https://www.faz.net/-gv6-pwxp

Privatbanken : Phantasie auf Übernahme reißt die Julius Bär-Aktie aus ihrer Lethargie

  • Aktualisiert am

Der Chart zeigt die Entwicklung der Julius Bär-Aktie Bild:

Das Bankhaus Julius Bär soll nach 115 Jahren in Familienbesitz über die Einführung von Einheitsnamensaktien zu einer echten Publikumsgesellschaft werden. Für die Börsianer ist das gleichbedeutend mit Übernahmehoffnungen.

          2 Min.

          Der traditionsreiche Schweizer Vermögensverwalter Julius Bär will Einheitsnamensaktien einführen und sich dafür von der Generalversammlung im April den Segen der Aktionäre holen. Der fünftgrößte Schweizer Vermögensverwalter ändert somit überraschend die Aktienstruktur und gibt die Kontrolle durch die Familie auf, deren Stimmrechte sich künftig einschließlich Mitarbeiteranteil statt aktuell 52 Prozent auf 18 Prozent belaufen werden.

          Dieser Schritt ermöglicht es dem Institut, das wie andere Privatbanken mit steigenden Kosten und Margendruck zu kämpfen hat, nach eigener Lesart, den Kapitalmarkt besser zu nutzen und damit in der Konsolidierung unter den Privatbanken eine aktivere Rolle zu spielen, also kleinere Finanzhäuser mit eigenen Aktien zu erwerben.

          Kurs seit Jahresende um 20 Prozent gestiegen

          Weil dadurch andererseits aber auch eine Übernahme von Bär durch eine Großbank nun leichter möglich erscheint, entzündeten sich an dieser Meldung vom Montag gleich wieder die Phantasien der Börsianer. Die Bank, die viele deutsche Kunden hat, versicherte zwar am Montag, sie wolle ihre Unabhängigkeit nicht aufgeben, gleichwohl stieg der Börsenkurs kräftig.

          Bei einer zum Wochenauftakt erreichten Schlußnotiz von 342,25 Euro (ein Tagesplus von sieben Prozent) ist der Titel in diesem Jahr schon um fast 20 Prozent gestiegen. Denn schon in den Handelstagen zuvor hatten vage Gerüchte über Veränderungen in der Kapitalstruktur zu Kursgewinnen geführt. Die Neuigkeiten aus dem Hause Bär beflügelten sogar den ganzen Sektor der Privatbanken, die querbeet zulegten.

          „Bär hat eine neue Ära eingeleitet", sagte ein Händler dazu. Und weiter: „Damit wissen wir nun, warum die Bären während der Vortage so gesucht waren.“ Kurzfristig ist hier aber sicherlich nicht mit Veränderungen bei den Besitzverhältnissen zu rechnen. Bär führt nach eigenen Angaben keine Gespräche über eine strategische Partnerschaft und in einer Medienkonferenz betonten Bär-Vertreter wie erwähnt, die Bank wolle unabhängig bleiben.

          Bewertung auf KGV-Basis kann einen Schuß Übernahmephantasie gebrauchen

          Dennoch verleihen die Einheitsaktien-Pläne dem Titel Fantasie und dürften wenigstens dafür sorgen, den Aktienkurs nach unten abzusichern. „Nun scheint eine Übernahme eventuell halt doch nicht abwegig", kommentierte ein weiterer Händler. Das sieht auch Jacques Demaurex, Fondsmanager bei der Banque Bonhote & Cie, so: „Die Bank ist nun wirklich öffentlich und unabhängig und dadurch offen für alle möglichen Szenarien.“

          Nach unten abgesichert wird der Aktienkurs auch durch die ebenfalls am Vortag gelieferten Angaben zum abgelaufenen Geschäftsjahr. Demnach sind die verwalteten Mittel um 16 Prozent auf 135 Milliarden Franken gestiegen und der Gewinn von 82 auf 211 Millionen Franken, was als ansprechend als zu werten ist.

          Fundamental gesehen kann der Titel, der inzwischen an den langfristigen Abwärtstrend herangelaufen ist, eine Prise Übernahmephantasie aber auch gut gebrauchen. Denn auf Basis der geschätzten Gewinne je Aktie für 2005 ergibt sich ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von immerhin fast 17. Ein Überflieger dürfte der Titel so gesehen nur werden, wenn wirklich jemand mit einer Prämie ausgestatteten Übernahmeofferte aufwartet.

          Weitere Themen

          Bayer lässt den Dax im Plus starten

          Glyphosat-Streit : Bayer lässt den Dax im Plus starten

          Die politischen Spannungen um Hongkong haben den deutschen Aktienmarkt zum Wochenstart zunächst unbeeindruckt gelassen. Positive Nachrichten im Konflikt um den Unkrautvernichter von Bayer verleihen dem Kurs des Chemiekonzerns Auftrieb.

          Topmeldungen

          Boris Johnsons Chefberater Dominic Cummings verlässt am Montag sein Haus in London.

          Trotz Corona-Affäre : Der Mann, auf den Boris Johnson nicht verzichten will

          Politische Berater werden dafür bezahlt, dass sie der Regierung zuarbeiten. Bei Boris Johnsons Chefberater Dominic Cummings müssen die Minister für den Berater schuften. Damit hat er sich viele Feinde gemacht, aber für Johnson ist er unersetzbar.

          Milliardenhilfe : Gegenwind für die Lufthansa-Rettung

          Nach langen Verhandlungen einigen sich Bundesregierung und Lufthansa auf ein Rettungspaket aus Steuergeldern. Brüssel sagen die Pläne aber nicht zu. Kanzlerin Merkel will kämpfen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.