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Photovoltaik : Sunline-Aktie startet mit branchenüblicher Bewertung

  • Aktualisiert am

Sunline-Chef Wolfgang Wismeth Bild: Sunline AG, Fürth

Die Solaraktien fallen bisweilen, aber der Glaube an sie wankt nicht. Jedenfalls ist die Emission der kleinen Fürther Sunline AG hoch überzeichnet. Ob diejenigen, die mit Aktien bedacht werden, wirklich Glück haben, wird sich weisen.

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          Es bleibt dabei: Trotz aller Wackler sind Solaraktien immer noch in Mode. Begehrt waren jedenfalls die Aktien des Börsenaspiranten Sunline. Die beim Börsengang federführende Baader Wertpapierhandelsbank gab am Donnerstag bekannt, daß die Emission etwa 37fach überzeichnet gewesen sei.

          Das Volumen betrug 1,5 Millionen Aktien zuzüglich einer Plazierungsreserve von 200.000 Aktien. 1,5 Millionen Aktien stammen aus einer Kapitalerhöhung. Davon seien 80 Prozent institutionellen Investoren und 20 Prozent privaten Anlegern zugeteilt worden, die damit nunmehr 27,3 Prozent des Aktienkapitals halten. Die Solartechnikfirma hatte die Aktien zum festen Stückpreis von 5,30 Euro angeboten und nimmt mit den Börsengang so rund 7,2 Millionen Euro ein.

          Finanzierung und Zulieferungen als Engpässe

          Das Fürther Unternehmen plant, projektiert und vertreibt Photovoltaik- und Solarthermie-Anlagen sowie deren Komponenten und erstellt Solarkraftwerke jeder Größenordnung von der Anlage für das Eigenheim bis hin zu Beteiligungskraftwerken im Megawattbereich. Schwerpunkt der Aktivität ist der fränkisch-pfälzische Raum, Referenzprojekte hat Sunline auf dem Nürnberger Messegelände und der Kongreßhalle, in Fürth und Neustadt an der Weinstraße.

          Im vergangenen Jahr steigerte das Unternehmen den Umsatz um 74 Prozent von 19 auf 33,1 Millionen Euro. Besonders im April sei die Nachfrage „explodiert“, so daß es zu Lieferengpässen gekommen sei. Nicht nur seien die Module knapper geworden, auch die Auftragsfinanzierung sei erst im August genehmigt worden. In der Folge seien dem Vorgängerunternehmen GWU Solar Liefermengen der Hersteller verlorengegangen.

          Auch das Auslands- und Endverbrauchergeschäft habe gelitten, weil die Siliziumproduktion hauptsächlich in Großmodule und nicht in kleinere Stückelungen geflossen sei. Auf diese Weise betrug der Auftragsbestand zum 31. Dezember 2004 noch 25 Prozent des Umsatzes des Jahres 2004. Zum Ende des ersten Quartals bezifferte das Unternehmen den Auftragsbestand auf 50 Prozent des Vorjahresumsatzes.

          Neue Aufträge könnten aber nur in dem Umfang angenommen werden, wie es die Beschaffungsseite zulasse. Für 2005 peilt die Gesellschaft einen Umsatzanstieg auf 44,7 Millionen Euro von 33 Millionen Euro im Vorjahr an. Vor Zinsen und Steuern solle der Gewinn auf 2,3 Millionen Euro mehr als verdreifacht werden. Von der Kundenseite her gäbe es Möglichkeiten, die „doppelte Planmenge“ zu realisieren, aber diese könnten für das laufende Jahr nicht mehr angenommen werden.

          Erst mal Schulden abbauen

          Mit den Einnahmen aus der Aktienplazierung will Sunline das Geschäft mit Solaranlagen aus- sowie Schulden abbauen. Die hat das Unternehmen nicht zu knapp. Zum 31. Dezember 2004 betrug die Eigenkapitalquote lediglich 15,6 Prozent. Indes sollen die Verbindlichkeiten aktuell nur 2,3 Millionen Euro betragen, nachdem sie im Jahresbericht 2004 noch mit über fünf Millionen angegeben wurden. Auch die Liquiditätssituation war mit 388.555,31 Euro in den Kassen nicht unbedingt komfortabel.

          Im vergangenen Jahr fiel bei Sunline ein Jahresüberschuß von 297.316,65 Euro bei einem Vorsteuergewinn von 709.025,45 Euro an. 2006 soll der Jahresüberschuß 2,2 Millionen Euro bei einem Vorsteuergewinn von circa 4,6 Millionen Euro betragen, wozu erstmals auch das Auslandsgeschäft beitragen soll. Denkbar sei dann auch die Zahlung einer Dividende. Den Überschuß für 2005 könne man noch nicht prognostizieren, sagte Sunline-Chef Wolfgang Wismeth laut der Nachrichtenagentur Bloomberg auf einer Pressekonferenz am Mittwoch, weil „das Unternehmen für den Börsengang bis zu 800.000 Euro aufwenden müsse“.

          Branchenübliche Bewertung

          Diese unvollständigen Angaben machen die Beurteilung der Sunline-Aktie nicht einfacher. Geht man von einer Relation des Überschusses zum Vorsteuergewinn aus, der zwischen den Relationen von 2004 und 2006 liegt, so erhält man beim Emissionspreis von 5,30 Euro für das laufende Jahr eine Bewertung mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von rund 32. Für 2006 reduziert sich das KGV dann auf etwa 15.

          Das ist zwar zunächst einmal eine Menge Holz, insbesondere in Anbetracht der Kleinheit des Unternehmens. Der Umsatz von Ersol wird in diesem Jahr etwa um zwei Drittel höher liegen, bei Q-Cells gut fünf- bis sechsmal so hoch. Indes zeigt der gesamte Sektor eine immense Wachstumsdynamik, was sich auch bei Sunline an der mutmaßlichen KGV-Entwicklung zeigt, und ist hoch bewertet.

          Bei 32 liegt Sunline indes bereits am oberen Rand der Branche. So sind Solon und Phönix Sonnenstrom mit einem KGV von unter 30 deutlich günstiger. Indes liegt das 2006er KGV darüber, da Sunline eine höhere Wachstumsdynamik - nicht zuletzt aufgrund der geringeren Unternehmensgröße - aufweist. Indes basieren all diese Überlegungen auf relativ wenig exakten Prognosen des Unternehmens und sind daher eher Richtwerte. Zudem würde die geringe Unternehmensgröße eher einen Abschlag rechtfertigen.

          Im vorbörslichen Handel beim Brokerhaus Lang & Schwarz wurden die Sunline-Titel zuletzt mit 6,40 bis 6,80 Euro gehandelt. Das zeigt, daß das Sentiment für Solar-Aktien weiter gut, aber auch kritisch ist. Insofern ist mit ersten Zeichnungsgewinnen wohl zu rechnen, doch werden sich diese vermutlich im selben Maße relativieren wie bei Ersol und Q-Cells, die indes noch immer sechs bis 16 Prozent über dem Ausgabepreis notieren. Legt man allerdings die Graumarkt-Kurse zugrunde, könnte der Kurs der Sunline-Aktie auch relativ zügig unter den Ausgabepreis fallen. Daher sollten die „Geburtswehen“ des Börsengangs besser erst einmal abgewartet werden, bevor man sich gegebenenfalls zum Einstieg in die Aktie entschließt.

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