarasin Anlegern dazu, am Aktienmarkt auf kurzfristige Zyklen zu setzen. Außerdem seien Unternehmen attraktiv, die stark von einer positiven konjunkturellen Entwicklung in den Schwellenländern profitierten.

          Generell sind nach Auffassung der Sarasin-Analysten die Aktienmärkte derzeit günstig bewertet, wenn man traditionelle Kennzahlen wie das Verhältnis aus Börsenkursen und Unternehmensgewinnen (KGV) zugrundelegt. Denn: Die meisten Aktienkurse seien im zurückliegenden Jahr trotz gestiegener Gewinne gesunken. Der Euro Stoxx 50, der die 50 wichtigsten börsennotierten Unternehmen des Euroraums abbildet, fiel im Jahr 2011 um 17 Prozent, der deutsche Standardwerteindex Dax um 15 Prozent. Der amerikanische Leitindex S&P500 blieb nahezu unverändert. Gerade diese unterschiedliche Entwicklung zwischen den beiden wichtigsten Aktienregionen der Welt verliehen europäischen Aktien in diesem Jahr viel Potential, heißt es von Sarasin.

          Anlageklasse

          Davon gehen auch die Analysten der amerikanischen Bank J. P. Morgan aus, die europäische Titel gemessen an ihren derzeitigen Kurs-Gewinn-Verhältnissen für unterbewertet halten. Aktien von Unternehmen auf dem europäischen Festland wie auch in Großbritannien notieren nach Angaben von J.P. Morgan um mehr als 30 Prozent unter ihrer langfristigen Durchschnittsbewertung.

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