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Photovoltaik : Solarworld ist für Kalifornien am besten gerüstet

  • Aktualisiert am

Sonniges Kalifornien: Solaranlage in Los Altos Hills Bild: Sunpower Corp.

Das am Donnerstag verabschiedete kalifornische Programm zur Förderung der Sonnenergie heizt auch den Kursen der Solaraktien ein. Nicht alle Unternehmen dürften davon aber gleichermaßen profitieren können.

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          Solarwerte gehörten im vergangenen Jahr zu den gefragtesten Aktien. Bei den Börsengängen von Ersol, Q-Cells und anderen wurden den Unternehmen die Papiere förmlich aus den Händen gerissen. Schon befürchtete so mancher eine Spekulationsblase.

          Doch Ursache war vielmehr ein heftiger Boom in der Branche, der zunehmend auch auf das Ausland übergriff und auf der Produktionsseite zu Lieferengpässen führte. Am Freitag erhielten zum einen die Internationalisierung des Geschäfts und die Kurshausse neue Nahrung.

          2600 Megawatt in Kalifornien

          Die Regulierungsbehörde PUC (Public Utilities Commission) des amerikanischen Bundesstaats Kalifornien stimmte am Donnerstag einem auf elf Jahre angelegten Plan zu, der unter anderem Rabatte für Hausbesitzer und Unternehmen beim Umrüsten auf Solarenergie vorsieht. Bis zum Jahr 2017 sollen eine Million Gebäude mit Solardächern ausgestattet werden.

          Nach Angaben der PUC könnte damit die Energieversorgung 2,3 Millionen Kalifornier gedeckt werden. Die erwarteten 3000 Megawatt Energie entsprechen der Produktionsleistung von sechs Elektrizitätswerken. Derzeit werden in den Vereinigten Staaten lediglich 400 Megawatt aus Solarsystemen gewonnen. Mit der „California Solar Initiative“ setzt der Westküstenstaat das bisher größte Solarförderungsprogramm in den Vereinigten Staaten um. Bei einer vollständigen Umsetzung der Pläne würde der amerikanische Bundesstaat nach Japan und Deutschland zum weltweit drittgrößten Produzenten von Solarstrom.

          Einen zusätzlichen Anreiz zur Umrüstung erhalten die Bürger dadurch, daß ein Teil der Kosten durch einen Aufschlag von einem Dollar auf die Gas- und Stromrechnung hereingeholt werden soll.

          Internationalität ist Trumpf

          Diese Aussichten veranlaßten die Anleger am Freitag zum teilweise beherzten Zugreifen bei Solarwerten, nachdem bereits am Donnerstag vor allem ausländische Investoren die Kurse getrieben hatten.

          Indes zeigten sich die Anleger dabei durchaus wählerisch. Während Solarworld und Ersol stark zulegten, hielten sich die Aufschläge bei anderen Werten in Grenzen. Auch setzten Gewinnmitnahmen ein, die zum Beispiel die Aktie von Conergy fast völlig die ursprünglichen Kursgewinne kosteten. Gar nicht profitieren konnten dagegen die Aktien der Solar-Fabrik, die deutlich ins Minus rutschten.

          Analyst Patrick Hummel von der LBBW erklärt dies damit, daß die kalifornischen Pläne nicht allen Firmen zusätzliche Wachstumsmöglichkeiten eröffneten. „Vor allem Solarworld, Conergy und Q-Cells dürften profitieren, weil sie international aufgestellt sind. Diese Unternehmen haben auch durchaus Chancen, einen Teil des Kuchens abzubekommen“, erläuterte er gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters.

          Amerikanische Konkurrenten noch relativ klein

          Die Hoffnung, daß die deutschen Solarwerte von dem kalifornischen Programm profitieren können, ist nicht unberechtigt, beherbergt Deutschland doch einige der größten Solarfirmen. Viele der amerikanischen Konkurrenten befinden sich noch in der Aufbauphase. Eine Ausnahme stellt Solar Integrated Technologies (SIT) dar. Die Aktie des Herstellers von Photovoltaik-Dachsystemen, die nur in London gehandelt wird, verzeichnet ein Plus von knapp vier Prozent.

          SIT ist bereits in Kalifornien tätig, zum Beispiel in einem Projekt für den Schulbezirk von San Diego. Gegenüber einer Solarworld ist SIT indes noch klein. Gerade einmal 14,4 Millionen Dollar setzte man im ersten Halbjahr 2005 um - indes dreimal soviel wie noch im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Das Unternehmen macht noch Verluste. SIT ist auf Solaranlagen spezialisiert, die auf Gewerbedächern installiert werden.

          Bewertet ist das Unternehmen aktuell mit rund 160 Millionen Euro und damit rund dem Sechsfachen des für 2005 zu erwartenden Umsatzes. Andererseits wächst SIT dynamisch und hat das Potential, in die Bewertung hineinzuwachsen. Indes ist die Aktie trotz eines steilen Aufwärtstrends recht volatil.

          Chancen auch für amerikanische Zulieferer

          Nicht profitieren kann am Freitag die Aktie des Solarzellen-Herstellers Sunpower, der unter anderem der deutschen Solarzellen zuliefert. Sunpower ist erst seit kurzem an der Börse und hat noch keine Zahlen vorgelegt. Indes dürfte das Unternehmen von dem Dächerprogramm sicher profitieren.

          Auch Evergreen Solar, die mit Q-Cells zusammenarbeiten konnten von den Meldungen nicht profitieren.- Die Aktie verliert sogar über zwei Prozent. Nichtsdestoweniger sollte der Zulieferer von Wafern auch profitieren können. Mit rund 627 Millionen Dollar Marktkapitalisierung ist das Unternehmen, das in den ersten neuen Monaten 32 Millionen Dollar umsetzte und 21 Cents Verlust je Aktie einfuhr allerdings auch schon sehr großzügig bewertet.

          Solarworld „in der Lage zu liefern“

          Unter diesen Umständen scheint das Interesse an den großen deutschen Solarwerten verständlicher. Solarworld setzte in den ersten neuen Monaten des vergangenen Jahres 247 Millionen Euro um und fuhr dabei einen Konzerngewinn von 33,56 Millionen Euro ein. Auch die Wachstumsraten von 71,4 Prozent beim Umsatz und 33,6 Prozent beim Gewinn können sich sehen lassen.

          Zwar ist das Papier mit geschätzten Kurs-Gewinn-Verhältnissen von 28,6 für das laufende und 24,4 für das kommende Jahr nicht gerade billig. Doch ist man in Bonn überzeugt, vom Programm profitieren zu können. „Wir sind in der Lage in den Vereinigten Staaten zu liefern, die Module von Solarworld sind dort zugelassen“, sagte Vorstandschef Frank Asbeck der Finanz-Nachrichtenagentur dpa-AFX. Es gebe bereits die ersten Aufträge und die Kunden hätten bei der Bestellung „Millionen“ gezahlt. Das Bonner Unternehmen verfügt über ein Vertriebsbüro in Kalifornien. Der Ausbau des Auslandsgeschäfts soll über die Eröffnung weiterer Vertretungen erweitert werden.

          „Erster Profiteur“

          Indes ist ein wenig Nüchternheit angebracht. Denn das Programm kommt nicht überraschend, konkretisiert und begünstigt zunächst nur Möglichkeiten, die es schon immer gegeben hat. Aufträge haben Solarworld & Co. noch nicht in der Tasche.

          Für HSBC-Analyst Burkhard Weiss hat sich die durch diese Phantasie ausgelöste Aufwärtsdynamik etwas verselbständigt. Das Programm komme schließlich nicht überraschend, sagte er dpa-afx. Allerdings ist auch für Weiss Solarworld der „erste Profiteur“, auch Q-Cells und im geringeren Maße Ersol spricht er auf dem noch relativ kleinen amerikanischen Markt Chancen zu, ebenso Conergy, die als Reseller besonders schnell in den Markt dringen könnten.

          Die Aktie von Q-Cells ist mit KGVs von 31 und 23,6 ähnlich teuer, wie die von Solarworld, Ersol und Conergy mit 27 und 19 bzw. 21 und 17 etwas günstiger.

          Indessen weist Solarworld die charttechnisch eindeutigste Aufwärtsdynamik aus. Q-Cells hat ebenfalls gerade erst ein neues Hoch aufgestellt und damit den Weg nach oben frei. Ersol liegt dagegen noch ein ganzes Stück unter den hohen Erstkursen und die volatile, seitwärts tendierende Conergy hat bis zum Oktober-Hoch gleichfalls noch ein Stück Weg vor sich.

          Wer also den Optimismus teilt, daß die Sonne Kaliforniens künftig die Bilanzen deutscher Solarfirmen braun färben wird, ist in der Gesamtgemengelage mit Solarworld vielleicht am besten beraten.

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