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Portfoliotheorie : Geldanlage - Streuung ist ratsam

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Bild: FAZ.NET

Die dramatischen Ereignisse in Japan zeigen, wie rasch Anleger daneben liegen können, wenn sie einen zu großen Anteil ihres Vermögens in einzelne Werte investieren. Selbst scheinbar solide Versorgeraktien sind keine sichere Bank.

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          Die dramatischen Ereignisse in Japan zeigen, wie rasch Anleger daneben liegen können, wenn sie sich zu stark auf Wertpapiere scheinbar solider Unternehmen verlassen und einen zu großen Anteil ihres Vermögens in einzelne Werte dieser Art investieren.

          Selbst wer eher auf regelmäßige, solide Ausschüttungen Wert legte, statt auf Kursgewinne, und deswegen beispielsweise auf die Aktien von Versorgern setzt, müsste unter unglücklichen Umständen kräftige Verluste hinnehmen.

          Starke Kursverluste können nie ganz ausgeschlossen werden

          Das lässt sich am Beispiel der Papiere der Tokyo Electric Power Company deutlich machen. Nach Erdbeben, Tsunami und der Havarie mehrerer Atomreaktoren des Unternehmens in Fukushima Dai-Ich haben dessen Aktien innerhalb der vergangenen drei Handelstage knapp 60 Prozent ihres Wertes verloren. Angesichts der verlorenen Produktionskapazitäten und auch angesichts der extremen Verschuldung des Unternehmens sind weitere Kursverluste möglich. Die Prämie, die für die Ansicherung gegen ein Kreditereignis bei den ausstehenden Anleihen des Unternehmens für fünf Jahre verlangt wird, ist von etwa 40 Basispunkten noch vor wenigen Tagen auf mehr als 400 Basispunkte des Nominalwertes angestiegen.

          Selbst in Deutschland sind die Kurse der Anteilsscheine an RWE in den vergangenen drei Jahren um 56 Prozent gefallen und jene von Eon sogar um knapp 60 Prozent. Die Unternehmen spüren die Folgen veränderter Rahmenbedingungen, die sich zunächst in Form der Belastungen durch die Atomsteuer und nun durch absehbare Stilllegungen von Kraftwerken zeigen. Immerhin soll wenigstens bei RWE die Dividende von 3,50 Euro je Aktie gehalten werden (Ausschüttung am 21. April 2011). Das führt kurzfristig zu einer sehr attraktiven Dividendenrendite von brutto knapp acht Prozent und macht die Aktien auf dem inzwischen erreichten Kursniveau reizvoll.

          Aus diesem Grund lohnt sich die Streuung

          Grundsätzlich jedoch bestätigen die Ereignisse in Japan den Rat erfahrener Anleger, „nie alle Eier in einen Korb zu legen, denn es könnte ein Loch darin sein.“ Schon die Verteilung der anzulegenden Mittel auf verschiedene Wertpapiere von Emittenten, die unterschiedlichen Einflüssen ausgesetzt sind, kann das Verlustrisiko eines Wertpapierportfolios deutlich senken, zeigen Untersuchungen, wie sie etwa Harry Markowitz schon in den 50er-Jahren anstellte. In der Theorie genügt demgemäß schon eine recht kleine Anzahl verschiedener geschickt gewählter Wertpapiere, um einen großen Teil des unsystematischen oder firmenspezifischen Risikos zu eliminieren.

          In der Praxis wird das zwar schwieriger, nachdem sich gerade in den vergangenen Jahren sich die Kurs- und Preischarakteristika vieler Anlageprodukte verändert haben (siehe auch: ). Entwickelten sich ihre Kurse früher oft noch unabhängig voneinander, so hat ihre Korrelation vielfach zugenommen. Aus diesem Grund werden viele der in der Theorie wunderbar funktionierenden Risikomanagementmodelle ad absurdum geführt.

          Das ändert jedoch nichts daran, firmenbezogene Verlustrisiken durch die Streuung der Geldanlage auf verschiedene Anlageformen und -arten vermindern zu können. Verliert eine stark an Wert, so ist der Verlust eben auf den Anteil am gesamten Portfolio begrenzt.

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