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Photovoltaik : „Wir jammern auf hohem Niveau“

  • Aktualisiert am

Solon-Mover, ab 38.766 Euro netto zu haben. Bild: Norbert Michalke

Das Ende der Steuersparfonds dürfte auch zulasten der Solarparks gehen, möchte man meinen. Bendedikt Ortmann, Finanzchef der S.A.G. Solarstrom, kann dem dagegen eher positive Aspekte abgewinnen.

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          Das Ende der Steuersparfonds ist kurzfristig aufgeschoben, wird aber kommen. Das dürfte auch Fonds treffen, die für den Bau von Solarparks aufgelegt werden. Die S.A.G. Solarstrom montiert Solarparks und vertreibt derartige Fondsprodukte.

          FAZ.NET sprach mit Finanzchef Benedikt Ortmann über die Zukunft der Solarparks und die künftige Entwicklung der S.A.G. Solarstrom.

          Rendite ist für Benedikt Ortmann das A und O

          Nachdem die Grünen-Minister die Gesetzesvorlage gekippt haben, die das Ende für Steuersparfonds bedeutet hätte, müssen Sie als Projektentwickler doch erleichtert sein.

          Es ist zunächst ja nur ein Aufschub. Außerdem ist die Gesetzesänderung für uns sogar eher positiv.

          Wieso das?

          Weil die positiven Impulse überwiegen. Zwar trifft es unser Produkt „Solarstromparks“ negativ, da hier die Steuerabschreibungen eine Rolle spielen. Da wir aber hier verstärkt im Ausland, vor allem in Spanien, investieren und es dafür nie Steuerabschreibungen gab, sehen wir das gelassen. Wir erwarten uns hingegen für unser Produkt „Solar Optimal“ eher positive Effekte.

          Das ist der Solarpark, den Sie gemeinsam mit Solon bauen.

          Richtig. Der Clou an diesem Modell ist, daß die Anleger einzelne Anlagen erwerben und damit selbst Gewerbetreibende und Vertragspartner der Energieversorger werden. Das ist so, als ob sie auf ihrem eigenen Dach eine Solaranlage bauen und den Strom ins Netz einspeisen würden.

          Und dafür rechnen Sie mit einer größeren Nachfrage?

          Für mich ist das Thema beim Bau von Photovoltaik-Anlagen die Rendite, die unsere Kunden damit erzielen können. Unter fünf Prozent vor Steuern erkaltet das Interesse der Anleger rasch - „Solar Optimal“ bietet derzeit sechs Prozent, ist zu zwei Dritteln verkauft und im üblich starken Jahresendgeschäft werden wir auch das letzte Drittel noch verkaufen.

          Renditeprojektionen sind das eine, Realisierung das andere. Wie sieht ihre Leistungsbilanz aus?

          Das Schöne an der Photovoltaik ist die Berechenbarkeit. Die Vergütungen nach dem EEG sind kalkulierbar, ebenso die Anschaffungskosten, die Pacht usw. Die Sonneneinstrahlung schwankt jährlich lediglich um zehn Prozent, über den üblichen Investitionszeitraum von 20 Jahren noch deutlich weniger. Da kann man treffsicher und gut kalkulieren. Bei anderen Anlageformen ist eine solche Projektion mit deutlich höheren Unsicherheiten verbunden.

          Aber laufen ihnen angesichts der Auslastung nicht inzwischen die Beschaffungskosten davon?

          Steigende Beschaffungskosten sind sicherlich ein Problem. Aber wir jammern da auf hohem Niveau. Wir verzeichnen Steigerungsraten von 200 und 300 Prozent und beschweren uns, weil wir die letzten 50 Prozent vielleicht nicht schaffen. Eindeutige Maßgabe für unser Geschäft bleibt: Solange wir unserem Kunden eine Rendite von rund vier Prozentpunkten über dem Basiszins anbieten können, haben wir ein attraktives Produkt. Und wenn wir das nicht mehr können, weil die Beschaffung zu teuer oder die Zinsen zu hoch sind, müssen wir nach geeigneten Alternativen suchen. Wir könnten zum Beispiel in anderen Ländern günstiger einkaufen. Oder - und das ist unsere Strategie - wir verlegen die Solarparks ins Ausland. Andere Länder bieten inzwischen attraktivere Einspeisevergütungen. So können wir unseren Kunden ab 2006 in Spanien oder Italien Renditen von sieben bis acht Prozent anbieten.

          Nichtsdestoweniger haben ihnen die Materialkosten in diesem Jahr zugesetzt.

          Das ist wahr. Ich rechne auch damit, daß im kommenden Jahr die Siliziumpreise weiter leicht steigen und auf die Margen drücken werden. 2007 aber erwarte ich eine Entspannung und ein Nachgeben der Preise, wenn die derzeit entstehenden Kapazitäten auf dem Markt sind.

          Sie haben zwei Kapitalerhöhungen in diesem Jahr vorgenommen - das Projektentwicklungsgeschäft hat einen hohen Liquiditätsbedarf.

          Natürlich. Aber wir müssen das Wachstum ja solide finanzieren. Außerdem haben wir viel schwimmende Ware zu finanzieren, teilweise im wahrsten Sinn des Wortes, in Containern auf dem Meer. Im kommenden Jahr wollen wir mehr Fremdkapital aufnehmen, weil sich das bei unserer Eigenkapitalquote einfach anbietet. Diese soll aber dennoch über 50 Prozent liegen.

          Das wird aber das Nettoergebnis belasten.

          Das trifft zu. Wir kalkulieren derzeit mit einem negativen Zinsergebnis, das 2008 rund eine Million Euro erreichen wird. Allerdings wird in derselben Zeit unser Vorsteuerergebnis stark steigen.

          Warum sollte man ihre Aktien kaufen?

          Wir werden weiter auf unserem kontinuierlichen Wachstumspfad voranschreiten. Unsere zunehmende Internationalisierung mit einem Zukauf in Spanien, möglicherweise auch einem weiteren in Italien, und unser Projekt „SolarOptimal“ macht unser Geschäft interessant. Im Vergleich zu unseren Hauptwettbewerbern haben wir zudem den Vorteil, daß wir unsere Projekte selbst vertreiben. Unsere projektierten Margen sind derzeit zwar niedriger als die des Wettbewerbs, aber dafür halte ich sie langfristig für realistischer.

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